Boxen

Moskau wirft Klitschko Wettbetrug vor

Gezeichnet von den Treffern des Briten - Klitschko bei seiner Niederlage gegen Tyson Fury.

Gezeichnet von den Treffern des Briten - Klitschko bei seiner Niederlage gegen Tyson Fury.

Wladimir Klitschko muss nach seiner Niederlage im WM-Kampf gegen Tyson Fury Schläge unter die Gürtellinie einstecken. In Russland werden Gerüchte gestreut, Klitschko habe vor dem Kampf gegen sich gewettet.

Auch einige Tage später schmerzt Wladimir Klitschko noch die überraschende Niederlage gegen den Briten Tyson Fury. Verstärkt werden die Nachwehen nun durch verbale Tiefschläge, die Klitschko nicht nur von seinem Ringgegner, sondern auch aus völlig unerwarteter Richtung einstecken muss: In Moskau werden Gerüchte über einen gekauften Kampf gestreut.

Fury bereitet sich wohl psychologisch schon auf den Rückkampf vor. Nach seinem Sieg erklärte er nämlich Klitschko zum Betrüger. Dessen Lager habe ihm falsche Handschuhe untergejubelt und hätte ihm wohl auch noch Dopingvorwürfe angehängt, wenn er beim Wassertrinken nicht so aufgepasst hätte, sagte er. An der Reinheit seines Sieges zweifelte Fury hingegen nicht.

Dafür aber Moskauer Kommentatoren. Als erster erhob der einflussreiche Box-Promoter Wladimir Chrjunow die Vorwürfe: Seinen Angaben nach sind vor dem Kampf bei britischen Wettbüros Einsätze über vier Millionen Pfund Sterling auf Fury eingegangen, obwohl Klitschko haushoher Favorit war. «Selbst die Buchmacher haben eingeräumt, dass das sehr merkwürdig ist, bei allem Patriotismus britischer Boxfans», sagte Chrjunow.

Im Kampf habe der Ukrainer dann ausgesehen wie ein «auf Niederlage programmierter Roboter», baute er seine Anklage auf. Er sei passiv gewesen und habe absolut unvorbereitet gewirkt. «Die Version, dass Klitschko gegen sich selbst gesetzt hat, klingt sehr plausibel», schloss Chrjunow seine Verbalattacke ab.

Schmutzkampagne nach Mass

Das russische Staatsfernsehen nahm die Version dankbar auf: Dort durften der inzwischen in die Staats-Duma abgewanderte Ex-Boxer Nikolai Walujew und Konstantin Makarow, Chef der russischen Wettbüro-Gilde, ihre Verschwörungstheorien abgeben. Walujew sprach von «unverständlichem Kampf» Klitschkos. Woran die schwache Vorstellung gelegen habe, könne er zwar nicht sagen, aber Zweifel wecke sie schon. «Der Boxer war immer ideal vorbereitet auf seine Kämpfe», sagte Walujew. Makarow verwies darauf, dass die Quoten für einen Sieg Furys bei 1:9 standen.

«So ein Geschäftsmodell: Auf die Nase zu bekommen, um dafür anschliessend zu kassieren, sei ganz im Stil der Klitschkos», führte Moderator Anton Podkowenko die Schlammschlacht fort. Als «Beweis» für die Behauptung fügte er an, die Box-Brüder hätten sich immer sehr sorgsam ihre Gegner ausgesucht und seien auch im Ring selten volles Risiko gegangen.

Eine gute Schmutzkampagne zeichnet sich durch die Verbindung boshafter Unterstellungen mit Fakten aus. Ein Hasardeur ist Klitschko im Ring sicher nicht und auch die Vorstellung in Düsseldorf entsprach tatsächlich nicht dem Können des 39-Jährigen.

Dass er in Moskau deshalb allerdings als Betrüger abgestempelt wird, dürfte andere Ursachen haben: Chrjunow beispielsweise hat eigene Interessen, die er auch kaum verbirgt. Er managt den Schwergewichtler Alexander Powetkin, der 2013 gegen Klitschko einen WM-Kampf verloren hat. Daneben promotet er den Russen Alexander Ustinow, den er nun just in die Diskussion um einen Titelkampf einwirft.

Im russischen Staatsfernsehen hingegen gelten die Klitschkos wegen ihrer politischer Einstellung als rotes Tuch. Dass Wladimirs älterer Bruder Witali gerade wieder Bürgermeister von Kiew geworden ist, durfte in dem Beitrag über angebliche Finanzschummeleien daher nicht fehlen.

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