Am Sonntag beschloss der Olympia-Dritte von Athen 2004 seine Karriere mit dem 2. Rang am Ironman Switzerland.

Riederer ist bei den Männern auch als einziger Schweizer vierfacher Olympia-Teilnehmer. Er gewann rund ein Dutzend Schweizer Meistertitel, stand als langjähriger Kurzdistanz-Spezialist bei Europa- und Weltmeisterschaften auf dem Podest und holte 2012 in London noch ein Olympia-Diplom.I

Im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA äussert sich der 38-jährige Zürcher über seinen Rücktritt und weshalb ihm erst zum Abschluss seiner Karriere auch über die Langdistanz ein Topresultat gelungen ist.

Sven Riederer, Sie verausgabten sich am Ironman Switzerland komplett und mussten sich nach dem Zieleinlauf erst einmal in medizinische Obhut begeben.

"Ein Ironman ist halt schon nicht ein normaler Arbeitstag. Da geht man schon an seine Grenzen. Und mit ein wenig Salzmangel ist dann halt im Ziel 'Game over'. Doch die Betreuung im Ziel ist top, wenn ich dies beispielsweise mit grösseren Laufveranstaltungen oder so vergleiche."

Inwiefern hat sich in Ihren Augen der Triathlon im Laufe Ihrer Karriere entwickelt?

"In meinen Anfängen wurde ich immer angesprochen, was Triathlon überhaupt ist. Das ist heute nicht mehr der Fall. Man weiss, was dieser Sport beinhaltet."

Mit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hatten Sie ihre Kurzdistanz-Karriere beendet und wechselten danach auf die Mittel- und Langdistanz. Nun hätten Sie sich erstmals für die Ironman-WM auf Hawaii qualifiziert. Weshalb verzichten Sie auf Ihr ursprünglich letztes Karriere-Ziel?

"Das hat sich im Laufe des Jahres so ergeben. Ich habe ein spannendes und herausforderndes Projekt vor mir, das ich nun starten kann. In Dübendorf wird auf 3000 Quadratmetern in einer vorherigen Fabrikhalle eine Indoor-Sportarena eröffnet. Dies mit einem Kunstrasen-Fussballfeld, einer Box-Abteilung, Fitnessklub, einem Laufband-Bereich mit Trainingsleitung, das vergleichbar mit Spinning-Lektionen ist, sowie mit einem Tanzstudio. Dazu kommt eine Arbeitsplatz-Vermietung, ein sogenannter Co-Working-Space. Den Arbeitsplatz mit Zutritt zur restlichen Infrastruktur kann man auch tageweise mieten und nutzen. Die Anlage wird ganz im Fabrik-Look gehalten. Zusammen mit dem Eigentümer, Thomas Götz, betreibe ich das. Für mich ist dies eine grosse Chance, dies voranzutreiben und zu eröffnen. Ich muss daher dort den Fokus setzen, damit es gut kommt. Zudem bin ich auch müde vom ganzen Triathlon oder vor allem vom Training. Der Ironman in Zürich war ein guter Rahmen für meinen Abschluss. In Zürich wurde ich geboren und absolvierte ich auch meinen ersten Triathlon."

Die Langdistanz war für Sie eine andere Sportart?

"Das ist so. Es reicht einfach nicht aus, nur ein guter Triathlet zu sein, also schnell schwimmen, radfahren und laufen zu können. Die Kraftausdauer ist wichtig, dann der Energiehaushalt. Und schliesslich die ganze Taktik und das richtige Tempogefühl, also ein ausgewogenes Pacing. Für dieses ganze Spektrum kann man nicht ein Buch nehmen oder auf erfahrene Ironman-Athleten hören. Da muss man selbst seine Erfahrungen machen."

Sie hätten demzufolge früher auf die Langdistanz wechseln sollen?

"Rückblickend gesehen, ja. Ich hätte nach London 2012 wechseln sollen, als ich noch voll im Saft und die Nummer vier der Welt in der Kurzdistanz war. Da hätte ich noch einen guten Aufbau machen können. Nach den Spielen in Rio de Janeiro befand ich mich schon sehr im Herbst meiner Karriere."

Auf Hawaii wäre eine Topklassierung für Sie in diesem Jahr kaum möglich gewesen?

"Auf Hawaii hätte ich nicht den Anspruch haben können, ganz vorne dabei zu sein. Es ist für mich persönlich kein würdiges Ende, wenn ich die Top 20 schaffe. Bestenfalls wären vielleicht die Top 10 drin gelegen. Aber das wäre wohl kaum realistisch gewesen sein. Denn in Hawaii ist es sehr heiss. Das ist nicht so mein Klima."

Nun werden Sie in der Szene fortan gefoppt, weil Sie nie in Hawaii angetreten sind.

"Natürlich ist die erste Frage innerhalb der Triathlon-Familie immer: 'Bist Du auch in Hawaii gewesen? Wenn nicht, bist du kein richtiger Triathlet'. Doch damit kann ich leben. Umgekehrt war es damals auf der olympischen Distanz beispielsweise auch so, dass für Jan van Berkel und Ruedi Wild die Rennen in Bezug auf eine Spitzenklassierung schon früh vorbei waren, weil sie im Schwimmen die erste Gruppe verpassten. Ich hatte auf der Kurzdistanz mit beschränktem Talent sehr viel herausgeholt. Ich habe als Sportler über viele Jahre sehr gut verdient. Auch das ist nicht selbstverständlich. Bei meinen ganz grossen Rennen, die ich gewinnen konnte oder bei denen ich vorne dabei war, herrschten vielfach auch besondere Bedingungen. Oft regnete es beispielsweise."