Unihockey

Nykky und die starken Männer kämpfen um Finaleinzug

Jubeln die Schweizer (v.l. Matthias Hofbauer, Phillipp Fankhauser und Simon Bichsel) auch gegen die Finnen.

Jubeln die Schweizer (v.l. Matthias Hofbauer, Phillipp Fankhauser und Simon Bichsel) auch gegen die Finnen.

Mit Titelverteidiger Finnland wartet auf das Schweizer Unihockey-Nationalteam im Halbfinal der wohl härteste Widersacher. Trainer Petteri Nykky lässt sich nach dem Abschlusstraining nicht in die Karten blicken. Die Spieler sind auskunftsfreudiger.

Man habe sich noch nicht mit dem Halbfinal und dem Gegner befasst, diktierten die Schweizer Spieler und ihr Trainer Petteri Nykky nach dem gewonnen Viertelfinal (11:5 gegen Norwegen) in die Mikrofone. Dies dürfte kaum der Wahrheit entsprechen, schliesslich stand seit der Gruppenauslosung vor einem Jahr fest, dass der Halbfinal-Gegner mit grösster Wahrscheinlichkeit Finnland heissen würde.

Die Schweizer Spieler scheinen die Poker-Methoden ihres Trainers verinnerlicht zu haben. Nykky, der sein Heimatland Finnland zuletzt zweimal zu WM-Gold coachte, ist ein passionierter Pokerspieler und -Trainer. Und so setzte Nyyky auch sein Pokerface auf, als er sagte: «Ich kenne Finnland ganz genau, schliesslich war ich sechs Jahre lang sein Trainer. Die Frage ist aber, ob die Finnen mich kennen.»

Nationaltrainer Petteri Nykky hofft auf ein volles Hallenstadion

Nationaltrainer Petteri Nykky hofft auf ein volles Hallenstadion

Mentale Vorbereitung wichtig

Auch am Ruhetag, an dem das Schweizer Nationalteam vom Bernbiet nach Zürich dislozierte und dort am Abend zum ersten und einzigen Mal im Hallenstadion trainierte, hielt sich Nykky bedeckt: «Wir haben die Antwort noch nicht, wie wir sie schlagen können.» Wichtig sei die mentale Vorbereitung, und dass sein Team locker bleibe. Nykky selbst freut sich extrem auf das Duell gegen seine ehemalige Mannschaft: «Natürlich ist das Spiel speziell, wenn man elf Jahre dort gearbeitet hat.» Aber letztlich sei es ein Spiel wie jedes andere auch. Ein Halbfinal immerhin, den es zu gewinnen gelte.

Mit zehn von zwölf gespielten Dritteln seiner Mannschaft sei er zufrieden, so Nykky weiter: «Das Nachlassen im letzten Drittel des Viertelfinals hat mir nicht gefallen. Gegen Finnland müssen wir 60 Minuten lang mit hundert Prozent spielen, wenn wir gewinnen wollen.»

Bei Michael Zürcher beginnts zu kribbeln

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Erstmals nicht Favorit

Fest steht, dass die Schweiz trotz ihres Startrainers und den bisher souveränen Auftritten erstmals an dieser WM nicht als Favorit in eine Partie steigt. Unter Nykky hatte Finnland die Schweden als Nummer 1 der Welt zumindest temporär abgelöst. 2008 in Tschechien und 2010 im eigenen Land setzten sich die Finnen jeweils im WM-Final durch. Auch am laufenden Titelkampf liessen die Skandinavier bisher nichts anbrennen. Wie die Schweizer bekundeten sie in der Vorrunde keine Probleme und im Viertelfinal, in dem sie gegen Tschechien unerwartet früh an diesem Turnier gefordert wurde, gewannen sie sicher mit 4:1.

Erinnerungen an 1998 und 2004

Der letzte Schweizer Sieg an einer WM gegen Finnland ist acht Jahre her. An der letzten Heim-WM in Kloten siegten die Schweizer im letzten Gruppenspiel gegen die Finnen überraschend mit 4:3. Im Bronze-Spiel wenige Tage später unterlag die Schweiz erst im Penaltyschiessen. Der letzten Vergleich Anfang November endete 5:5. Allerdings dürften beide Seiten nicht mit offenen Karten gespielt haben.

Eine Medaille und die Rückkehr auf das Podest (nach Platz 4 an der WM 2010) setzten sich die Schweizer an dieser WM zum Minimalziel. Diese dürften die Schweizer nach der Halbfinal-Qualifikation so gut wie auf sicher haben, weil nach dem Ausrutscher der Tschechen in der Vorrunde mit Deutschland ein absoluter Aussenseiter den Einzug in die Top vier geschafft hat. Es wäre an den neunten Unihockey-Weltmeisterschaften die sechste Medaille. Im WM-Final stand die Schweiz erst einmal, 1998 in Prag. Damals setzten sich die Schweizer im Halbfinal mit 5:4 nach Penaltyschiessen durch - und zwar gegen... Finnland. Ein gutes Omen.

Erstmals im Hallenstadion

Nach sechs Tagen in der Berner Wankdorf- und der Zürcher Saalsporthalle wechselt die Unihockey-WM für das Finalwochenende auf die grosse Bühne. Im Hallenstadion werden erstmals in der Schweiz mehr als 10’000 Zuschauer ein Unihockey-Spiel live mitverfolgen. Die grossen Kulissen an WM-Finals haben beinahe schon Tradition; zuletzt fanden die entscheidenden Partien stets in den grössten Hallen statt.

Die Vorfreude der Schweizer Spieler ist deshalb nicht nur wegen des Halbfinals gross. Von einer «Riesensache» (Markus Gerber) oder dem «Grössten, was ich bisher erleben werde» (Matthias Hofbauer) sprachen sie. Es ist aus Schweizer Sicht zu hoffen, dass sich die Equipe (anders als im Halbfinal der Heim-WM 2004) von der Kulisse nicht erdrücken lassen. Gefragt ist - nicht nur von Nykky - ein Pokerface und das richtige Blatt.

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