Der ehemalige Nationaltrainer Ralph Krueger spricht über sein Verhältnis zur neuen Schweizer Nationalmannschaft, seine Pläne für die Zukunft, darüber, warum sein Sohn Justin nächste Saison in der NLA spielen könnte und warum mit ihm der aktuelle Erfolg an der WM 2010 nicht möglich wäre.

Klaus Zaugg, Mannheim

Ist Deutschlands Nationaltrainer Uwe Krupp schon nervös?

Ralph Krueger: Warum sollte er nervös sein?

Sie sind ständig im Stadion und in den Kabinengängen.

Krueger: Ja, klar, mein Sohn spielt ja in der deutschen Nationalmannschaft. Aber ich bin einfach der Vater eines Spielers. Nicht mehr und nicht weniger. Das war die Abmachung mit meinem Sohn. Er würde als Erster intervenieren, wenn ich der Mannschaft zu nahe kommen würde.

Aber die Gerüchte wollen nicht verstummen, dass Sie der nächste deutsche Nationaltrainer sein könnten.

Krueger: Das stimmt. Aber das ist für Uwe Krupp kein Problem. Wir sind seit Jahren befreundet, wir teilten uns das Zimmer bei der WM 1986 in Moskau. Ich unterhalte mich also oft mit ihm. Aber solange er Nationaltrainer ist, denke ich nicht einmal daran, dass dieser Job für mich ein Thema sein könnte. Aber ich freue mich über diese Gerüchte.

Warum?

Krueger: Es wäre doch wirklich ein schlechtes Zeichen, wenn sich jetzt alle von mir abwenden und mich meiden würden und wenn es überhaupt keine Gerüchte um neue Jobs von mir gäbe. Dann müsste ich mich schon fragen, ob ich nicht ein ganz mieser Kerl bin.

Was nun ja nicht der Fall ist. Aber nochmals zurück zu Uwe Krupp: Geben Sie ihm taktische Ratschläge?

Krueger: Nein, nein, überhaupt nicht. Wenn ich mich mit Uwe Krupp unterhalte, dann geht es nicht um Taktik. Die arbeitet er mit seiner Coachingstaff aus.

Aber Sie werden ins Trainergeschäft zurückkehren?

Krueger: Ja. Aber ich habe das Gefühl, dass ich Ralph Krueger neu erfinden muss. Ich spüre, dass ich noch nicht bereit bin für eine neue Aufgabe, dass ich noch ein wenig Zeit brauche, um mich von meiner Tätigkeit als Schweizer Nationalcoach zu lösen. Es ist für mich fast wie eine Scheidung. Ein neuer Trainerjob scheint für mich wie eine zweite Heirat und ich bin einfach noch von keinem Jobangebot begeistert.

Sie werden hockeytechnisch wieder heiraten und einen Job annehmen?

Krueger: Ja, ich denke, dass ich Eishockeycoach bleiben werde.

Welches sind die besten Angebote, die Sie bisher erhalten haben?

Krueger: Von St.Petersburg und Jaroslawl aus der KHL. Aber letztlich bin ich nicht in die Verhandlungen eingetreten. Ich habe inzwischen auch einige interessante Anfragen aus der Privatwirtschaft bekommen. Aber wie gesagt, ich werde dem Eishockey treu bleiben.

Wie erleben Sie das Schweizer Nationalteam an dieser WM?

Krueger: Weil mein Sohn Justin mit Deutschland spielt, bin ich in Köln und habe deshalb noch kein Spiel der Schweizer gesehen. Nur die Highlights im TV.

Und wie sind Ihre Gefühle?

Krueger: Ich freue mich sehr, dass Sean Simpson erfolgreich ist. Wenn ich bloss zwei oder drei Jahre Schweizer Nationaltrainer gewesen wäre und jetzt diese Resultate sehen würde, dann wäre ich wahrscheinlich ein wenig missmutig. Aber nach 13 Jahren zu sehen, dass es weitergeht, dass der Wechsel so ohne Probleme möglich war, das macht mich sehr glücklich.

Sie heucheln schon ein wenig.

Krueger: Nein. Ich fühle mich viel besser, wenn ich sehe, dass der Wechsel so gut über die Bühne gegangen ist. Das ist sehr gut für das Schweizer Eishockey, für Sean Simpson und auch für mich. Inzwischen ist mir klar, dass dieser Erfolg an der WM 2010 mit mir nicht möglich gewesen wäre.

Die Schweiz wäre mit Ralph Krueger nicht so gut in die WM gestartet?

Krueger: Ja, das glaube ich. Ich hatte einfach nach dem Olympischen Turnier nicht mehr die Energie, um die Mannschaft auch an der WM zu betreuen. Weil ich das ahnte, haben wir ja die Nachfolge bereits vor Vancouver geregelt.

Wie beurteilen Sie die Leistungen der Schweizer?

Krueger: Wie gesagt, ich habe nur die Highlights am Fernsehen gesehen. Zum ersten Mal seit 21 Jahren bin ich nun als Zuschauer an der WM. Wenn ich jetzt sehe, wie sich die Eishockeywelt entwickelt, wie beispielsweise Norwegen oder Dänemark Fortschritte machen, dann bin ich sehr froh, dass wir in der Schweiz eine so breite Basis erarbeitet haben.

Sind Sie überrascht, dass gut und gerne 20 Spieler für die WM abgesagt haben?

Krueger: Nein. Im ersten Moment hatte ich befürchtet, die Absagen könnten mit mir oder mit der Verbandsführung in Zusammenhang gebracht werden und eine Missstimmung auslösen. Das ist zum Glück nicht der Fall. Dass es Absagen geben würde, war mir hingegen immer klar. Das war auch nach dem Olympischen Turnier von 2006 ähnlich.

Ihr Sohn hat den deutschen Pass und eine Schweizer Lizenz. Wo wird er nächste Saison verteidigen? In der Schweiz?

Krueger: Justin hat das College abgeschlossen und wird nächste Saison dort spielen, wo er sich am besten weiterentwickeln kann. Dafür ist die NLA definitiv eine der besten Ligen. Wir werden nach der WM ziemlich rasch entscheiden, auch in Absprache mit den Verantwortlichen in Carolina, die Justin ja gedrafted haben. Es ist klar, dass ein Spieler aus dem Collegehockey zwei Jahre braucht, bis er für die NHL bereit ist, und diese zwei Jahre wird Justin sehr wahrscheinlich in Europa verbringen.

Sind Sie sein Agent?

Krueger: Nein, Don Baizley vertritt seine Interessen. Ich bin nur sein Berater.