Süss fährt wie ein alter VW
Mountainbike-Matadorin Süss fährt wie ein alter VW

Esther Süss ist ein Phänomen. Seit Monaten fährt die Aargauerin in Topform. Auch in Gränichen liess die 36-Jährige aus Küttigen alle Konkurrentinnen hinter sich und feiert ihren ersten Titel im Cross Country.

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michelle hediger kathrin süss schweizermeisterschaft gränichen mountainbike
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michelle hediger kathrin süss schweizermeisterschaft gränichen mountainbike

Kein Auto sei im Alter so zuverlässig wie ein Volkswagen, sagt man. Keine Mountainbikerin ist in ihren Leistungen derart stabil wie Esther Süss. Gestern feierte sie den achten Sieg innerhalb von zehn Wochen. Keine andere Fahrerin kann ihre Form derart lange konservieren wie die Handarbeitslehrerin aus Küttigen. U

nd dies trotz doppelter Doppelbelastung. Süss arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum und Süss fährt als einzige Schweizerin der höchsten Hubraumklasse auch Marathon-Rennen. Vier der acht Siege seit dem 9. Mai errang sie über die lange Distanz.

Die Nummer auf dem Rücken

In Anlehnung an den alten VW-Werbespot sagt Esther Süss zu ihrem Erfolgsrezept schlicht: «Wenn es läuft, dann läuft es». In solchen Momenten müsse man den Erfolg geniessen und nicht zu viel darüber nachdenken, wieso es so sei. Ihr Freund pflege zu sagen, «dass ich gar nicht langsam fahren kann, sobald ich eine Nummer auf dem Rücken trage». Als Ausgleich verzichtet Süss im Training gänzlich auf Intervall-Trainings.

«Vielleicht müsste ich dort auch eine Nummer tragen, denn im Training kann ich mich im Gegensatz zum Rennen nie richtig quälen», meinte Süss. In den Schoss fiel der 36-Jährigen der so sehr gewünschte Sieg beim Heimrennen in Gränichen nicht. Die Solothurnerin Nathalie Schneitter blieb ihr während des gesamten Rennverlaufs dicht auf den Fersen.

Einmal kam sie bis auf vier Sekunden an Süss heran, aber in den Windschatten schaffte es die ehemalige Juniorenweltmeisterin nie. «In den Aufstiegen war ich stärker. Und ein Sieg ist schliesslich umso schöner, wenn man darum kämpfen muss», sagte eine lachende Esther Süss.

Hediger im Wynentaler Duell

Bereits in der ersten Runde entschied sich das Wynentaler Duell um den Sieg im U23-Rennen der Frauen. Die letztjährige Vize-Weltmeisterin Michelle Hediger (Oberkulm) vom Fischer-BMC-Team setzte sich früh ab, während Favoritin und Lokalmatadorin Kathrin Stirnemann (Gränichen) vom ersten Meter an über schwere Beine klagte. Sie habe sich schon während der gesamten Woche sehr müde gefühlt, sagte die 20-Jährige im Ziel mit Tränen der Enttäuschung in den Augen.

Vielleicht waren die Strapazen bei ihrem zweiten Rang an den Europameisterschaften vor Wochenfrist in Israel die Erklärung, wieso es mit dem Heimsieg nicht klappte. Immerhin kämpfte sich Stirnemann im Verlauf des Rennens noch von Rang vier auf Rang zwei vor.

Siegerin Michelle Hediger schwärmte von ihren ausgezeichneten Beinen und sprach von einem «Sieg, mit dem ich nicht gerechnet habe, denn Kathrin fuhr während der bisherigen Saison stärker als ich». Hedigers EM-Verzicht könnte sich gestern durchaus entscheidend ausgewirkt haben.

Vogel ohne Sattel zu Silber

Eine Klasse für sich waren im Rennen der Männer die Teamkollegen Nino Schurter und Florian Vogel. Lokalmatador Vogel klebte meistens am Hinterrad des Weltmeisters aus dem Bündnerland. Bereits nach einer von total neun Runden war die restliche Konkurrenz geschlagen. Dass Vogel im Finish den Kürzeren zog, lag hauptsächlich an einem Zwischenfall bei Rennhälfte. In einer technischen Passage brach Vogels Sattel.

Erst nach einer halben Runde erhielt der Kölliker Ersatz. Den zwischenzeitlichen Rückstand von 20 Sekunden machte Vogel zwar erstaunlich schnell wieder wett, doch zu mehr als der Silbermedaille fehlte die Kraft. «Unter diesen Umständen war es für mich heute das Optimum.» Im Hinblick auf die beiden anstehenden Weltcuprennen an den nächsten zwei Wochenenden meinte der 28-Jährige lapidar: «Ich hoffe doch, ich habe meine Portion Pech damit einkassiert.»

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