Die beiden Schweizer im Mehrkampf-Final, der Aargauer Christian Baumann und der St. Galler Pascal Brägger, lieferten sich einen Zweikampf auf höchstem Niveau. Beide turnten fehlerfrei, lagen im Verlauf der sechs Geräte meistens eng beieinander und bestätigten am Ende mit den Rängen 13 (Brägger) und 15 (Baumann) sowie praktisch identischen Totalen wie in der Qualifikation ihren «olympischen WM-Auftritt».

Beide turnten mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Das interne Duell ging dank persönlichem Punkterekord an Brägger. «Der ganze Druck war weg», sagte der Ostschweizer, «nun spüre ich aber definitiv die Müdigkeit».

Baumanns Zwick im Rücken

Auch für den erst 20-jährigen Baumann war es das bisher wertvollste Mehrkampf-Resultat seiner Karriere. Dabei begann der Wettkampf für ihn mit einem Schreckmoment. «Beim Einturnen an den Ringen zwickte es im Rücken. Ich spürte den Schmerz den ganzen Abend lang», verriet der EM-Zweite am Barren. Baumann biss auf die Zähne und hielt durch.

«Da half mir wohl das Adrenalin», sagte er nach geschlagener Schlacht. «Aber jetzt sind die Batterien leer, schliesslich hatten wir seit drei Wochen keinen einzigen Tag ohne Training oder Wettkampf.» Deshalb kam seine Antwort auf die Frage, wie seine nächsten Ziele aussehen, wie aus der Pistole geschossen: «Das nächste persönliche Ziel sind meine Ferien». In einer Woche werden sie beginnen.

Steigerungspotenzial bis Rio

Ab sofort wird Baumanns Fokus auf die Olympischen Spiele in Rio ausgerichtet sein. Er ist nicht nur vom Alter her der Schweizer Mehrkämpfer mit dem grössten Steigerungspotenzial. Baumann lässt keinen Zweifel daran, dass er dieses für Rio anzapfen wird. «Ich habe im Training schon an allen sechs Geräten Übungen mit schwierigeren Elementen geturnt.

Nur sind diese noch nicht stabil genug. Und hier in Glasgow war im Hinblick auf die Olympiaqualifikation Stabilität vor allem anderen gefragt.» Der Aargauer ist aber zuversichtlich, dass er bis Rio die neuen Schwierigkeiten im Griff haben wird.

King Kohei schreibt Geschichte

In der Auseinandersetzung um Edelmetall stand der japanische Superstar Kohei Uchimura einmal mehr über allen Konkurrenten. Mit dem sechsten Mehrkampf-Weltmeistertitel in Serie verlängerte der 26-Jährige seine Ungeschlagenheit an Titelkämpfen auf sieben Jahre. Schlechte Aussichten für die Gegner, dass «King Kohei» vor kurzem verlauten liess, seine bereits jetzt einzigartige Karriere bis zur Heim-Olympiade 2020 in Tokio verlängern zu wollen.

Angesichts des kleiner werdenden Punkteabstands zur Konkurrenz muss sich Uchimura allerdings für die Zukunft überlegen, seine unkonventionellen Essgewohnheiten vielleicht doch spitzensportfreundlicher zu gestalten. Der konsequente Verzicht auf Gemüse zugunsten von Schokoladen-Naschereien ist wohl Koheis grösste Eigenart. Noch kann er sie sich leisten.