Der Jahresbericht der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) ist beinahe so kompliziert wie die Organisation selbst. Er kommt nämlich in zwei Tranchen daher. Im Spätsommer werden die Testergebnisse des Vorjahres publiziert, im Frühling darauf – also gut 16 Monate nach Jahresende – die Daten zu den Sanktionen.

Schuld ist die zunehmende Komplexität von Dopingverstössen, die vielfach als Juristenfutter vor dem Sportgericht enden. Die Zeitdauer von der positiven Urinprobe bis hin zum abgeschlossenen Fall steigt. Selbst mit 16 Monaten Verzögerung sind von den 2261 im Jahr 2016 erfassten Dopingfällen deren 666 noch hängig.

Gedopte Seilzieher und Minigolfer

Die Wada liefert in erster Linie eine Flut von Zahlen und Statistiken. Einige Fakten aus den beiden Dokumenten sind durchaus auch für Laien spannend. So gab es im Jahr 2016 insgesamt 1574 Dopingfälle gegen Athleten und 21 (!) gegen Trainer aus 117 Ländern in 112 verschiedenen Sportarten. Ein Seilzieher und zwei Minigolfer waren gedopt. 269 Fälle – Rekord! – beruhen nicht auf positiven Dopingtests, sondern auf investigativer Arbeit von Ermittlern.

Angeführt wird die Liste der Dopingsünder von Italien (147 Fälle) vor Frankreich (86), den USA (76), Australien (75) und Belgien (73). «Titelverteidiger» Russland rutschte mit 69 Fällen ab, was prompt russische Medien dazu verleitete, IOC-Präsident Thomas Bach jüngst an einer Pressekonferenz ernsthaft zu fragen, ob Italien nun von den nächsten Olympischen Spielen ausgeschlossen werde, so, wie ihr Land in Pyeongchang. Im Gegensatz zu Russland half in Italien, Frankreich oder Belgien der Staat halt nicht mit, Dopingfälle zu vertuschen, sondern sie aufzudecken.

Leichtathletik als Dopinghochburg

Leichtathletik verzeichnete mehr Fälle als jede andere Sportart (205), gefolgt von Bodybuilding mit 183 und Rad mit 165. In keiner Disziplin war die Chance, einen Betrüger zu erwischen, im Verhältnis zur Anzahl Tests annähernd so gross wie beim Bodybuilding.

Insgesamt zeigen allerdings nur 1,43 Prozent der genommenen Proben ein positives Resultat an. Die Zahl steht im Missverhältnis zu mehreren anonymen Umfragen unter Sportlern, in denen 20 bis 30 Prozent die Verwendung verbotener Substanzen zugeben. So hilft der Testrekord von 2017 mit einer Steigerung um 7 Prozent nur bedingt.

Zu denken geben muss vielmehr die grosse Diskrepanz bei den vorgenommenen und analysierten Tests zwischen westeuropäischen Nationen und Entwicklungsländern, was eindeutig an deren Ressourcen im Antidoping-Kampf liegt. Umgekehrt verfügen die ungleich häufiger getesteten westlichen Athleten wohl auch über viel mehr Ressourcen, wie man unerkannt betrügt.