«Selbst ein Topteam braucht Zeit»

Bei den Grasshoppers herrscht Aufbruchstimmung. Nach dem vierten Platz in der letzten Saison will der Rekordmeister nun wieder ganz vorne mitspielen. Dies macht GC-Trainer Ciriaco Sforza im Interview mit Abwehrchef Boris Smiljanic klar.

Drucken
Ciriaco Sforza und Boris Smiljanic

Ciriaco Sforza und Boris Smiljanic

Aargauer Zeitung

Aufgezeichnet: Markus Brütsch

Ciri, wie ist es zum ersten Kontakt zwischen dir und GC gekommen?
Ciriaco Sforza: Präsident Roger Berbig und Herr Spross haben das Gespräch mit mir gesucht, und danach ist alles ziemlich schnell gegangen.

Und dann bist du mit Kisten voller Material gekommen und hast dein Büro eingerichtet. War alles schon weggeräumt?
Sforza: Ja, alles war tipptopp vorbereitet. Alles ist vorhanden: Ein Fernseher, ein Videogerät, ein Laptop und ein Fax. Besser kann ich es nicht haben.

Und du hast kunstvolle Bilder aufgehängt!
Sforza: Ich wollte Farbe, Leben und Energie reinbringen - und dies ist mir gut gelungen.

Wie ist dein Eindruck von der Mannschaft?
Sforza: Sie lebt. Sie hat Energie und ist positiv. Und sie will. Und dass sie will, ist schon mal ein sehr gutes Zeichen.

Smiljanics Comeback rückt näher

Noch muss sich Boris Smiljanic gedulden. Anfang Mai war in seinem linken Fussgelenk in einem anderthalbstündigen operativen Eingriff eine Knochenabsplitterung entfernt und gleichzeitig die Achillessehne von Vernarbungen befreit worden. So fehlte der Routinier, der Ende September 33 Jahre alt wird, als der neue GC- Trainer Ciriaco Sforza mit der Mannschaft die Vorbereitung auf die neue Saison aufnahm. Inzwischen aber absolviert Smiljanic Lauftrainings und sein Comeback auf dem Rasen rückt mit jedem Tag näher. Irgendwann im August wird es wohl sein, dass Smiljanic seine fünfzehnte Profisaison - klammert man die drei Spielzeiten aus, in denen er als Nachwuchsspieler zu acht Einsätzen in der Nationalliga A kam - in Angriff nimmt. Mitten in der Saison 2002/2003 hatte Smiljanic einst für Aufsehen gesorgt, als er von den Grasshoppers ausgerechnet zum Rivalen FC Basel wechselte. Beim FCB schnürte er während viereinhalb Jahren die Schuhe, er wurde Meister und Cupsieger, ehe ihn vor zwei Jahren die Grasshoppers mit ihrer neuen Führung unter Präsident Roger Berbig und Sportchef Erich Vogel mit einem Supervertrag zurück nach Zürich lockten. In der ersten Saison fehlte er nur in einem einzigen Spiel, in der letzten Spielzeit musste Trainer Latour aber in vielen Partien auf seinen verletzten Abwehrpatron verzichten. Mit ein Grund, weshalb GC seine Ziele nicht erreichen konnte. Jetzt nimmt Smiljanic einen neuen Anlauf, um eine Bestätigung dafür abzuliefern, dass die Investition der Zürcher in ihn richtig gewesen ist. Bleibt er verletzungsfrei, wird er GC gewiss eine wertvolle Stütze sein. An fünf Meistertiteln der Hoppers war der Aargauer beteiligt gewesen, dreimal hat er für die Schweiz ein Länderspiel absolviert. (br)

Jetzt ist die Vorbereitungsphase abgeschlossen. Ich habe vom einen oder anderen Teamkollegen gehört, sie sei sehr streng gewesen (Boris Smiljanic selbst konnte wegen einer Verletzung nicht mit der Mannschaft trainieren; die Red.).
Sforza: Ja, streng im positiven Sinn. Es galt, in nur kurzer Zeit neue Strategien sowie technische, taktische und physische Elemente zu trainieren. Da ist es doch normal, dass ich das Tempo anziehen musste.

