Noch sind einige Positionen in der Schweizer Startaufstellung zu vergeben

Ottmar Hitzfeld, rechts, im Gespraech mit Marco Streller, links, beim Training der Schweizer Fussball Nationalmannschaft in Freienbach (SZ) am Sonntag, 5. September 2010. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Pfiffe verhallen langsam

Ottmar Hitzfeld, rechts, im Gespraech mit Marco Streller, links, beim Training der Schweizer Fussball Nationalmannschaft in Freienbach (SZ) am Sonntag, 5. September 2010. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Über die Torarmut wird im Kreis der SFV-Auswahl bewusst nicht mehr diskutiert. Spekuliert wird hingegen, wer gegen die Engländer morgen Dienstag in Basel die beiden Couloirs besetzt.

Sven schoch, Freienbach

Thematisiert wurde in der Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen das Problem der Stürmer. Coach Hitzfeld mag über die Ineffizienz
im Angriff nicht mehr sprechen.

Für ihn ist (zu) vieles eine Momentaufnahme. Seine Absicht ist klar: Frei und Co., ohnehin fast dauerhaft im Fokus der Berufspessimisten, sollen nicht mehr täglich zur negativen Debatte stehen. Die bösen Pfiffe in St.Gallen sind zwar nicht vergessen, aber mittlerweile verhallt.

In ihrer Trainingsbasis in Freienbach wurden die Schweizer Angreifer erneut höchst zuvorkommend empfangen. Jede gelungene Aktion beklatschten die Zuschauer. Im Kanton Schwyz geniesst Frei offenbar mehr Wertschätzung als in der Ostschweiz: Die Unterschrift des Captains war gefragt.

Im Hinblick auf das Highlight gegen England am Dienstag waren die taktischen Konturen relativ gut erkennbar. Die Abwehr steht: Lichtsteiner, von Bergen, Grichting und Ziegler bilden die Viererkette. Auch im Zentrum ist alles klar: Inler empfängt die englische Wucht an der Seite von Schwegler. Offen sind höchstens drei Positionen: die Besetzung der Mittelfeldseiten und der Sturmpartner von Frei.

Leiser Degen

Klar scheint auch, dass Gelson Fernandes nicht zur Startformation zählen dürfte. Der Held der WM-Sensation (1:0-Schütze gegen Spanien) fehlte in den Übungen. Im Falle von David Degen hat sich innerhalb der letzten 72 Stunden indes einiges verändert. Der Young Boy hat sich nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Barnetta mit einer überzeugenden Leistung beim 0:0 gegen Australien mutmasslich in die ersten elf gespielt.

Degen selber hat selbstredend auch realisiert, wie wenig ihn von einem Einsatz von Beginn an trennt. Er, der erst am Freitagmorgen von Hitzfeld erfahren hatte, von Anfang an spielen zu dürfen, und zuvor vom Deutschen (in zwei Jahren) nur während 30 Minuten berücksichtigt worden war, wog nach dem Sonntagstraining gar jedes Wort ab: «Ich will jetzt eigentlich nicht gross reden.»

Der 27-Jährige hat turbulente Jahre hinter sich. Das Ende des Bundesliga-Traums in Mönchengladbach, das temporäre Gastspiel in Basel, dann der Transfer zu YB, das verlorene Finish gegen den FCB. «Jetzt fühle ich mich einfach wohl in Bern. Und ja: Es ging gegen die Australier ganz gut.» Hitzfeld wird die Zurückhaltung des oftmals forschen Mittelfeldspielers schätzen.

Shaqiri oder Margairaz?

Im Falle Degens sind die Würfel wohl gefallen, wie die Karten von Xavier Margairaz sind, ist offen. Aber auch der zweite Rückkehrer (fehlte im Nationalteam während zweier Jahre) spielt in den Planungen von Hitzfeld offenbar eine seriöse Rolle. Es ist gut möglich, dass der FCZ-Professional im rechten Couloir das Manko der Passgenauigkeit behe-ben könnte. Der 26-Jährige trägt zudem wesentlich mehr Routine und Körpergrösse ins Team als das erst 18-jährige Kraftpaket Xherdan Shaqiri.

Im Angriff, der seit einem Jahr und dem 2:2 in Lettland nicht mehr getroffen hat, ist die Variante mit Frei/Derdiyok eher zu erwarten als jene mit Frei/Streller. Derdiyoks gute Argumente sind zwar spärlich, aber klangvoll: Er traf beim Debüt im Wembley gegen England und leitete mit seiner wuchtigen Vorarbeit die Sensation gegen den Weltmeister Spanien ein. Für die Variante Derdiyok spricht auch ein Statement von Marco Streller, der keine Schmerzen mehr verspürte. «Ich gehe eher davon aus, dass ich zu Beginn auf der Bank sitzen werde», so der FCB-Angreifer.

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