Spritzensport

Problem und Ausrede zugleich

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Sportler gehen gerne an ihre Grenzen. Auch was die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln betrifft. Kerne von exotischen Früchten oder ein aus dem Panzer einer Schildkröte gewonnenes Pülverchen könnten schliesslich legal bieten, was ein Dopingmittel per Gesetz nicht darf – eine Steigerung der Leistung.

Längst sind unzählige Athleten auf den Trend aufgesprungen, den Gesundheitsbewusste aus aller Welt losgetreten haben. Ihr tägliches Essen mit allerlei Zusatzpräparaten nährstoff- und energiereicher zu gestalten. Die Industrie der Nahrungsergänzungsmittel boomt. Das Problem dabei. Im Gegensatz zu Medikamenten benötigen diese Pillen und Pulver – weil als Lebensmittel deklariert – keine Zulassung.

Deshalb droht die Gefahr von nicht deklarierten Zutaten oder Verunreinigungen. Bei einem Test war jedes fünfte Produkt mit unerlaubten Mitteln durchsetzt. Der Boom hat auch dazu geführt, dass so manch einer mit einem Wundermittel das grosse Geld wittert. Immer neue Produkte kommen auf den Markt, längst nicht alle von seriösen Anbietern.

Die Chance eines unabsichtlichen Dopingbefunds ist nirgends grösser als bei Nahrungsergänzungsmitteln. Die Anti-Doping-Agenturen warnen ihre Sportler eindringlich vor fahrlässigem Gebrauch solcher Mittel.

In Deutschland und in den USA werden für Athleten auch spezielle Listen mit geprüften Produkten geführt. Ein Restrisiko bleibt bestehen. Gleichzeitig dient der Hinweis auf die Verwendung von Ergänzungsmitteln auch immer öfter als Ausrede von überführten Dopern. Irgendetwas muss kontaminiert gewesen sein!

Weil gemäss Wada-Code jeder Athlet selber für die Substanzen in seinem Körper verantwortlich ist, wird auch das unabsichtliche Zuführen von Dopingmitteln bestraft. Anti-Doping-Labore müssen bei Vergehen mit Nahrungsergänzungsmitteln immer wieder analytisch untermauern, ob die Geschichte des Sportlers plausibel erscheint.

Anhand einer einzigen Probe kann man allerdings nicht zwischen Fahrlässigkeit und gewolltem Betrug unterscheiden. Noch ist der Nachweis, ob es sich bei einer unerlaubten Substanz um den Rest einer grossen Menge oder um eine Kontamination handelt, nicht möglich. Verschiedene Labors forschen an einer entsprechenden Methode. Allerdings sei das noch nicht spruchreif, verrät mir ein Laborleiter.

Bis auf weiteres bleibt es also beim Appell an die Sorgfaltspflicht jedes einzelnen Athleten. Und die Hoffnung, dass dieser erkennt, mit der Einnahme eines solchen Nahrungsergänzungsmittels jederzeit seine Karriere zu gefährden.

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