EM-Quali
Schweizer Handballer zeigen Herz und feiern einen 29:24-Heimsieg gegen Serbien

Andy Schmid führt die Schweiz in der EM-Qualifikation mit seinen zehn Toren zu einem 29:24-Heimsieg gegen Serbien – die erste EM-Teilnahme seit 2006 rückt damit in greifbare Nähe.

Stephan Santschi
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Alen Milosevic (r.) und seine Schweizer Teamkollegen setzen sich gegen Serbien spektakulär durch.

Alen Milosevic (r.) und seine Schweizer Teamkollegen setzen sich gegen Serbien spektakulär durch.

Keystone

Am Schluss spazierten die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft über den Platz und präsentierten den Zuschauern ein Banner mit der Aufschrift: «Vielen Dank für eure Unterstützung». Auf diese Weise bedanken sich Sportler normalerweise bei ihrem Anhang, wenn die Saison vorbei oder ein grosses Ziel erreicht worden ist. Beides ist hier nicht der Fall, die Partie gegen Serbien war erst das zweite von sechs EM-Qualifikationsspielen.

Der Dank für die Unterstützung der Supporter drückte aber aus, wie wichtig dieses erste Heimspiel auf dem Weg an die EM 2020 gewesen ist. Mit dem 29:24-Sieg gegen Serbien haben die Schweizer die erste EM-Teilnahme seit dem Heimturnier 2006 in greifbare Nähe gerückt. Erleichterung war spürbar in der Bossard-Arena, «Erlösung aber noch nicht. Die stellt sich erst ein, wenn wir uns qualifiziert haben», betonte Andy Schmid.

Schmid als prägende Figur

Er, der 35-jährige Spielmacher von Weltformat, war erneut die prägende Figur im Angriff der Schweiz. Zehnmal traf er ins gegnerische Netz, darüber hinaus setzte er seine Mitspieler immer wieder mit präzisen Zuspielen in Szene. Dabei war der Auftakt in die Partie noch gründlich missglückt. Nach sechs Minuten lagen die fehlerhaften und nervös wirkenden Schweizer mit 2:5 zurück. Trainer Michael Suter griff deshalb schon früh zu einem Schachzug, der schon beim starken Auftritt am vergangenen Donnerstag beim Auftakt der EM-Kampagne in Kroatien (28:31-Niederlage) zum Zug gekommen war: Der Nationaltrainer ersetzte den Torhüter durch einen siebten Feldspieler.

Die Schweizer griffen daraufhin deutlich effektiver an, drehten das Skore und gingen bis zur 21. Minute mit 9:6 in Führung. Auch die Defensive fand nun zu mehr Stabilität und zahlte gegen die hart auftretenden Serben mit gleicher Münze zurück. Dennoch blieb das Spiel bis zur Pause offen, weil die Schweizer den Gegner mit einem verschossenen Penalty, einer unnötigen Strafe und technischen Fehlern wieder ins Spiel brachten. «Uiuiui», haber er sich in der Kabine gedacht, sagt Schmid. Und von seinen Teamkollegen habe er gefordert: «Jetzt müssen wir Herz zeigen und in die Offensive gehen.»

Über 4000 Fans in Zug

Genau das taten die Schweizer in der Folge auch. Unter der Regie von Schmid blieben sie stets in Führung und gingen nach 45 Minuten sogar mit 22:16 in Front. Selbst als Schmid vom Gegner vorübergehend in Manndeckung genommen wurde, kam es nicht zum Bruch im Offensivspiel. Dafür sorgte der eingewechselte Lenny Rubin, der seine 2,05-Meter gekonnt einzusetzen wusste und viermal wuchtig aus dem Rückraum traf. Im Tor lief derweil Champions-League-Sieger Nikola Portner zu grosser Form auf. Neben einer Abwehrquote von 33 Prozent erzielte er selber sogar zwei Tore ins verlassene Gehäuse des Gegners.

Und dann war da eben das Publikum in der Zuger Bossard-Arena, wo sonst der EV Zug seine Heimspiele austrägt. Über 4000 Fans waren gekommen, sorgten für eine grossartige Atmosphäre und trugen das Heimteam zum Sieg. Damit stiessen die Schweizer auf Platz zwei der Tabelle vor – und die Tür zur EM 2020 weit auf.

Telegramm

Schweiz - Serbien 29:24 (12:11)

Zug. – 4176 Zuschauer. – SR Baranowski/Lemanowicz (POL). – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 4-mal 2 Minuten gegen Serbien.

Schweiz: Portner (2)/Bringolf (ab 59.); Schmid (10/4), Meister (2), Rubin (4), Svajlen, Lier (4), Sidorowicz, Von Deschwanden, Röthlisberger, Küttel, Maros (2), Ramseier, Gerbl (1), Blättler, Milosevic (4).

Serbien: Cupara/Milosavljev (ab 57. plus für 2 Penaltys); Pusica (1), Vorkapic, Popovic, Djukic (1), Pesic (1), Radivojevic (7), Djordjic, Nemanja Ilic (8/2), Mosic (1), Vanja Ilic (1), Nikolic (3), Kukic, Sretenovic (1).

Bemerkungen: Schweiz ohne Delhees, Raemy, Tominec, Markovic (alle verletzt), Winkler, Tynowski, Vernier (alle rekonvaleszent), Huwyler, Jud, Schelker, Zehnder (alle überzählig), Ramseier und Blättler (beide nicht eingesetzt). Lier scheitert mit 7-Meter an Cupara (26./11:8).