Um 16.33 Uhr steuert Sergio Perez (21) an die Sauber-Box. Die Formel-1-Tests auf dem Circuit Ricardo Tormo in Cheste, im Hinterland Valencias, sind beendet. Am Dienstag spult der junge Mexikaner im neuen Sauber- C30-Ferrari bei seiner Feuertaufe nur 42 Runden ab.

Technische Probleme mit der hinteren Verkleidung kosten wertvolle Zeit. Und am Nachmittag kommt noch ein Getriebeschaden hinzu. Gestern fährt der Sauber-Neuling um 9.17 Uhr erstmals raus – nach zehn Runden gibts Probleme im Antriebsstrang. Ab Mittag frisst der Mexikaner dann richtig Kilometer – und fährt auf einem 33-Runden-Run konstant-solide Zeiten. Um 14.28 Uhr lässt er es krachen und brennt mit 1:14,458 persönliche Bestzeit in den Asphalt.

Nach insgesamt 100 Runden und Platz 8, noch vor Altmeister Schumacher, ist Schluss. Verschwitzt und ausgepowert steigt der Sauber-Youngster aus dem Cockpit, zieht den leuchtenden Helm im Nationalfarben-Design ab, reisst den weissen Gesichtsschutz weg, nimmt die Ohrenstöpsel raus und lacht: «Die vielen Runden zum Schluss waren sehr wertvoll. Es lief ganz gut.» Dann läuft er mit offenem Rennoverall lässig durch die Garage in Richtung Paddock.

«Ich bin einfach nur glücklich»

Vor dem Team-Motorhome lehnt er sich an einen weissen Hinwiler Transporter, wischt sich bei milden 18 Grad die Schweisstropfen von der Stirn und blickt zum Himmel. Frühlingsgefühle oder Genugtuung? «Beides. Ich bin einfach nur glücklich. Ich habe mein langjähriges Ziel erreicht – und bin in der Königsklasse.» Und es läuft schon ganz ordentlich. Wuschelkopf Perez, der Vollblut-Rennfahrer. Ein lässiger, lockerer Kerl.

Eine Fahrt im neuen Sauber C30 in Valencia

Eine Fahrt im neuen Sauber C30 in Valencia

Dem Rennsport hat der «Fliegende Sombrero» alles untergeordnet. Schon als Kind. Er hat Guadalajara, berühmt für Musik und Tequila, früh in Richtung Europa verlassen. Sagt mit 15 Jahren der Rennfahrerfamilie Perez Adios und übersiedelt nach Vilsbiburg, in die Nähe von Landshut.

Dort wohnt er in einem kleinen Zimmer, im 1. Stock des Restaurants seines damaligen Formel-BMW-Teamchefs Günther Unterreitmeier. Der Wechsel von der zweitgrössten Stadt Mexikos ins konservative deutsche Bundesland Bayern wäre für jeden ein Schock gewesen – nicht für Perez. Anstelle von Fajitas, Guacamole und Tortilla-Chips gibts halt fortan Weisswurst, Bier und Bretzen.

Perez auf Rekordjagd

Ab 2005 profitiert der junge Perez als Mitglied der Escuderia Telmex vom Förderprogramm in diversen Kategorien. Der steinreiche Formel-1-Kenner Carlos Slim Domit, der in diesem Jahr Millionen von Dollars nach Hinwil schaufelt, nimmt ihn unter seine Fittiche. Mit 15 wird er jüngster Starter in der Formel BMW.

Auf die zweite Saison hin startet er für den ADAC Berlin Brandenburg und zieht in die deutsche Hauptstadt. 2007 erfolgt der Aufstieg in die Formel-3-Meisterschaft. In seiner ersten Saison holt er 14 Polepositions, schafft neun schnellste Runden, gewinnt 14 Rennen und stellt den Siegesrekord von Rennfahrerlegende Ayrton Senna ein. 2009 wird Perez in der GP2 Asia mit 18 Jahren jüngster Laufsieger. 2010 fährt er die GP2-Serie und wird mit vier Siegen Gesamtzweiter.

Für seine erste Formel-1-Saison hat er einiges vor. Er wohnt jetzt in der Schweiz, in Schindellegi. Für seine Hobbys Fussball und Golf wird der 1,73 m grosse und 63 kg schwere Formel-1-Pilot nicht mehr viel Zeit haben. «Ich will 2011 möglichst konstant fahren und mich kontinuierlich steigern.

Ich gebe niemals auf – auch gegen Teamkollege Kamui Kobayashi nicht.» Angefeuert wird er vom ganzen Heimatland. Mexiko steht Kopf. Verständlich: Seit Pedro Rodriguez, dem letzten grossen mexikanischen Formel-1-Piloten, sind 40 Jahre vergangen.