Während der Ostschweizer seinen dritten Titel holte, feierte die 20-jährige Tessinerin in Abwesenheit der verletzten Giulia Steingruber ihre Premiere.

Perfekt verlief der Wettkampf auch für Pablo Brägger nicht. Der Reck-Europameister von 2017 stürzte gleich zum Auftakt an seinem Paradegerät nach dem Cassina-Salto; und auch später am Sprung musste er einen Sturz in Kauf nehmen. Doch da auch seine Kollegen nicht fehlerfrei durch den Wettkampf kamen, reichte es dem St. Galler dank einem starken Vortrag zum Abschluss am Barren zum dritten Titelgewinn im Mehrkampf nach 2011 und 2015.

"Nach dem Reck hätte ich nicht gedacht, dass ich den Titel noch holen würde", sagte Brägger, der den vor dem letzten Gerät spannenden Dreikampf letztlich mit knapp einem halben Punkt vor Benjamin Gischard und Christian Baumann für sich entschied und sich damit auch einen Startplatz für die Weltmeisterschaften Ende Oktober in Doha sicherte. "Ich bin zufrieden, auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist", so Brägger. "Aber im Hinblick auf die WM muss es wie bei allen noch einen Schritt vorwärts gehen." Auf eine Teilnahme an den Europameisterschaften in Glasgow im August hatte Brägger aufgrund des Trainingsrückstands als Folge einer Arthroskopie im rechten Knie verzichtet.

Seine Ambitionen für einen Platz im WM-Team meldete auch Eddy Yusof an. Der Titelverteidiger turnte nach seiner Knöchelverletzung, die ihn zum EM-Forfait zwang, nur an vier Geräten und verpasste einen tadellosen Wettkampf nur durch einen Sturz zum Abschluss am Barren. Sicher nicht zum WM-Team gehören wird Henji Mboyo, der wegen muskulären Problemen im Bizeps auf einen Start in Frauenfeld verzichten musste.

Die Stürze des Europameisters

Überhaupt nicht auf Touren kam Oliver Hegi, der seit längerem wieder einmal einen kompletten Mehrkampf turnte. Der Reck-Europameister von Glasgow zeigte zwar zum Auftakt am Königsgerät eine starke Vorstellung und sicherte sich mit der besten Note des Abends den Titel, danach funktionierte beim 25-jährigen Aargauer aber nichts mehr. Er stürzte am Boden, am Pauschenpferd, an den Ringen und auch zum Abschluss am Barren, wo er vor gut einem Monat EM-Bronze geholt hatte. "Es ging alles zu schnell, ich konnte mich zwischen den Geräten kaum erholen", sagte Hegi. Den Wettkampf, der auch als WM-Qualifikation zählte, beendete der Schweizer Meister von 2013 und 2016 im 5. Rang.

Bei den Frauen krönte sich Ilaria Käslin zur Nachfolgerin der verletzten Giulia Steingruber. Die 20-jährige Tessinerin holte nach zuvor drei zweiten Plätzen erstmals Gold im Mehrkampf. Die EM-Finalistin am Schwebebalken siegte vor den beiden erst 15-jährigen Aargauerinnen Leonie Meier und Anina Wildi und holte sich auch die Titel am Schwebebalken und am Boden.