Eddy Schambron

Claudia Rutschi sitzt im Campingstuhl vor dem kleinen Wohnmobil. Die 26-jährige Burgdorferin begleitet ihren Freund Patrick Blatter, der am Motocross Muri startet, fast an jedes Motocross. So entspannt, wie sie wirkt, ist sie allerdings nicht immer.

«Es ist nevenaufreibend», gesteht die Oberstufenlehrerin, «es sind schnelle Rennen hier, man fiebert mit, wenn die Fahrer an den Start gehen, und hofft, dass nichts passiert.» Aber es macht ihr Freude, ihren Freund zu den Rennen zu begleiten. «Man lebt voll mit.» Arbeit gibt es für sie auch. «Ich besorge das Essen und helfe bei den Vorbereitungen.» Und nach dem Rennen ist sich die junge Frau nicht zu schade mitzuhelfen, den Töff vom Dreck zu befreien.

Gute Kameradschaft

Also nichts mit Ferien- und Campingatmosphäre im Fahrerlager? «Doch, doch», lacht Claudia Rutschi. Vor allem am Abend vor dem Rennen ist Camping. «Wir geniessen untereinander eine sehr gute Kameradschaft, man kennt sich eben», sagt sie.

Im Mercedes-Transporter, der nicht nur Töff und Werkzeug von Rennen und Rennen bringt, sind auch zwei Betten untergebracht. Den Wagen hat ihr Freund selber ausgebaut, sodass er optimal für den Einsatz an Motocross-Veranstaltungen dient. Ist es nicht ein bisschen eng da drin? «Für ein, zwei Nächte geht das gut», sagt Claudia Rutschi. Sie fahren in der Regel am Vortag eines Rennens an, übernachten im Fahrerlager und bereiten sich auf die Rennen vor. «Das Leben spielt sich dann auf dem Gelände ab.» Selber diesen Sport betreiben wäre für sie aber kein Thema.

Unterschätzte Sportler

Bevor ihr Freund mit Motocross anfing, hatte Claudia Rutschi mit Motorsport nichts am Hut. «Motocross wird völlig unterschätzt», stellt sie heute fest. Die Fahrer müsten eine grosse Fitness mitbringen, um die Rennen durchstehen zu können. Die Läufe seien selbst bei optimalen Bodenverhältnissen anstrengend. Am Abend nach den Rennen sind die Fahrer jeweils «ziemlich düre», wie die Bernerin sagt. Aber auch sie ist dann geschafft: «Den ganzen Tag draussen, die Vorbereitungen vor dem Rennen, das Mitfiebern, dann das Zusammenräumen und Nach-Hause- Fahren, das hängt an.»

Viel Aufwand

Ihr Freund Patrick Blatter, von Beruf Polymechaniker, macht sich bereit für das Zeittraining. «Ja», sagt er, «Motocross ist anstrengend. Aber man geht nach einem Rennwochenende trotzdem irgendwie entspannt in die nächste Woche.»

Finanziell gesehen lohnt sich der Sport nicht. «Es ist ein rechter Aufwand an Zeit und Geld», erklärte der ebenfalls 26-Jährige, «aber es macht Freude.» Er ist sozusagen
erblich vorbelastet, sein Vater führt ein Motorradgeschäft. Ohne seine Freundin könnte Patrick Blatter die Rennen nicht bestreiten. «Dann brauchte ich einen Mechaniker», räumt er ein und stellt fest, «wir ergänzen uns gut.»

Claudia Rutschi schaut auf die Uhr, wird etwas unruhig. Der Start für das Zeitraining steht an. Noch schnell ein Foto, dann geht es auf die Piste. Die Kameraden sind dort Blatters Konkurrenten, und am Pistenrand fiebert seine Freundin mit und hofft, dass nichts passiert.