Fabian Kern, Basel

Die Szenen nach dem Spiel sprachen Bände. Spieler gehen aufeinander los und werden von anderen Spielern zurückgehalten. Nichts Ungewöhnliches nach einem Spiel Basel gegen Zürich. Ungewöhnlich aber, wenn alle Beteiligten das gleiche Wappen auf der Brust tragen.

Beg Ferati war fuchsteufelswild. Zwei bis drei seiner Mitspieler mussten den Verteidiger davon abhalten, auf seinen Torhüter Franco Costanzo loszugehen. Dieser hatte Ferati kurz nach dem Schlusspfiff tätlich angegriffen. Ursache war eine ungerechtfertigte Kritik des Argentiniers an Feratis Abwehrverhalten beim 0:1. Johan Vonlanthen war in der 87. Minute mutterseelenallein vor dem Basler Tor an den Ball gekommen und hatte keine Mühe, die Flanke von Xavier Margairaz zur unerwarteten Zürcher Führung einzunicken. Klar, Beg Ferati stand in dieser Szene nicht in der Innenverteidigung, sondern weiter vorn. Aber der Grund für diese Positionsänderung lag bei Samuel Inkoom. Der Ghanaer hatte Vonlanthen in den Strafraum begleitet und wandte sich aus unerfindlichen Gründen plötzlich vom Schweizer Nationalspieler ab. Ferati traf wirklich keine Schuld.

Dass in der folgenden hektischen Schlussphase Huggel noch den schön herausgespielten Ausgleich erzielte und Alex Frei sich durch eine Unbeherrschtheit gegen Vonlanthen einen völlig unnötigen Platzverweis einhandelte, passte irgendwie so gar nicht zu einem Klassiker, der sich lange Zeit mühsam dahingeschleppt hatte. Vor dem Seitenwechsel waren genau drei nennenswerte Aktionen zu notieren gewesen. Ein Flachschuss von Vonlanthen (21. Minute), ein fulminanter Volleyschuss von Frei (32.) sowie ein Kopfball von Marco Streller (34.) waren die raren Highlights in einer von der Taktik geprägten ersten Halbzeit gewesen. «Wir sind sehr geschlossen aufgetreten», sagte Bernard Challandes zufrieden.

Weniger zufrieden war der FCZ-Trainer mit Rochats gelb-roter Karte innerhalb von nur drei Minuten. Beide Fouls wurden von Challandes zwar als gelb-würdig taxiert, aber er hatte vor dem zweiten ein Foul an Vonlanthen gesehen. Die folgenden fast 40 Minuten Überzahl konnten die Basler aber nicht zum Sieg nutzen. Zu wenig zwingend traten sie im gegnerischen Strafraum auf «Nach der 87. Minute war ich zufrieden mit dem einen Punkt», zeigte sich Thorsten Fink erleichtert über den späten Ausgleich. Sein Antipode kam zum gleichen Schluss, einfach aus entgegengesetzter Perspektive: «Nach der roten Karte gegen Rochat hätte ich ein Unentschieden angenommen, nach dem 1:0 bin ich aber ein wenig enttäuscht.»

Dass am Ende aber vorwiegend über Undiszipliniertheiten diskutiert wurde, unterstreicht die schlechte Qualität der spannungsgeladenen Affiche. Die Wochenspiele in den europäischen Wettbewerben können nicht als Entschuldigung dienen, aber vielleicht als Grund für die nervlichen Aussetzer. Costanzo jedenfalls bereute schon bald seinen Ausraster. Vor versammelter Medienschar entschuldigte er sich: «Ich schäme mich.» Trainer Fink wird es dabei aber nicht belassen. «Gewisse Dinge kann ich nicht dulden», sagte der Deutsche. Für Gesprächsstoff während der Länderspielpause ist also gesorgt.