Einen Rückzug vom Spitzensport hatte Frieden schon vor geraumer Zeit in Betracht gezogen. "Aber dass ich noch vor Vancouver aufhören würde, damit habe ich nun wirklich nie gerechnet", erklärte sie mit erstaunlich gefasster Stimme vor den Medien. "Aber nun ist es so. Daran ist nichts mehr zu ändern."

Am vergangenen Samstag liess sie sich von ihrem Vertrauens-Arzt Walter O. Frey an beiden Füssen operieren. Neben den beiden Sehnen wurden beidseits auch die Fusswurzelknochen beschädigt; einen davon fixierten die Mediziner mit einer Schraube. Beim Aufprall auf der Piste hatte Frieden überdies einen Teilabriss der linken Schulterpfanne erlitten.

Die den speziellen Umständen entsprechend komplizierte Therapie wird Monate in Anspruch nehmen. In den nächsten vier Wochen ist Frieden an den Rollstuhl gefesselt. Wegen der havarierten Schulter kann sie sich aus eigener Kraft zu allem Überdruss kaum selber fortbewegen.

Der Auftritt in der Hirslandenklinik war für alle Beteiligten eine emotionale Angelegenheit. Mit wehmütigem Blick verfolgte die schwer verletzte Frieden den Video-Trailer mit den Bildern der Goldfahrt von Turin. Damals war die US-Favoritin Lindsey Jacobellis wenige Meter vor dem Ziel gestürzt, nun "liegt" Frieden auf der dunklen Kehrseite des Sports.

Sie habe während ihrer fast 14-jährigen Karriere im Weltcup die Extreme kennen gelernt, erklärte Frieden in ihrer wohl bittersten Stunde. "In Turin erlebte ich die grossen Glücksgefühle. Jetzt bin ich mit der anderen, der dunklen und traurigen Seite konfrontiert." Aber irgendwann werde sie wieder aufstehen und den Fokus auf neue Ziele richten.