Ski alpin
Silvan Zurbriggen: «Ich habe keine Elefantenhaut»

Der sensible Walliser Allrounder hat Appetit auf mehr – auf viel mehr sogar. Trotz zahlreichen Verletzungen liess er sich nie unterkriegen.

Richard Hegglin
Drucken
Teilen
Der Walliser Silvan Zurbriggen beisst sich auf und neben der Piste durch. Alessandro Della Bella/KEYstone

Der Walliser Silvan Zurbriggen beisst sich auf und neben der Piste durch. Alessandro Della Bella/KEYstone

Er ist in der Weltcup-Zwischenwertung die Nummer 1 der Schweiz und zusammen mit Benjamin Raich der Einzige, der in drei verschiedenen Disziplinen Top-Ten-Klassierungen aufweist. Silvan Zurbriggen befindet sich auf der Überholspur und hat Appetit auf mehr.

Schon oft hat Zurbriggen in den ladinischen Tälern Val Gardena und Alta Badia Schlagzeilen gemacht. 2006 fuhr er in der Abfahrt mit der Nr. 51 auf den 9. Platz und 2009 wurde er Zweiter im Slalom – erfreuliche Perspektiven. Aber der Walliser erlebte auf der Saslong auch die Kehrseite, als er sich einen Kreuzbandriss zuzog und eine Saison ausfiel.

«Solche Verletzungen haben mich starkgemacht», findet Zurbriggen, «seit meinem letzten Unfall ging es nur noch aufwärts. Ich profitiere von einem tollen Umfeld.» Er hebt ausdrücklich Trainer, Service und auch Teamkollegen hervor, als wolle er einen Kontrast setzen zu jenen Bildern, die zuweilen in der Öffentlichkeit gezeichnet werden. Sein letztjähriger Trainer Mauro Pini sagte mal: «Er braucht ein Fundament.» Oder anders ausgedrückt: ein sportliches Zuhause, das er in der Trainingsgruppe mit Cuche und Défago fand. Bei der damaligen Techniker-Gruppe von Sepp Brunner glaubte er, diese Harmonie nicht zu spüren.

Andere «Verletzungen» sind aktuell

Ein nicht sonderlich geschickt kommuniziertes Ereignis in Lake Louise, wo er aus einem Hotel ausquartiert wurde, erzeugte ein Potpourri von Gerüchten und Spekulationen, das paradoxerweise mit jedem neuen Erfolg von Neuem entfacht wird. «Das sind die Begleiterscheinungen des Erfolges», sagt der deutsche TV-Reporter Tobias Barnerssoi, der als Ex-Skistar auch die andere Seite des Geschäfts kennt. «Ich will über dieses Thema nicht mehr reden», blockt Zurbriggen, «für mich ist es definitiv abgeschlossen.»

Zurbriggen ist ein Hochleistungsathlet mit Ecken und Kanten. Er geht seinen Weg und ordnet ihm alles unter. Ein Journalist versuchte ihn einmal am Sonntagabend um 20.00 Uhr zu erreichen – er malochte im Kraftraum! Wenn er mit dem Material nicht zurechtkam, zog er Konsequenzen. Das war seinerzeit bei Nordica und später bei Fischer der Fall – ebenfalls mit Begleiterscheinungen. Die bedingungslose Fokussierung auf den Erfolg schaffte ihm nicht nur Freunde.

Einige verpassten ihm das Image eines Eigenbrötlers. Zurbriggen sieht sich anders: «Dafür wäre ich viel zu sensibel. Ich brauche Leute um mich, wo ich mich wohl fühle.» Karl Frehsner charakterisiert ihn so: «Wenn man sein Vertrauen hat, kann man alles von ihm haben.» Wenn aber Zurbriggen jemandem misstraut, pflegt er gerne das Wort auf die Goldwaage zu legen. «Ich habe nun mal keine Elefantenhaut», sagt der Gliser.

Er gehört nicht zur Kategorie der Marc Girardelli oder Peter Müller, die sogar noch Kraft daraus schöpften, wenn sie sich angegriffen fühlten. Doch hat er sich eines vorgenommen: «Ich versuche einfach gewisse Dinge zu ignorieren». Kopf runter und vorwärts – ganz nach dem Motto der Ehringer Kampfkühe, die er sich als Hobby hält.

Trotz seiner guten Ausgangslage im Weltcup hat er keinen Plan: «Ich nehme jedes Rennen, wie es kommt, und hoffe, dass es in diesem Stil weitergeht.» Vor allem im Januar mit fünf aufeinanderfolgenden Slaloms setzt er seinen Fokus: «Da werde ich als taktische Massnahme vielleicht das eine oder andere Rennen auslassen.» Seit 13 Slaloms ist er nie
mehr ausgefallen. Seit 5 Rennen klassierte er sich stets in den Top 7. Was fehlt ist nur noch ein Sieg – hoffentlich wird er für ihn nicht zum Bumerang.

Aktuelle Nachrichten