Birr
«Seit der WM gehts nur aufwärts»

Er gilt als eines der grössten Verteidiger-Talente der Schweiz: Der 16-jährige Sead Hajrovic aus Birr. U17-Weltmeister Sead Hajrovic erzählt im Interview über die Zeit nach der WM und den FC Arsenal.

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Sead Hajrovic

Sead Hajrovic

Aargauer Zeitung

Hannes Hurter

Während seine Nati-Kollegen nach dem WM-Titel noch in Galas und Fernsehauftritten gefeiert wurden, flog Sead Hajrovic gleich zurück nach London. Der 16-Jährige vom FC Arsenal gilt als eines der grössten Verteidiger-Talente der Schweiz. Zum Interview lud er in sein Elternhaus im Birrer Wydequartier, wo er mit seinem Bruder Izet (18) - seit dieser Saison im Super-League-Kader der Grasshoppers - seine Kindheit verbrachte.

Sead Hajrovic, Sie sind erstmals wieder für kurze Zeit zu Hause in Birr. Was bedeutet es für Sie, heimzukehren?

Sead Hajrovic: Es ist immer ein schönes Gefühl. Ich kann meine Eltern wiedersehen, meinen Bruder und meine Verwandten. Je mehr Zeit ich mit ihnen verbringe, desto glücklicher bin ich.

Was hat sich nach dem WM-Titel verändert? Wie haben die Mitspieler bei Arsenal reagiert?

Hajrovic: Als ich nach London zurückkehrte, haben sie natürlich gratuliert. Auch die Stars der 1. Mannschaft kamen vorbei und umarmten mich. Meine Leistungen haben sich ebenfalls verbessert, ich trat mit grösserem Selbstvertrauen auf den Platz. Seit der WM ging es für mich praktisch nur aufwärts.

Die Stars von Arsenal haben also vom WM-Triumph gehört?

Hajrovic: Ja, klar. Die meisten sind auch total locker drauf und fragen zum Spass schon mal: «Hey Champ, wie gehts uns heute? » Oder beim Essen: «Was hättest du denn gerne? Darf ich dir etwas bringen?» (lacht)

Vor der WM kannten Sie ausserhalb des Birrer Wydequartiers nur wenige - mittlerweile zählen Sie etwa auf Facebook schon über 1300 Freunde. Wie gehen Sie mit der Popularität um?

Hajrovic: Ich nehme es ziemlich locker: Zwar rufen zahlreiche Journalisten an, in England sage ich jedoch meistens ab, weil ich mich auf die Arbeit konzentrieren möchte. Die Popularität ist angenehm, ich freue mich, wenn sich die Leute für mich interessieren und meinen Weg verfolgen.

Gibt es auch Schwierigkeiten, etwa mit nervenden Schulterklopfern oder «falschen Freunden»?

Hajrovic: Kaum. Ich erhalte zwar viele Mails und Nachrichten, worüber ich mich ja auch freue. Doch es ist mir schon bewusst, wer meine wahren Freunde sind und wem ich was erzählen kann.

Welche Rolle spielt die Unterstützung der Familie?

Hajrovic: Eine sehr wichtige! Schon vor meiner Zeit in London hat mir die Familie das Leben «einfach» gemacht, damit ich mich auf den Fussball konzentrieren konnte. Und auch in England unterstützen mich meine Eltern grossartig, rufen an und geben Tipps. Mein Vater schaut sich die Videos von meinen Matches an und sagt mir, was ich verbessern muss.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag beim FC Arsenal aus?

Hajrovic: Ich stehe um 8 Uhr auf, um 9 Uhr holt ein kleiner Bus alle Nachwuchsspieler ab und fährt uns zum Trainingsgelände. Danach haben wir Spiel- und Trainings-
Analyse, führen eine Art Tagebuch. Dann folgt für anderthalb bis zwei Stunden das Training, nachher essen wir in der Cafeteria zusammen mit der 1. Mannschaft.

Am Nachmittag haben wir Theorieunterricht zu Themen wie Gesundheit, Ernährung oder Sportverletzungen. Danach ist Feierabend, wir gehen nach Hause.

«Nach Hause» bedeutet in London?

Hajrovic: Ich wohne mit zwei Teamkollegen bei einer Gastfamilie im Londoner Stadtbezirk Enfield.

Wie beurteilen Sie Ihre sportliche Entwicklung?

Hajrovic: Es lief mir in den letzten Monaten wirklich ausgezeichnet. Nach der Knöchelverletzung im Sommer erkämpfte ich einen Stammplatz, hatte auch schon einige Einsätze mit
dem Reserveteam und durfte ab und zu sogar mit der 1. Mannschaft trainieren.

Haben Sie einen Bezug zu Spielern der 1. Mannschaft?

Hajrovic: Ich habe mich öfter mit Philippe Senderos unterhalten, bis er vor kurzem zum FC Everton wechselte. Und mit Johan Djourou war ich im Sommer während unserer Verletzungen oft gemeinsam im Kraftraum.

Ihre Weltmeister-Kollegen wechselten allesamt in die U18, mit Jahrgang 1993 verbleiben Sie in der U17 - Lust oder Frust?

Hajrovic: Das ist für mich kein Problem, die Spieler der aktuellen Mannschaft kenne ich von der U15- und der U16-Nati ganz gut. Und ich bin stolz, Captain dieses Teams zu sein. Ich freue mich auch auf die bevorstehende Herausforderung, die EM-Qualifikation. Für mich werden es «doppelte Heimspiele».