Schwingen

Matthias Glarner über seinen Absturz: «Es ist zu 100 Prozent meine Schuld»

Schwingerkönig Matthias Glarner auf dem Weg der Besserung

An der Medienkonferenz am Donnerstag: Matthias Glarner spricht über den Sturz von der Gondel.

Schwingerkönig Matthias Glarner hat über seinen Absturz von einer Gondel informiert. Er sei gesichert gewesen. Durch einen Eigenfehler habe sich das Sicherungsseil aber verhakt. «Dann ist das Seil gerissen und ich bin abgestürzt. Es war mein Fehler.»

Die Uhr im Berner Inselspital zeigt zehn Uhr morgens. Auf einen Schlag wird es mucksmäuschenstill. Erstaunlich, dass 50 Journalisten gleichzeitig schweigen können. Man wähnt sich in einer Kirche. Alle warten auf den Beginn des Gottesdienstes. Und tatsächlich setzt Chefarzt Klaus Siebenrock eine Viertelstunde später, nachdem er die Verletzungen von Matthias Glarner im Detail erläutert und sich der Schwingerkönig bei allen Helfern, Ärzten und Pflegern bedankt hat, zu einer Art Predigt an: «Mein grösster Dank gilt den Schutzengeln, die Matthias offensichtlich begleitet haben», sagt der Chirurg.

Siebenrock ist an diesem Tag nur eine Nebenfigur. Auch er zieht im Laufe der Pressekonferenz sein Handy und macht während des TV-Interviews ein Erinnerungsfoto von der Hauptattraktion. Denn die Fotografen und Kameraleute warten an diesem Donnerstagmorgen vor dem unscheinbaren Seiteneingang zum Auditorium im Inselspital Bern auf den König, auf Matthias Glarner.

Schwingerkönig Matthias Glarner spricht erstmals über seinen Unfall

Schwingerkönig Matthias Glarner spricht erstmals über seinen Unfall

Die Türe geht auf, das Blitzlichtgewitter startet. Glarner betritt den Raum, bleich zwar im Gesicht und auf Krücken abstützend, aber irgendwie doch majestätisch. Beeindruckend: Zehn Tage, nachdem der Berner Oberländer im Hasliberg vom Dach einer Gondel zwölf Meter in die Tiefe stürzte, setzt er sich mit einer Selbstverständlichkeit auf den Stuhl beim Rednerpult, als ginge es darum, Auskunft über seinen Formstand fürs Unspunnen-Fest zu geben.

Mehr Ingenieur als Unfallopfer

Sich hinsetzen war auch eine der ersten Tätigkeiten des Schwingerkönigs nach dem fatalen Sturz von der Gondel. Er könne sich noch genau an alles erinnern: «Wenn man zwölf Meter in die Tiefe fällt, hat man relativ viel Zeit», sagt er mit einem Grinsen. Er habe sich nach dem Aufprall zuerst einmal sortiert und geschaut, ob alles in Ordnung sei. Danach setzte er sich auf den mächtigen Betonsockel am Fusse des Seilbahnmasts und wartete auf die Rettungsdienste.

Er habe sich mehr als einmal gefragt, wie dies passieren konnte. Weil Glarner bei einem Fotoshooting das Sicherungsseil offensichtlich auf der falschen Seite einer Klemme fixiert hatte, verhedderte sich dieses und riss. Er selber sei sich sicher gewesen, dass er auf der Gondel alles richtig gemacht habe. Erst als sich diese nach dem Shooting wieder in Bewegung setzte, realisiert der Schwinger, dass dies nicht der Fall war. Das Seil verhedderte sich beim Passieren eines Seilbahnmasts. Glarner versuchte noch, es anzuheben, doch sein Reflex kam zu spät. Das Seil riss, der Meiringer stürzte zuerst auf das Dach der Gondel und danach in die Tiefe.

Mit einem Powerpoint-Stift zeigt er ohne sichtliche Rührung auf einer Fotoaufnahme des Unfallorts, wo wann was geschah. Mehr Ingenieur als Unfallopfer. Für ihn sei der Unfall damit abgeschlossen. Er werde keine Stellung mehr dazu nehmen.

Wer den Schwingerkönig an diesem Donnerstagmorgen reden hört, der ist sich ziemlich sicher: Dieser Mann wird zurück ins Sägemehl kehren. Das ist das erklärte Ziel des 31-Jährigen. Vier Monate darf er nun aber vorerst keinen Sport betreiben. Trotzdem spricht er mit Begeisterung vom kommenden Wintertraining.

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