Gian Kämpf
Mit den Eltern will er nicht kämpfen

Der Verein SC Langenthal wird das Jahr mit einer ausgeglichenen Rechnung abschliessen. Thomas Grütter tritt als Präsident zurück. An seiner Stelle wird Gian Kämpf, Geschäftsführer der SC Langenthal AG, den Verein interimistisch führen. Mit Eltern von SCL-Junioren, die sich weigern, Rechnungen für den zweiten Sponsorenlauf zu begleichen, will er allerdings keinen Kampf austragen.

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Gian Kämpf

Gian Kämpf

az Langenthaler Tagblatt

Walter Ryser

Beginnen wir mit den erfreulichen Tatsachen: Der Verein SC Langenthal hat ein turbulentes Jahr unbeschadet überstanden. Die Nachwuchsabteilung wird das Geschäftsjahr finanziell ausgeglichen abschliessen können. Lange Zeit sah es jedoch nicht danach aus, plagten doch den Verein arge Geldsorgen.

Mit einem zusätzlichen Sponsorenlauf («SCL-Day») sowie der persönlichen (finanziellen) Unterstützung durch Stephan Anliker, Verwaltungsratspräsident der SC Langenthal AG, konnte ein Teil des sich abzeichnenden Defizits aufgefangen werden.

Auf der Suche nach einem neuen Vorstand

Zu Hilfe kam der Nachwuchsabteilung aber auch die Stadt Langenthal, die einen Zusatzbeitrag in der Höhe von 30 000 Franken leistete und damit noch nicht beglichene Eiskosten des Geschäftsjahres 2008/09 übernahm. Doch damit sind noch längst nicht alle Wolken über der Eishalle Schoren weggezogen.

«Auch in Zukunft wird es schwierig sein, ein ausgeglichenes Budget für den Nachwuchs auf die Beine zu stellen», sagt Gian Kämpf, Geschäftsführer der SC Langenthal AG und ab August gleichzeitig noch Interimspräsident des Vereins SC Langenthal. Denn auf die ordentliche Hauptversammlung hin (20. August) hat der bisherige Präsident Thomas Grütter demissioniert, weil er sich beruflich neu orientiert hat.

Kämpf soll nun während eines Jahres den Verein interimistisch führen und in dieser Zeit einen neuen Vorstand installieren. Erste Gespräche mit möglichen Kandidaten für das Präsidentenamt seien bereits geführt worden, betont Kämpf. «Mit der Interims-Lösung verschaffen wir einer geeigneten Person eine Vorlauf- und Einarbeitungszeit», erwähnt der 27-jährige Bündner.

Gian Kämpf zeigt sich versöhnlich

In seiner Funktion als neuer SCL-Präsident will sich Gian Kämpf auf keine Kraftakte einlassen - auch nicht mit gewissen Eltern von Junioren-Spielern, obwohl hier durchaus Potenzial für einen handfesten Streit vorhanden wäre. Denn: Der im Frühjahr kurzfristig organisierte, zweite Sponsorenlauf (aufgrund der finanziell prekären Lage des SCL-Nachwuchses) hallt noch immer nach.

Die Junioren wurden damals angehalten, mindestens 250 Franken einzufahren. Wer dieses Ziel nicht erreichte, wurde aufgefordert, die Differenz zu begleichen. Dieser Aufforderung kamen aber längst nicht alle Eltern der Junioren nach. Diese berufen sich auf die an der letzten Hauptversammlung gefassten Beschlüsse betreffend die Jahresbeiträge für die Junioren.

Gian Kämpf will in dieser Sache nicht weiter aktiv werden. «Es gibt Familien, die den erforderlichen Betrag in der momentanen wirtschaftlichen Situation schlicht nicht zahlen können, wofür wir Verständnis haben. Es gibt aber auch Familien, die nicht zahlen wollen, und dann gibt es noch jene Familien, die sich solidarisch zeigten und anstandslos bezahlt haben.»

Laut Kämpf hätten diese Familien ihre Kinder unterstützt, damit diese weiter ihr Hobby ausüben können. «Diese Eltern glauben an den SCL-Nachwuchs und das ganze Projekt.» Und dieses sehe vor, auch in Zukunft allen Kindern auf jeder Stufe Eishockey anbieten zu können.