«Selbst ein Topteam braucht Zeit»

Bei den Grasshoppers herrscht Aufbruchstimmung. Nach dem vierten Platz in der letzten Saison will der Rekordmeister nun wieder ganz vorne mitspielen. Dies macht GC-Trainer Ciriaco Sforza im Interview mit Abwehrchef Boris Smiljanic klar.

Aufgezeichnet: Markus Brütsch

Ciri, wie ist es zum ersten Kontakt zwischen dir und GC gekommen?
Ciriaco Sforza: Präsident Roger Berbig und Herr Spross haben das Gespräch mit mir gesucht, und danach ist alles ziemlich schnell gegangen.

Und dann bist du mit Kisten voller Material gekommen und hast dein Büro eingerichtet. War alles schon weggeräumt?
Sforza: Ja, alles war tipptopp vorbereitet. Alles ist vorhanden: Ein Fernseher, ein Videogerät, ein Laptop und ein Fax. Besser kann ich es nicht haben.

Und du hast kunstvolle Bilder aufgehängt!
Sforza: Ich wollte Farbe, Leben und Energie reinbringen - und dies ist mir gut gelungen.

Wie ist dein Eindruck von der Mannschaft?
Sforza: Sie lebt. Sie hat Energie und ist positiv. Und sie will. Und dass sie will, ist schon mal ein sehr gutes Zeichen.

Jetzt ist die Vorbereitungsphase abgeschlossen. Ich habe vom einen oder anderen Teamkollegen gehört, sie sei sehr streng gewesen (Boris Smiljanic selbst konnte wegen einer Verletzung nicht mit der Mannschaft trainieren; die Red.).
Sforza: Ja, streng im positiven Sinn. Es galt, in nur kurzer Zeit neue Strategien sowie technische, taktische und physische Elemente zu trainieren. Da ist es doch normal, dass ich das Tempo anziehen musste.

Greifen die Rädchen im Spiel schon ineinander?
Sforza: Ja, die greifen! Dies habe ich in den Freundschaftsspielen, die wir allesamt gewonnen haben, gesehen. Wir sind stabil. Im Training wird gut gearbeitet, aber auch gelacht. Und es ist wichtig, dass wir Spass haben. Wer Spass hat, trainiert leichter. Alle sind mit einer positiven Einstellung dabei.

Am Samstag geht es in Aarau los. Seid ihr bereit?
Sforza: Was heisst ihr? Auch du gehörst dazu, selbst wenn du im Moment noch verletzt bist. Darum sage ich: Wir sind bereit. Wir freuen uns auf die Meisterschaft. Wir wollen mit dieser Mannschaft und diesem Verein etwas bewegen.

Legst du extrem viel Wert auf einen guten Saisonstart, oder denkst du langfristiger und lässt noch das eine oder andere ausprobieren?
Sforza: Selbst ein Topteam braucht Zeit. Ich habe jedenfalls auch bei Spitzenmannschaften noch selten gesehen, dass sie schon vom ersten Spieltag an hundertprozentig funktionieren. Das ist in jedem Land so. Abgerechnet wird am Ende und nicht am Anfang. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht mit dem Ziel nach Aarau fahren, dort zu gewinnen.

Wie stufst du denn Aarau ein?
Sforza: Im Brügglifeld zu spielen, ist immer unangenehm. Wir treffen auf einen Gegner, der nichts zu verlieren hat. Wir haben die Aarauer beobachtet. Nach den vielen Abgängen haben sie eine neue Mannschaft. Aarau war schon immer eine Heimmannschaft, defensiv stabil und gut organisiert. Es liegt aber an uns allein, hier einen positiven Auftritt zu haben.

Falls es einmal nicht so gut läuft wie erhofft und wir in eine Negativspirale geraten: Könnte es dann Probleme geben, oder ist das Team mental stark genug, um damit umzugehen?
Sforza: Auch das liegt allein an uns. Falls erste negative Strömungen entstehen, werde ich diese sofort abbremsen. Mit positivem Denken werden dann die Rädchen wieder schnell ineinandergreifen.

Die Mannschaft ist zuletzt oft mit Storys und negativen Meldungen konfrontiert gewesen. Sie hat sich davon aber nie beeinflussen lassen und immer wieder zu positiven Resultaten gefunden.

Sforza: Was du sagst, ist das Wichtigste überhaupt. Entscheidend ist, dass die Mannschaft ruhig bleibt, auch wenn mal die Resultate nicht stimmen. Wenn wir intern harmonisch bleiben, wird dies auch auf dem Platz ersichtlich. Auf die Länge zahlt sich dies aus.

GC hat klar kommuniziert, was es will: Vorne mitspielen!
Sforza: Das ist das Ziel, ganz klar. Das heisst aber nicht, dass wir dies bereits in den nächsten Wochen erreichen müssen. Wir machen Schritt vor Schritt, immer mit diesem Ziel vor Augen.

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