Schon beim Start in Jaworzno standen die sechs Profis der belgischen Lotto-Soudal-Mannschaft nebeneinander aufgereiht mit gesenkten Köpfen und Tränen in den Augen vor den übrigen 143 Radprofis. Das gleiche Bild gab es dann am Ende. Alle Fahrer trugen Trauerflor.

Die letzten zehn Kilometer fuhr Lambrechts Mannschaft an der Spitze - das Fahrerfeld folgte in gebührendem Abstand. Unmittelbar nach dem Ziel stoppten sie und gedachten ihres Kollegen. Auf dem Zielbanner stand gross Lambrechts Name und seine Startnummer 143, getaucht in die Farben der belgischen Flagge.

Lambrecht war am Montag auf regennassem Belag bei Rennkilometer 48 von der Strasse abgekommen und gegen eine Betonkonstruktion geprallt. Der 22-Jährige wurde zunächst auf der Strasse liegend reanimiert und anschliessend im Krankenhaus in Rybnik operiert - erlag dabei aber seinen Verletzungen.

Einen neuen Stern verloren

Rund 16 Monate nach dem tragischen Tod von Michael Goolaerts verfällt der belgische Radsport erneut in eine Schockstarre. Der 23 Jahre alte Goolaerts starb am 8. April 2018, als er während des französischen Frühjahrsklassikers Paris-Roubaix einen Herzinfarkt erlitt.

Sechs Worte genügten der belgischen Presse, um die Fassungslosigkeit auszudrücken. "Der Radsport verliert einen neuen Stern", schrieb etwa die Tageszeitung "La Libre Belgique". "Belgien verliert eine seiner grössten Hoffnungen", hiess es auf der Webseite der Tageszeitung "Le Soir". Neben dem erst 19-Jährigen Remco Evenepoel galt Lambrecht als die grosse Radsporthoffnung der Belgier.

Weil die auf 133,7 Kilometer verkürzte vierte Etappe nicht gewertet wurde, führt der deutsche Meister Pascal Ackermann in der Gesamtwertung weiter mit zwölf Sekunden vor dem Kolumbianer Fernando Gaviria.