Rotweiss Wettingen
Rotweiss Wettingen schaffte doch noch die Wende

Das Frauenteam von Rotweiss Wettingen behielt im Abstiegsduell die Nerven. Das Team von Trainer Frédéric Den Dulk setzte sich im entscheidenden Abstiegsrundenspiel gegen Slavia Prag nach einem Penaltykrimi durch

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Frauenteam Rotweiss Wettingen

Frauenteam Rotweiss Wettingen

Aargauer Zeitung

Alexander Wagner

In der vierten Partie des Europacup-Turniers sind die Wettingerinnen auf diesem Level angekommen. Nachdem sie in den Gruppenspielen zum Teil etwas überfordert wirkten, schafften sie es, sich auf den Punkt genau zu konzentrieren und die beste Leistung des Turnieres abzuliefern.

Wobei man bei den Duellen in den ersten Partien auch die Relationen sehen muss: In Irland spielen rund 15 000 Frauen Landhockey, in der Schweiz sind es gerade mal ein paar hundert. Da ist der irische Meister einfach mindestens eine Klasse besser als der Schweizer Meister. Genau gleich sehen die Vergleiche mit den anderen Nationen aus. Kommt hinzu, dass die Wettingerinnen in der deutlich stärkeren Gruppe anzutreten hatten.

Gut eingestellt

Im Abstiegsduell gegen Slavia Prag wirkte die Mannschaft viel besser eingestellt als in den Spielen zuvor. Dies ist sicherlich auch das Verdienst des belgischen Trainers Frédéric Den Dulk und seines Assistenten Michael Kloter. Der Nationalspieler ist extra für dieses Turnier beigezogen worden. Die beiden schafften es, das Team optimal auf die alles entscheidende Partie vorzubereiten.

Die Rotweissen agierten deutlich konzentrierter, bissiger in den Zweikämpfen und konnten ihre Fehlerquote markant reduzieren. Trotzdem wurden die Nerven der zahlreichen Fans auf der Bernau arg strapaziert. Bereits nach sechs Minuten ging Slavia Prag in Führung. Doch Karin Bugmann, die sich ebenfalls deutlich steigerte, schaffte den Ausgleich. Nach einem erneuten Rückschlag kurz vor dem Seitenwechsel war es wiederum Bugmann, die den Gleichstand herstellte. Dabei blieb es auch, obwohl sich Rotweiss zahlreiche hochkarätige Chancen erarbeitete.

Benz und Wälti als Helden

So kam es zum Penalty-Krimi. Nachdem Nadja Blatter ihre Chance nicht verwerten konnte, agierten Stephanie Wälti, Catia Koller und Lena Wiegmann souverän. Goalie Christine Benz, die ebenfalls das Turnier nicht optimal begann und immer stärker wurde, war jetzt voll da und konnte zwei Siebenmeter abwehren. Als Captain Alexandra Wälti den entscheidenden Penalty verwertete, brachen alle Dämme: Zuerst wurde der Captain stürmisch beglückwünscht und dann verschwand Goalie Benz unter einer kreischenden Spielertraube. Einige konnten ihre Tränen der Freude nicht mehr zurückhalten und lagen sich in den Armen.

Mit diesem Erfolg hat Rotweiss es geschafft, dass der Schweizer Meister auch nächstes Jahr wieder in der zweithöchsten Division B antreten kann. Das ist ein grossartiger Erfolg, gerade wenn man die Relationen anschaut und sich die Möglichkeiten der Gegnerinnen vor Augen führt. Natürlich möchte Rotweiss die Trauben selber ernten und die Schweiz auch beim nächsten europäischen Gipfeltreffen vertreten. Doch dazu müssen sie zuerst den Schweizer-Meister-Titel verteidigen.

Dieser Erfolg ist grossartig, und darauf kann der gesamte Verein, der die Frauenequipe unterstützte, wo es nur ging, stolz sein. Doch er übertüncht nicht alle Unzulänglichkeiten, die in den ersten drei Partien deutlich zutage traten. Wenn Alexandra Wälti und Benz nicht die Nerven behalten hätten, wären auch Tränen der Enttäuschung möglich gewesen. Deshalb ist eine gründliche Analyse nötig, die aufzeigt, wo man den Hebel ansetzen kann, damit der Unterschied zu den führenden Nationen wenigstens ein klein wenig verkleinert werden kann.

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