Rot für Ribéry
Rot für Ribéry: Bayern gewinnt trotzdem gegen Lyon

Bayern München gewinnt das Hinspiel des Champions-League-Halbfinals gegen Lyon 1:0. Starstürmer Arjen Robben macht den Unterschied. Der skandalumwitterte Franck Ribéry sorgt weiter für Unruhe. Er fliegt vom Platz.

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François Schmid-Bechtel

Franck Ribérys hat eine Horror-Woche hinter sich. Erst wird publik, dass er mit einer minderjährigen Prostituierten Sex hatte. Ribéry wird von der Polizei vorgeladen. Offen ist, ob überhaupt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Im schlimmsten Fall drohen ihm drei Jahre Gefängnis. Obwohl der 27-jährige Franzose nun durch den medialen Fleischwolf gedreht wird, setzen die Bayern weiter auf ihn. Auch gestern gegen Lyon.

Und 36 Minuten lang sah es danach aus, als hätten die privaten Probleme keinen Einfluss auf die Leistung. Ribéry war in der Startphase der grosse Aktivposten bei den Bayern. In der 13. Minute versucht er, einen Eckball direkt zu verwandeln. In der 18. Minute verzieht er. Zwei Minuten später lanciert er mit einem Traumpass Robben , dessen Pass Olic aus optimaler Position übers Tor schiesst.

Die grösste Chance indes verpasste Schweinsteiger, der nach einem Robben -Corner die Orientierungslosigkeit von Lloris - Bayern zeigt grosses Interesse an einer Verpflichtung des Lyon-Keepers - nicht ausnutzen konnte.

Ribéry sieht Rot

Lyon hat in dieser Champions-League-Saison erst sechs Gegentreffer kassiert und ist damit die defensiv stärkste Mannschaft aller Halbfinalisten. Trotzdem erstaunt es nicht, dass das Team von Claude Puel in der Startphase heikle Momente überstehen musste. Denn mit Boumsong und Bodmer fehlten zwei wichtige Innenverteidiger. So musste Mittelfeldspieler Toulalan hinten aushelfen. Doch nach 20 Minuten fanden die tief stehenden Franzosen besser ins Spiel. Und als Ribéry in der 37. Minute nach einem gestreckten Bein gegen Lisandro Lopez von Schiedsrichter Rosetti die rote Karte sah, erschien ein Überraschungs-Coup für die Franzosen als realistisches Szenario.

Doch Ribérys Platzverweis war in diesem Spiel kein Faktor. Das hängt einerseits damit zusammen, dass die Bayern den Fuss nicht vom Gas nahmen. Andererseits sorgte Toulalan in der zweiten Halbzeit wieder für ein numerisches Gleichgewicht. Innerhalb von nur zwei Minuten wurde der Aushilfs-Verteidiger zweimal verwarnt und in der 54. Minute des Feldes verwiesen. Eine Minute zuvor hatte Müller ein prächtiges Zuspiel von Lahm auf dilettantische Art verstolpert.

Bayern spielen sich in Euphorie

Der Platzverweis gegen Toulalan wirkte auf die Bayern euphorisierend. Und Lyon? Der Halbfinal-Debütant in der Königsklasse beschränkte sich wieder vollumfänglich auf die defensive Arbeit. Selbst, nachdem Robben (sein 17. Tor in den letzten 19 Spielen) mit einem von Müller leicht abgelenkten Flatterball das 1:0 erzielt, spielte nur eine Mannschaft nach vorne - Bayern München.

Schweinsteiger gestaltete das Spiel variabel. Robben übernahm nach Ribérys Platzverweis die Rolle des Alleinunterhalters. Die sonst so flatterhafte Abwehr mit Demichelis und van Buyten hielt dicht, wurde aber auch kaum geprüft. Und Lahm war wie gewohnt der laufstarke, intelligente und präzise Aussenverteidiger. Apropos wie gewohnt: Lahm stand in bisher allen 47 Saisonspielen der Bayern sowie in sieben Länderspielen in der Startformation. Ein beeindruckender Wert.

Und Franck Ribéry? Immerhin haben ihm seine Mitspieler Décharge erteilt. Zumindest für seine unnötige Aktion gestern auf dem Rasen. Ausserhalb, das ist eine andere Welt.

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