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Schweizer Super League schlechter als Usbeken-Liga?

Vietnamesen können natürlich auch Fussball spielen. Ob deren Liga allerdings besser ist als die Schweizer Super League, ist doch eher unwahrscheinlich.

Vietnam Football

Vietnamesen können natürlich auch Fussball spielen. Ob deren Liga allerdings besser ist als die Schweizer Super League, ist doch eher unwahrscheinlich.

In einem soeben erschienenen internationalen Ranking von Fussball-Ligen rangiert die Schweizer Super League auf Platz 70. Notabene hinter den Ligen von Usbekistan, Libyen, Syrien, Hong Kong, Libanon, Jemen oder Simbabwe. Was läuft da schief?

Wladimir Steimer

Die Liste der Top-100-Ligen wird von der IFFHS, der «International Federation of Football History & Statistics» herausgegeben. Auf Platz 1 ist wie zu erwarten die Englische Premier League zu finden, gefolgt von der Brasilianischen, der Argentinischen, der Deutschen und der Spanischen Liga. Dass die Spanische Primera Division erst auf Platz fünf zu finden ist, und etwa eine Liga wie die Italienische Serie A nicht in den Top 5 vertreten ist, kommt einem doch bereits ein wenig spanisch vor. Die Top 10 wird durch Italien, Frankreich, Chile, Ukraine und Paraguay komplettiert.

Schweizer Liga abgeschlagen

Sucht man nun nach der hiesigen Fussball-Liga, stutzt man immer mehr. Erst in Rang 70 wird man fündig. Ist denn unsere Super League tatsächlich so schlecht, dass sie hinter Ligen wie jenen von Usbekistan, Libyen, Syrien, Hong Kong, Malaysia, Libanon, Jemen, etc. zu finden ist?

Diese Liste wirft tatsächlich einige Fragen bezüglich des Verfassers auf. Die IFFHS behauptet folgendes:

«Die Ermittlung der stärksten Ligen der Welt erfolgt unabhängig von subjektiven Einflüssen und nationalen Gefühlen. Die Leistungsstärke einer Liga wird primär durch die im oberen Tabellenteil stehenden Mannschaften widergespiegelt, die ihr Land auch international vertreten. Betrachtet man typische und wichtige Fussballnationen auf globaler Ebene, so nehmen von diesen im Durchschnitt alljährlich 4 - 5 Teams an den kontinentalen Wettbewerben teil. Folglich werden von den jeweils fünf erstplazierten Teams eines Landes in der Club-Weltrangliste die Wertungspunkte addiert. Aus deren Summe ergibt sich die Rangliste der Ligen. Im Rahmen der in den einzelnen Kontinenten ablaufenden Spielpläne und Rhythmen ist dies nur am Jahresende repräsentativ. Die Club-Weltrangliste berücksichtigt zudem stets nur die Resultate der letzten 12 Monate. Dieses Modell wird seit 1991 praktiziert und hat sich nach anfänglichen Turbulenzen stabilisiert und als ein sehr empfindlicher Indikator erwiesen.»

Skurrile Gesellschaft

Von verschiedensten Medien auf seine Listen angesprochen, wimmelt Dr. Alfredo Pöge (ja, er soll wirklich so heissen!), Präsident der IFFHS, ab. Seine Statistiken seien in der ganzen Welt anerkannt. Und tatsächlich veröffentlichen deutschsprachige Medien die Listen des Dr. Pöge ohne Wimperzucken. Doch seine Seriosität wird immer mehr angezweifelt. TAZ-Publizist Erik Eggers zum Beispiel, der der Sache IFFHS mal richtig auf den Grund gehen wollte, wurde immer wieder abgewürgt. Er schreibt: «Die Gesellschaft, die sich in einem unscheinbaren Reihenhaus in Bonn-Hardtberg verbirgt, stellt den Nachrichtenagenturen gern ihre ellenlangen Statistik-Kolonnen zur Verfügung. Nur wenn man sich für den die IFFHS selbst interessiert, scheut der Fußball-Doktor das Licht der Öffentlichkeit. [...] Pöge ist ein Phantom. Er meidet die Öffentlichkeit wie der Vampir das Tageslicht. Einer, der aus dem Hintergrund die Fäden spinnt, beinahe sowas wie der Werner Mauss des internationalen Fußballs.» Eggers kommt zum Schluss, dass die IFFHS ein «Einmann-Betrieb» sei, was Dr. Pöge aber vehement bestreitet.

Keine Angst also liebe Schweizer Fussballfreunde. So schlecht, wie die Super League in diesem dubiosen Ranking erscheint, ist sie beileibe nicht. Auch Dr. Pöge höchstpersönlich gibt gegenüber 20 Minuten Online Grund zur Hoffnung: «Durch mehr Konstanz auf nationaler Ebene und vor allem mehr Erfolge in den UEFA-Klubwettbewerben kann die Schweizer Liga noch einen Rang zwischen 30 und 40 bis Jahresende erreichen.» Und als kleines Trostpflästerchen obendrein: Österreichs Liga schaffts nur auf Rang 94!

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