Fechten

Schweizer Degenfechter scheitern in den Viertelfinals

Das Schweizer Männerdegen-Team um Benjamin Steffen (links) und Max Heinzer (rechts) scheitert in den EM-Viertelfinals auf dramatische Weise gegen Dänemark

Das Schweizer Männerdegen-Team um Benjamin Steffen (links) und Max Heinzer (rechts) scheitert in den EM-Viertelfinals auf dramatische Weise gegen Dänemark

Die Schweizer Degenfechter scheitern an den Europameisterschaften in Düsseldorf in den Viertelfinals in einem dramatischen Gefecht am nachmaligen EM-Zweiten Dänemark.

Die Schweizer mussten sich am Ende mit dem 6. Rang begnügen.

Die Weltmeister des Vorjahres verloren gegen die Nordländer mit 38:39 sechs Sekunden vor Ablauf der Verlängerung. Um die Plätze 5 bis 8 gewannen die Schweizer zunächst gegen Polen mit 45:44, ehe sie gegen den Olympia-Zweiten Italien trotz zeitweise sechs Treffern Vorsprung noch mit 25:26 den Kürzeren zogen.

Auch diese beiden Gefechte endeten nach Verlängerung. Zum EM-Auftakt hatte sich das Schweizer Quartett in den Achtelfinals gegen Finnland noch standesgemäss mit 45:37 durchgesetzt. Russland verteidigte den EM-Titel aus dem Vorjahr mit einem knappen Finalerfolg (31:30) gegen Dänemark erfolgreich.

"Das Abschneiden mit dem 6. Rang ist zwar noch innerhalb der Norm, aber dennoch eine Enttäuschung, zumal wir mit einem Final-Vorstoss in der Olympia-Qualifikation einen guten Schritt hätten machen können", bilanzierte Teamleader Heinzer. Neun Sekunden vor Ende der regulären Fechtzeit hatte Heinzer die als Nummer 2 gesetzt gewesene Schweiz gegen Dänemark im Schlussgefecht gegen Patrick Jörgensen mit 38:37 in Führung gebracht, doch ein Strafpunkt gegen den Schwyzer kurz darauf sorgte für ein Nachsitzen. Der Strafpunkt erfolgte wegen eines unerlaubten Körpereinsatzes von Heinzer im Nahkampf.

Verfrühter Schweizer Jubel

In der Verlängerung sprach die Schiedsrichterin dann auf der Gegenseite wegen eines nachträglich ebenfalls geahndeten Körpereinsatzes gegen Jörgensen einen Strafpunkt zum vermeintlichen Sieg für die Schweizer aus. Das technische Direktorium nahm den Entscheid der Schiedsrichterin aber zurück. Der Schweizer Jubel erfolgte zu früh.

Schliesslich kassierte Heinzer sechs Sekunden vor Ablauf der Verlängerung den Treffer zur Niederlage. Der Schweizer Teamleader hätte wegen des zugelosten Vorteils der Dänen einen Einzeltreffer setzen müssen, andernfalls wären die Schweizer auch so gescheitert.

Einbruch von Niggeler

Im vierten Gefecht gegen das als Nummer 10 gesetzt gewesene Dänemark hatten sich die Schweizer dank einer Plus-2-Bilanz von Benjamin Steffen noch (vom 7:7 zum 11:9) absetzen können. Danach erhöhte Heinzer auf 15:11. Doch ein fahriger Michele Niggeler liess mit einem 10:16 gegen Jörgensen die Schweiz aus vermeintlich guter Position in Rücklage (25:27) schlittern.

Steffen bügelte dies im folgenden Gefecht mit einer weiteren Plus-2-Bilanz aus, ehe der für den Tessiner Niggeler eingewechselte Walliser Lucas Malcotti dann die Schweiz vor dem abschliessenden Gefecht von Max Heinzer gegen Jörgensen wieder in Führung brachte (33:32).

Der Tessiner Niggeler besass in den letzten beiden Jahren seinen Anteil am Gewinn von WM-Team-Silber und -Gold. Seit seinem 8. Rang an den EM 2017 brachte er im Einzel aber kaum mehr ein zählbares Resultat zustande. Deshalb dürfte dem mit dem italienischen Nationalteam in Mailand mittrainierenden Niggeler das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten etwas abhanden gekommen sein. "Niggeler ist sehr gut im Gegenangriff. Wenn wir hinten sind, ist Malcotti indes die bessere Wahl, weil er offensiver, variantenreicher ist", analysierte Heinzer gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA schon vor den EM. Bei Malcotti traf dies gegen Dänemark zu, bei Niggeler indes nicht.

Gelegenheit zur Wiedergutmachung werden die Schweizer Degenfechter an den doppelt zählenden Weltmeisterschaften vom kommenden Monat in Budapest erhalten. Die Top 4 der Weltrangliste im Team-Wettbewerb sowie die jeweils nachfolgenden Kontinental-Besten werden die Qualifikation für Tokio 2020 schaffen. Nach den WM fallen noch vier Weltcups der nächsten Saison in die einjährige Olympia-Qualifikationsphase, die im nächsten Mai endet. Ein Abschneiden wird dabei gestrichen.

Den ersten Weltcup in der laufenden Qualifikationsphase hatten die Schweizer vor einem Monat in Paris zu ihren Gunsten entschieden. Wer sich als Team qualifiziert, erhält zudem automatisch auch drei Olympia-Startplätze im Einzel.

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