Für den im Profilager ausschliesslich siegreichen Joshua (21:0 Siege, 20 vorzeitig) ist es bereits das zweite Olympia-Sieger-Duell als Schwergewichts-Weltmeister. Der Olympia-Goldmedaillengewinner von 2012 in London hatte im April 2017 in einem hochklassigen Fight im Wembley-Stadion den früheren Langzeit-Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko vorzeitig besiegt.

Klitschko war als Amateur 1996 in Atlanta Olympiasieger, Joshuas aktueller Herausforderer Powetkin wiederum erkämpfte sich 2004 bei Olympia in Athen die Goldmedaille. Im Profilager brachte es der Russe Powetkin aber trotz 34:1 Siegen (24 vorzeitig) bislang noch nie weiter als bis zum "regulären" WBA-Champion, einem "Weltmeister der zweiten Liga" unterhalb des WBA-Super-Champions.

"Powetkin kann schnell und hart schlagen und ist deshalb jederzeit fähig, einen Kampf vorzeitig zu entscheiden", sagt Joshua respektvoll. Der deutlich jüngere Engländer gilt aber in der Defensive als stabiler. Zudem kann der 1,98 m grosse Modell-Athlet seine Reichweiten-Vorteile gegenüber dem "nur" 1,91 m grossen Powetkin ausspielen.

Der Fight zwischen Joshua und Powetkin enthält wegen eines schlagzeilenträchtigen Vergiftungs-Todesfalls in Grossbritannien auch politische Sprengkraft. Powetkin boxe demnach nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Kreml, heisst es polemisch in Medienberichten.

Für Russland instrumentalisiert wurde Powetkin aus westlicher Sicht indes schon 2013 in seinem bislang bedeutendsten Profikampf, als er gegen Wladimir Klitschko in Moskau und damit ausgerechnet gegen einen Boxer aus der verfeindeten Ukraine Schwergewichts-Weltmeister werden wollte. Damals blieb Powetkin indes trotz Heimvorteil absolut chancenlos.

Powetkin unlängst zweimal positiv getestet

Seit jener Niederlage nach Punkten leistete sich Powetkin indes keinen Ausrutscher mehr und blieb unbesiegt. Auch wirkt er trotz fortgeschrittenem Alter athletischer und ausdauernder als noch vor wenigen Jahren. Allerdings gab es - in der Profibox-Weltspitze nicht ganz unüblich - zwei positive Dopingtests von Powetkin in jüngerer Vergangenheit (Meldonium im Mai 2016 und sieben Monate später Ostarine). Schliesslich platzte deswegen für Powetkin auch ein fixiert gewesener WM-Fight gegen WBC-Schwergewichts-Weltmeister Deontay Wilder.

Der Amerikaner Wilder wird seinen Titel übrigens demnächst gegen den ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister und 2,06-Meter-Giganten Tyson Fury verteidigen. Joshuas exzentrischer Landsmann Fury, der 2015 Wladimir Klitschko problemlos ausgeboxt und einen einstimmigen Punktsieg errungen hat, brennt nach längerer Ringpause mit Abstürzen und mittlerweile zwei leichten Siegen in Aufbaukämpfen auf grosse Showdowns gegen Wilder und Joshua.