FC Luzern
«Nicht Sand in die Augen streuen»

Gerardo Seoane (30) will von Luzerns Trainer Rolf Fringer (52) wissen, welchen Einfluss ein neues Stadion auf die Leistungsentwicklung haben kann.

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aufgezeichnet: François Schmid-Bechtel

Haben Sie in der letzten, schwierigen Saison die Ziele erreicht und war es im Hinblick auf die kommende Saison sogar ein Vorteil, dass wir die Barrage bestreiten mussten?
Rolf Fringer: Das Ziel Klassenerhalt haben wir erreicht. Ob sich die Barrage als Vorteil erweist, weiss ich nicht. Von der Dramaturgie her war es natürlich perfekt. Nach dem Hinspiel in Lugano waren wir mit einem Bein schon in der Challenge League. Nach dem Rückspiel und dem 5:0-Triumph lagen sich alle in den Armen. Und das nach dem letzten Spiel in der Allmend. Das war natürlich ein sensationeller Abschluss.

Haben wir uns wegen der Barrage gegenüber der Konkurrenz einen Rückstand in der Saisonplanung eingehandelt?
Fringer: Das ist ganz sicher so. Solange der Klassenerhalt nicht gesichert war, konnten wir nicht planen. Gott sei Dank konnten wir Cristian Ianu und Hakan Yakin - der aber noch einige Wochen nicht spielberechtigt sein wird - verpflichten. Wir sind aber noch zu unausgewogen. Wir konnten beispielsweise Frimpong, unseren besten Torschützen der letzten Saison, noch nicht ersetzen.

In welchen Bereichen konnten wir uns im Vergleich zur letzten Saison verbessern und wo hinken wir noch hintennach?
Fringer: Wir sind in der letzten Rückrunde mehr zusammengewachsen. Die Mannschaft ist zusammengeschweisst, sie hat mit dem Klassenerhalt ein Erfolgserlebnis gefeiert. Aber wir dürfen uns nicht Sand in die Augen streuen und denken, dass nun alles gut sei. Denn realistisch gesehen, ist das Kader noch nicht vollständig.

Letzte Saison spielten wir in einem 4-3-3-System. Mit Hakan Yakin wird es eher ein 4-4-2 sein. Wie lange braucht das Team für diese Umstellung?
Fringer: Wir haben im Oktober, als ich in Luzern angefangen habe, schon im 4-4-2 gespielt. Deshalb denke ich, dass wir nicht lange brauchen werden, um das System zu adaptieren. Ausserdem haben wir viele routinierte und spielintelligente Spieler, die sich schnell umstellen können. Ich stimme das System immer auf die Spielertypen ab. Letzte Saison hatten wir mit Frimpong einen torgefährlichen Flügel, deshalb machte es Sinn, mit drei Stürmern zu spielen. Auf diese Saison haben wir uns sicher in der Mitte dank Yakin verbessert, also müssen wir uns neu ausrichten.

Letzte Saison waren wir auswärts ziemlich schlecht. Weil wir diese Saison nicht mehr in der Allmend, sondern in Emmenbrücke spielen, haben wir sogar 36 Auswärtsspiele. Wie lösen wir dieses Problem?
Fringer: Nur eins von 18 Auswärtsspielen zu gewinnen, ist eine jämmerliche Bilanz. In dieser Hinsicht müssen wir uns ganz klar verbessern. Wir haben aber schon in der Rückrunde mit einigen Unentschieden einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Da wir jetzt aber gefestigter sind, glaube ich, dass uns das gelingen wird.

Sie zählen zu den «alten Hasen» der Schweizer Trainerszene. Wie hat sich der Fussball in den letzten Jahren verändert?
Fringer: Verändert hat sich immer wieder das System. Früher hat man 4-3-3 gespielt. Ende der 80er-Jahre hat der damalige Milan-Trainer Arrigo Sacchi mit einem revolutionären 4-4-2 einen neuen Trend eingeläutet. Zuletzt war José Mourinho mit einem 4-3-3 sehr erfolgreich. Prompt gab es viele Nachahmer. Mit dem System ist es wie mit der Mode. Mal sind «Röhrlijeans» in, dann wieder die pludrigen, dann wieder «Röhrlijeans». Verändert hat sich sicher die Intensität, die viel höher ist als früher. Früher gab es Raum für einen Strategen, heute will dieses Risiko fast keiner mehr eingehen. Vieles ist ausgereizt. Taktik, Tempo, Intensität. Deshalb ist es wichtig, dass alle elf eine gewisse Qualität mitbringen müssen.

Haben Sie sich in den letzten Jahren auch verändert?
Fringer: Ich lasse heute zielgerichteter trainieren. Aber mein Führungsstil ist immer noch derselbe. Ansonsten bin ich ausgeglichener und reifer geworden.

Was ist mit dem FC Luzern im Hinblick auf das neue Stadion, in das wir in eineinhalb Jahren einziehen werden, möglich?
Fringer: Es ist einiges möglich. Ein kleiner Verein kann aber nur für Furore sorgen, wenn er bescheiden bleibt. Wenn ein kleiner Klub zu hohe Ziele hat, ist eine Bruchlandung vorprogrammiert. In der Regel gipfelt jenes Szenario in zwei bis drei Trainerentlassungen pro Jahr.

Können die Super-League-Klubs mit den neuen Stadien den Abstand zur internationalen Spitze verringern?
Fringer: Die Stadien können eine Leistungssteigerung bewirken. Es entsteht mehr Dynamik, die Spieler werden angetrieben. Aber im Vergleich zu den grossen Nationen nutzt dies nichts. Denn wir haben einen Wettbewerbsnachteil. Wir Schweizer werden immer als VW Käfer gegen Giganten wie Mercedes oder BMW kämpfen. Wir können keine Ausländer verpflichten, von denen wir zum vornherein wissen, dass sie gut sind. Wir können uns nicht mal einen Spieler aus der zweiten Bundesliga leisten, weil diese dort viel mehr verdienen als bei uns. Aber man kann einen VW Käfer auch mal frisieren. Dann kann man kurzfristig sehr viel erreichen.

Sie sind für Ihre treffenden Prognosen bekannt. Beispielsweise sagten Sie voraus, dass wir uns in der letzten halben Stunde gegen Lugano retten werden. Nun: Gibts in der neuen Saison wieder einen Dreikampf um den Titel? Und wo platzieren Sie den FC Luzern?
Fringer: Ich denke, dass der FCZ, YB, Basel und GC um den Titel kämpfen werden. GC hat mit Rennella eine gute Mannschaft und gehört in die Spitzengruppe. Alle anderen streiten sich um die anderen Plätze. Wir sind im Moment noch nicht parat, deshalb will ich noch keine Prognose abgeben.

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