Handball
Mit Nitroglyzerin ins explosive Spiel

Nur einen Punkt benötigte Muri und der Traum von der NLB würde Tatsache. Doch Gegner Chênois wollte den Freiämtern keine Geschenke machen. Am Schluss siegten Muris Handballer im finalen Match gegen Chênois 31:29 und steigen in die NLB auf.

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TV Muri steigt in die NLB auf

TV Muri steigt in die NLB auf

Aargauer Zeitung

Aline Toch

Wer gehofft hatte, dass der entscheidende Match für Muri ein Spaziergang würde, muss-te seine Hoffnungen schon in den Startminuten begraben. Zwar gelang den Murianern das erste Tor, doch das beruhigte die Nerven der vielen Fans und des Trainerteams Pauli/Cordas nur wenig. Muri konnte nie mehr als ein, zwei Tore vorlegen, schon setzten die Genfer zur Aufholjagd an.

Der junge Freiämter Torhüter Dominic Rosenberg konnte sich nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Der 17-Jährige ging mit einer grossen Anspannung ans Werk. «Ich war viel nervöser als bei anderen Spielen, denn hier ging es um so viel», erzählt er nach Spielende. Seine Nervosität bekam er aber von Minute zu Minute besser in den Griff. Mal für Mal blockte er wichtige Schüsse, wehrte Penaltys ab und beeinflusste das Spiel massgeblich.

Rosenberg sei ein «ungeschliffener Diamant», aus dem ein ganz Grosser werden könne, lobte ihn Trainer Martin Pauli. Rosenberg hatte sich das Lob während 60 Minuten hart erarbeiten müssen. Die Spieler von Chênois prüften den jungen Torhüter aus allen möglichen Positionen. Durch die «Doppelriegel-Taktik», wie sie Trainer Pauli bezeichnete, taten sich für die Flügel und Kreisläufer von Chênois immer wieder Räume auf, die sie meist gekonnt nutzten.

«Zoltan Cordas und ich haben uns bewusst für diese Taktik entschieden, so wird der Gegner bereits neun Meter vor dem Tor abgeblockt, kommt er trotzdem durch, erwartet ihn eine zweite Mauer bei sechs Metern», erklärte Pauli. Diese Abwehrstrategie funktionierte über weite Strecken. Zur Pause stand es 15:12 für Muri, ein gutes Zeichen? «Das heisst noch lange nicht, dass wir gewinnen, aber es sagte uns: Hey, wir sind dabei», so Pauli.

Nach der Pause konnte Muri nicht wie zuletzt gegen Möhlin davonziehen. Mehr als vier Tore Vorsprung konnte der Gastgeber nicht herausspielen, und so wurde die Nervenstärke der Spieler und der Fans aufs Äusserste getestet. «Die Anspannung war fast mit Händen greifbar, die Stimmung in der Halle war einfach genial», sagte Torhüter Rosenberg.

Auch Trainer Pauli hatte keine ruhige Minute und traute weder seinem Herzen noch dem Spielstand, der drei Minuten vor Schluss mit 30:27 für Muri sprach. «Ich habe Nitroglyzerin in der Tasche, dieser Aufstiegskrimi belastete nicht nur meine Nerven, sondern auch mein Herz», meinte Pauli und zeigte schmunzelnd auf das kleine Kügelchen.

In den letzen Minuten warfen beide Teams alle Kräfte nach vorne, die Tore fielen beinahe im Sekundentakt. Erst 48 Sekunden vor Schluss drehte sich Co-Trainer Cordas zu Pauli um und sagte: «Ich glaube, wir schaffens.» Und damit sollte er recht behalten. Mit 31:29 gewannen die Freiämter dieses an Spannung kaum zu überbietende Spiel. «Es war vom Spielerischen her eher medioker, zu gewinnen war dafür umso grandioser», fasste Pauli das Spiel zusammen.

Mit Muri steigt ein Verein in die NLB auf, der sich Anfang Saison Platz sechs zum Ziel gesetzt hatte, vom Potenzial her aber gut in der zweithöchsten Liga mithalten können sollte. Spieler und Trainer sehen der nächsten Saison mit erhobenem Haupt entgegen.

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