Wettskandal

Schweizer Schiedsrichter nicht unter Verdacht

Penaltys in den Schlussminuten sind verdächtig

Martin Andermatt

Penaltys in den Schlussminuten sind verdächtig

Bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass Schiedsrichter oder Klubunktionäre in den Wettskandal involviert seien. Dies gab die Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Dienstag bekannt.

Schiedsrichter-Chef Urs Meier kann aufatmen und die Schweizer Fussballwelt mit ihm. Nach dem jetzigen Stand im gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren, das auf der Basis der Erkenntnisse aus dem Rechtshilfegesuch der Staatsanwaltschaft Bochum eröffnet wurde, haben weder Schiedsrichter noch Klubfunktionäre Einfluss auf die Resultate der 22 zu untersuchenden Challenge-League- und der sechs Test-Partien genommen, hiess es auf Anfrage der AP.

Weiter gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass am letzten Donnerstag zwei Personen festgenommen worden waren und sich seither in Untersuchungshaft befinden. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Weitere Details könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht, kommuniziert werden.

Auch die Staatsanwaltschaft in Bochum gibt derzeit keine Namen von Vereinen oder Spielern bekannt, die in den Skandal um Spielmanipulationen involviert sind. Bekannt ist lediglich, dass der FC Thun Pape Omar Faye und Gossau Mario Bigoni intern suspendiert haben. Gemäss Radio "FM1" hat inzwischen der ehemalige Gossau-Trainer Hans Kodric von der Bundesanwaltschaft eine Vorladung als Auskunftsperson erhalten.

Der 64-jährige betont, dass er persönlich nie ein fadenscheiniges Angebot erhalten habe. Auch bei den Spielern sei ihm nichts zu Ohren gekommen. Kodric hatte Ende März in Gossau die Nachfolge des zurückgetretenen Vlado Nogic angetreten, nach nur fünf Runden wurde er jedoch wieder entlassen, weil "das Team und der Trainer im Zwischenmenschlichen zu weit auseinander lagen", wie es damals in einer Medienmitteilung geheissen hatte.

Der "Bund" schrieb in seiner Ausgabe vom Dienstag, dass zwei der sechs in der Schweiz möglicherweise manipulierten Testspiele mit dem bulgarischen Verein Lokomotive Mezdra im Zusammenhang stehen würden. Dieser spielte am 13. und 17. November gegen Aarau und die Young Boys und verlor offenbar absichtlich beide Male 0:5. Mezdra kassierte die letzten beiden Tore gegen YB per Eigentor und Penalty, das letzte Tor gegen Aarau ebenfalls per Penalty.

Der FC Schaffhausen hat am Dienstag informiert, dass sein Torhüter Darko Tofiloski in der Vergangenheit zweimal von dritter Seite angegangen und ihm Geldbeträge angeboten worden seien, falls er mithelfen würde, Resultate zu manipulieren. Der Spieler habe beide Male abgelehnt und sei dann zu seinem Schutz in den beiden Partien nicht zum Einsatz gelangt. Als Folge dieses Vorfalls hätten alle Schaffhauser Kaderspieler einen Ehrenkodex unterzeichnet, wonach sie im Zusammenhang mit dem Wettskandal weder finanzielle Zuwendungen noch Angebote angenommen haben, um ein Resultat bewusst zu verfälschen.

SFL-Präsident Thomas Grimm bestätigte in einem Interview mit der "Berner Zeitung", dass die SFL von der Bundesanwaltschaft am Montag eine Liste mit allen unter Verdacht stehenden Partien erhalten hat. Wegen der laufenden Ermittlungen will und darf er aber zurzeit keine detaillierten Angaben veröffentlichen.

Die Klubs wurden jedoch am Dienstag Abend von der SFL über die von der Bundesanwaltschaft erhaltenen Informationen orientiert. Die SFL hat ihre Vereine gleichzeitig aufgefordert, allfällige Vorkommnisse im Klub zu melden, welche der Bundesanwaltschaft und der Liga für die Aufklärung der Vorfälle weiterhelfen könnten.

Weitere Aufklärung erhofft man sich beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) durch die am Mittwoch durch die UEFA in Nyon stattfindende Information der involvierten neun Verbände. Nach Nyon fahren werden SFV-Präsident Peter Gilliéron und Claudius Schäfer, Mitglied der SFL-Geschäftsleitung.

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