Plötzlicher Tod im Wassergraben

Gebannt schauten die Zuschauer auf den Wassergraben. Kurz zuvor waren vier Pferde ins Wasser gesprungen, doch nur drei tauchten wieder auf. Was war passiert?

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Aargauer Zeitung

Adrian Hunziker

«Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe keine Fehler gemacht. Es ist unmöglich, ein Pferd im Fallen zu kontrollieren», sagt die Reiterin Chantal Zollet. Sie kann sich nicht erklären, wie es passieren konnte. Sie sei nicht mit zu hohem Tempo in das Hindernis gesprungen und auch nicht zu weit nach links oder rechts geraten. Irgendwie muss ihr Pferd - Merry Harry - gestolpert sein. Zollet denkt, dass das Pferd auf einem Stein aufgekommen sein muss oder sonstwie eingeknickt sei. Die erfahrene Reiterin hat dann noch gesehen, wie Merry Harry kopfvoran in die Holzwand gestürzt ist. Danach wurde es dunkel - Zollet wurde unter Wasser gedrückt.

«500 Kilos sind unkontrollierbar»

Da die vielen Zuschauer im Aarauer Schachen diesen Unfall nicht genau sehen konnten und der Wassergraben später durch Blachen abgedeckt wurde, machten schon bald Gerüchte die Runde. Das Pferd hätte einen Beinbruch oder Herzschlag erlitten und sei danach ertrunken, hiess es.

Doch Chantal Zollet wusste schnell, was geschehen war. Als die 30-Jährige wieder an die Oberfläche kam, sah sie, wie sich das Pferd noch bewegte. Doch sie wusste, dass jede Hilfe zu spät kam. «Ich war mir sicher, dass mein Pferd diesen Unfall nicht überleben würde», sagt die Bernerin. Die sofort herannahenden Veterinäre konnten dem 10-jährigen Wallach nicht mehr helfen.

Kurz vor dem Unglück Chantal Zollet (in Pink) auf Merry Harry kommt der Holzwand auf der rechte Seite bedrohlich nahe. (Bild: Roland Jaus)

Kurz vor dem Unglück Chantal Zollet (in Pink) auf Merry Harry kommt der Holzwand auf der rechte Seite bedrohlich nahe. (Bild: Roland Jaus)

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«Eine Schädelfraktur führte zu Blutungen im Gehirn und zum sofortigen Tod des Pferdes», erklärt Anton Fürst, Veterinär am Zürcher Unispital. «Das Tier hatte kein Wasser in der Lunge, es ist also nicht ertrunken.»

Eineinhalb Jahre habe sie Merry Harry im Stall gehabt, sagt Zollet. «Ich hatte viel Freude mit diesem Wallach.» Die Reiterin hatte auch finanziellen Erfolg. Sie gewann letztes Jahr mit Merry Harry ein Preisgeld von über 4300 Franken.

«Jeder Reiter hofft, dass so ein Unglück nie passiert. Bei mir ist es zuvor in zwölf Jahren zum Glück noch nie vorgekommen. Jetzt ist es aber leider passiert.» Chantal Zollet wurde beim Unglück nicht verletzt und sie kann der Tragödie sogar noch etwas Positives abgewinnen: «Ich bin froh, dass mein Pferd keinen Beinbruch hatte, denn dann hätte es noch leiden müssen», erklärt die zweifache Siegerin im Aarauer Schachen.

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