Leichtathletik

Schön schnell: Lisa Urech ist die grösste Schweizer Hoffnung in Daegu

Eine Top-8-Klassierung hat sich Swiss Athletics für die WM in Daegu zum Ziel gesetzt. Neben der Staffel der Männer kommt dafür nur noch Hürdensprinterin Lisa Urech infrage. Die Emmentalerin bestreitet in der Nacht auf morgen ihren Vorlauf.

Urech lief die sechstbeste Zeit aller Athletinnen in diesem Jahr. Nach dieser Statistik wäre es eine Enttäuschung, würde sich die 22-Jährige nicht für den Final qualifizieren. Dem ist aber nicht so. Die am 3. Juli in La Chaux-de-Fonds gelaufenen 12,62 Sekunden entsprechen nicht ihrem derzeitigen Potenzial, sondern sind ein Ausreisser nach oben. Dies verdeutlichen ihre nächstbesten fünf Zeiten in diesem Jahr: 12,80, 12,84, 12,89, 12,90 und 12,94. In Lausanne lief sie zwar 12,72, allerdings war der Rückenwind mit 3,3 m/s deutlich zu stark: erlaubt sind 2,0 m/s. Zudem ist ein Wettkampf in La Chaux-de-Fonds komplett etwas anderes als eine WM.

Zeit um 12,70 gefordert

Aber klar ist, dass Urech von einer Finalteilnahme träumen darf. Gerade im Hürdensprint kann viel passieren. Nimmt man die letzten zwei Welttitelkämpfe zum Vergleich, ist für den Sprung in die Top 8 eine Zeit um 12,70 gefordert – 2007 in Osaka waren es 12,68, 2009 in Berlin 12,73. «Wir gehen davon aus, dass Lisa im Halbfinal in den Bereich ihrer Bestleistung laufen muss, um sich für den Final zu qualifizieren», sagt Urechs Trainer Sven Rees. «Daran haben wir uns im Training orientiert.»

Die Aussagen des Deutschen unterstreichen, dass das Überstehen der ersten Runde über die zehn Hindernisse Pflicht ist. Dies umso mehr, als Urech vermeldet: «Ich fühle mich wohl und fit. Es passt.» Auch das Abschlusstraining am Dienstag verlief nach Wunsch, Rees sprach von «erster Qualität». Urechs Eindrücke von Stadion und Bahn sind ebenfalls positiv: «Der Belag liegt mir, und die Atmosphäre ist schön. Jetzt geht es noch darum, mich zu erholen, bis am Freitag Energie und Kraft zu tanken.»

Die Vorzeichen scheinen besser als vor ihrem ersten grossen Ziel in diesem Jahr, den U23-EM, wo sie zwar Silber gewann, jedoch weit unter ihren Möglichkeiten blieb. Damals hatte es schon vor den Einsätzen nicht gestimmt. Daraus zog sie die Lehren. «Ich bin lockerer. Es reicht, wenn ich einen Tag vorher an den Wettkampf denke und nicht schon zu viel Energie verliere», sagte Urech. «Ich muss nicht etwas Spezielles machen, nur weil es WM heisst.» Sie versuche, sich wie vor einem «normalen» Rennen vorzubereiten.

In der Diamond League sei sie bisher immer gut gelaufen: 2010 in Zürich und dieses Jahr in Rom war sie Vierte geworden, in Lausanne belegte sie Rang 5. Diese Erfahrungen nennt sie «sehr nützlich für die WM». Solche Rennen würden sie vorwärtsbringen. Gelassen nimmt Urech, dass sie die grösste Schweizer Hoffnung dieser Titelkämpfe ist. «Ich mache mir keinen Druck.» Würde sie dies tun, wäre die Wahrscheinlichkeit grösser, die Leistung nicht zu bringen.

Fokus auf das Wesentliche

Mit den Gegnerinnen – Topfavoritin ist die australische Jahresschnellste Sally Pearson, die heuer noch ungeschlagen ist – setzt sich Urech nicht gross auseinander. Sie fokussiert sich auf das, was sie beeinflussen kann. Trainer Rees: «Grundsätzlich haben wir beide uns dazu entschlossen, uns mit diesen Themen gar nicht zu beschäftigen. Wir haben unsere eigene Aufgabe. Meine ist es, Lisa vor dem Vorlauf in die bestmögliche Verfassung zu setzen. Lisas Aufgabe ist es, diese Verfassung zu nützen und umzusetzen. Mit mehr wollen und können wir uns nicht beschäftigen, weil wir uns damit schwächen würden.»

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