Greifen die Rädchen im Spiel schon ineinander?
Sforza: Ja, die greifen! Dies habe ich in den Freundschaftsspielen, die wir allesamt gewonnen haben, gesehen. Wir sind stabil. Im Training wird gut gearbeitet, aber auch gelacht. Und es ist wichtig, dass wir Spass haben. Wer Spass hat, trainiert leichter. Alle sind mit einer positiven Einstellung dabei.

Am Samstag geht es in Aarau los. Seid ihr bereit?
Sforza: Was heisst ihr? Auch du gehörst dazu, selbst wenn du im Moment noch verletzt bist. Darum sage ich: Wir sind bereit. Wir freuen uns auf die Meisterschaft. Wir wollen mit dieser Mannschaft und diesem Verein etwas bewegen.

Legst du extrem viel Wert auf einen guten Saisonstart, oder denkst du langfristiger und lässt noch das eine oder andere ausprobieren?
Sforza: Selbst ein Topteam braucht Zeit. Ich habe jedenfalls auch bei Spitzenmannschaften noch selten gesehen, dass sie schon vom ersten Spieltag an hundertprozentig funktionieren. Das ist in jedem Land so. Abgerechnet wird am Ende und nicht am Anfang. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht mit dem Ziel nach Aarau fahren, dort zu gewinnen.

Hohe Ambitionen – Die Grasshoppers und ihr neuer Trainer Sforza

Eigentlich haben mit Goalie Jakupovic und den beiden Stürmern Bobadilla und Linz durchaus gute Spieler die Grasshoppers verlassen. Und doch wird im Trainingszentrum in Niederhasli kein Hehl daraus gemacht, dass in der neuen Saison vieles besser sein wird als in der letzten Spielzeit. Es herrscht die Überzeugung vor, die zugezogenen Sommer (Tor), Menezes, Basha, Rogerio und Rennella hätten die Abgänge wettgemacht und zusammen mit dem neuen Schwung, den Trainer Ciriaco Sforza ins Team gebracht habe, sei ein Mitspielen an der Tabellenspitze möglich. Gespannt sein darf man, ob Luganos Challenge-League-Topskorer Rennella auch in der Super League reüssiert, derweil von Sommer gewiss erwartet werden kann, Jakupovic vergessen zu machen. Offen ist, ob die Qualität in der Breite des Kaders genügt, allfälliges Verletzungspech - anders als in der Vorsaison - aufzufangen. (br)

Wie stufst du denn Aarau ein?
Sforza: Im Brügglifeld zu spielen, ist immer unangenehm. Wir treffen auf einen Gegner, der nichts zu verlieren hat. Wir haben die Aarauer beobachtet. Nach den vielen Abgängen haben sie eine neue Mannschaft. Aarau war schon immer eine Heimmannschaft, defensiv stabil und gut organisiert. Es liegt aber an uns allein, hier einen positiven Auftritt zu haben.

Falls es einmal nicht so gut läuft wie erhofft und wir in eine Negativspirale geraten: Könnte es dann Probleme geben, oder ist das Team mental stark genug, um damit umzugehen?
Sforza: Auch das liegt allein an uns. Falls erste negative Strömungen entstehen, werde ich diese sofort abbremsen. Mit positivem Denken werden dann die Rädchen wieder schnell ineinandergreifen.

Die Mannschaft ist zuletzt oft mit Storys und negativen Meldungen konfrontiert gewesen. Sie hat sich davon aber nie beeinflussen lassen und immer wieder zu positiven Resultaten gefunden.

Sforza: Was du sagst, ist das Wichtigste überhaupt. Entscheidend ist, dass die Mannschaft ruhig bleibt, auch wenn mal die Resultate nicht stimmen. Wenn wir intern harmonisch bleiben, wird dies auch auf dem Platz ersichtlich. Auf die Länge zahlt sich dies aus.

GC hat klar kommuniziert, was es will: Vorne mitspielen!
Sforza: Das ist das Ziel, ganz klar. Das heisst aber nicht, dass wir dies bereits in den nächsten Wochen erreichen müssen. Wir machen Schritt vor Schritt, immer mit diesem Ziel vor Augen.

Aktuelle Nachrichten