Synchronschwimmen
Sie leben in einer Randsportart schon bald ihren Olympia-Traum – aber mussten unglaublich viel investieren

Synchronschwimmen gehört nicht nur hierzulande zu den ausgeprägtesten Randsportarten. Wer es in dieser Disziplin an die Weltspitze und folglich zu einer Teilnahme an Olympischen Spielen bringen will, der muss viel investieren. Zeit – und vor allem auch Geld.

Marcel Kuchta
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Immer schön lächeln: Sophie Giger (links) und Sascia Kraus während ihrer anstrengenden Performance.keystone

Immer schön lächeln: Sophie Giger (links) und Sascia Kraus während ihrer anstrengenden Performance.keystone

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Auf gegen 200 000 Franken belaufen sich die Gesamtkosten des Olympia-Projekts des «Swiss Synchro-Duetts» Sascia Kraus (23) und Sophie Giger (21). Eine fast unvorstellbar hohe Summe, die sich in der Zeitspanne, in welcher die Thalwilerin und die Ustermerin ihr grosses Ziel verfolgt haben, zusammengeläppert hat. Die Hauptkosten beinhalten das Salär für die Trainer sowie die Wettkämpfe und Trainingslager in aller Welt.

Dazu kommen noch Nebenkosten für Krafttrainer, Physio, Pilates, Massagen, Ärzte, Mentalcoach und und und. Wer soll das bezahlen? Die gesamten Kosten teilten sich Swiss Olympic, Swiss Swimming, Swiss Synchro und das Olympia-Projektteam, welches rund die Hälfte der Kosten selber deckte mit Sportpreisen, Crowdfunding, Förderern, Gönnern und Sponsoren.

Immer lächeln

Bis zu 35 Stunden verbringen Sascia Kraus und Sophie Giger wöchentlich im Wasser. Teilweise mit Gewichten an den Beinen. Jeder, der schwimmen kann, weiss, was es bedeutet, sich koordiniert im Nass bewegen zu wollen. Der Kraftaufwand ist enorm. Umso mehr, wenn die Bewegungen noch elegant aussehen sollen, synchron mit einer Partnerin sein müssen und dabei stets ein Lächeln auf den Lippen getragen werden sollte.

Fünfmal pro Woche tauchen die beiden Zürcherinnen morgens um halb sieben ein in ihr Trainingsbecken und bleiben dort bis mindestens 12 Uhr. Unterbrochen werden die bis zu sieben (!) Stunden langen Sessions nur kurz. Etwa mit einer «Bananenpause», in welcher in aller Eile eine Frucht verspeist wird, ehe die österreichische Trainerin Olga Pylypchuk (mit ukrainischen Wurzeln) zur nächsten Übung bittet. Am Nachmittag stehen dann Einheiten im Kraftraum, Pilates, Physio und ergänzende Lektionen wie Ballett auf dem Programm.
Bevor das Synchro-Olympia-Projekt konkrete Formen annahm und eine Teilnahme in Rio in den Bereich des Möglichen rückte, trainierten Sascia und Sophia bereits zwischen 20 und 25 Stunden pro Woche. Nebenbei arbeitete Kraus als Floristin, während Giger ihre Matur abschloss. Seit Mitte 2015 setzen die beiden voll auf die Karte Sport, führen ein eigentliches Profi-Dasein, ohne dafür aber im klassischen Sinn Geld zu verdienen.
Doch für die beiden Wassersportlerinnen – oder eher Wasserkünstlerinnen – steht anderes im Vordergrund. Für sie geht mit der Reise nach Rio ein Traum in Erfüllung. Sie ist der Lohn für die grossen Investitionen, die sie in ihre Leidenschaft getätigt haben. Doch damit ist die Geschichte für Sascia Kraus und Sophie Giger noch lange nicht zu Ende. Sie wollen in Brasilien mehr als einfach nur dabei sein.

«Die Olympia-Teilnahme bedeutet uns sehr viel. Wir wollen unseren Sport so gut wie möglich repräsentieren. Wir wollen ein Aushängeschild für die Schweiz sein», unterstreicht Sascia Kraus und formuliert folgendes Ziel: «Ein Finalplatz, gleichbedeutend mit einem Rang unter den Top 12, wäre für uns wie eine Goldmedaille.»

Die Perspektive nicht verlieren

Die wenigen Minuten im Rampenlicht können für jeden Randsportler aber auch zur Bürde werden, wenn der Druck und die Angst, im entscheidenden Augenblick zu versagen, zu gross ist. Diese Erfahrung machten die beiden schon in den vergangenen Wochen, wenn sie an Show-Wettkämpfen antraten – versehen mit dem Etikett «Olympia-Teilnehmerinnen». «Alle Augen sind auf uns gerichtet. Man will in diesem Moment natürlich keinen Fehler machen. Das ist nicht immer einfach», sagt Kraus.
Auch in Rio wird viel davon abhängen, ob die beiden Zürcherinnen dann, wenn es zählt, die richtige Mischung zwischen höchster Konzentration und der nötigen Gelassenheit finden werden. Sascia Kraus sieht diesbezüglich eher das grosse Bild: «Man muss sich auch immer wieder selber sagen: ‹Nicht jeder schafft es, an Olympischen Spielen teilzunehmen.› Diese Perspektive darf man allem Erwartungsdruck zum Trotz nie verlieren.»