Martina Hingis: Morgen gibt sie ihr Debut als Reiterin

Einst beherrschte sie als Nummer eins der Welt die Tennis-Szene. Morgen startet die Martina Hingis ihre zweite Sportkarriere als Reiterin. Beim CSI in Basel hat sie sich bei den Amateuren eingeschrieben. Vor dem Debut gibt sie sich bescheiden.

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Martina Hingis Reitturnier Basel
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Martina Hingis Reitturnier Basel

Keystone

Michael Wehrle

Das sagt Willi Melliger «Ich finde es gut, dass Martina Hingis beim CSI von Basel antritt. Eine professionelle Karriere ist ihr auf jeden Fall zuzutrauen. Natürlich kommt es nicht nur auf sie, sondern auch auf das Pferd an. Letztendlich glaube ich aber, dass Hingis ein respektables Resultat in Basel erreichen wird.» (AKÖ)

Das sagt Willi Melliger «Ich finde es gut, dass Martina Hingis beim CSI von Basel antritt. Eine professionelle Karriere ist ihr auf jeden Fall zuzutrauen. Natürlich kommt es nicht nur auf sie, sondern auch auf das Pferd an. Letztendlich glaube ich aber, dass Hingis ein respektables Resultat in Basel erreichen wird.» (AKÖ)

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Das Reiten blieb trotzdem eines ihrer liebsten Hobbys. Schon ein Jahr vor dem verhängnisvollen Sturz hatte sie ihr Reiterbrevet gemacht. Nachdem sie sich 2003 zunächst vom Tennis zurückgezogen hatte, erwarb sie die N-Lizenz für Springen, bei der sie sechs Jahre zuvor durchgefallen war, und bestritt zwei Jahre lang kleinere Turniere. 2006 kehrte sie vehement auf die Tennisbühne zurück. Ganz an die Spitze reichte es zwar nicht mehr, doch Martina Hingis stiess wieder in die Top Ten vor. Nach einigen Problemen mit Verletzungen folgte der brutale Abschied. Am 1. Oktober 2007 gab sie ihren Rücktritt bekannt, sie war einige Monate zuvor in Wimbledon in der Dopingkontrolle hängen geblieben. Kokain soll sie zu sich genommen haben. Die Menge war verschwindend gering, selbst in der Armee der USA wäre sie damit nicht verurteilt worden. Der Internationale Tennisverband ITF allerdings kannte keine Gnade, sperrte Hingis wenig später für zwei Jahre.

Hingis setzte aufs Pferd. Sie wollte im Dezember 2007 beim CSI in Barcelona starten. Noch hatte die ITF das Verfahren nicht eingeleitet, Hingis hätte reiten und auch Tennis spielen dürfen. Wegen des zu erwartenden grossen Rummels verzichtete Hingis allerdings auf Barcelona. Dafür kaufte sie Ende des Jahres mit ihrem damaligen Freund, dem Ölmilliardär Alexander Onischenko, bei einer Auktion des Deutschen Paul Schockemöhle für rund 400000 Franken das Nachwuchspferd «Kolobri’s Perle.» Inzwischen ist die Liaison mit dem Russen zu Ende, die Fuchsstute ist nicht im Besitz der Schweizerin.

Bis zu ihrem 29. Geburtstag am 30. September 2009 legte die ITF wenig später die Dopingsünderin auf Eis. Offiziell gesperrt durfte sie nun auch keine andere Sportart mehr ausüben, ja nicht einmal die grossen Tennisturniere wie Wimbledon besuchen oder als Kommentatorin arbeiten. Hart seien diese Jahre gewesen, sagte sie in Interviews nach Ablauf der Sperre.

Doch nun ist sie im Sport zurück, wenn auch auf einer bescheidenen Bühne. In Wängi, Rüti und Müntschemier startete sie im vergangenen Jahr und dazu auch in Paris. Seit dem ersten November hat sie die internationale Lizenz für Erwachsene. Mit einem Trainer der ganz grossen Klasse will sie sich weiter nach oben schaffen. Rodrigo Pessoa, brasilianischer Olympiasieger 2004, soll ihr den notwendigen Schliff verpassen. In Paris lief das nicht ganz so toll, Hingis verlor die Kontrolle über ihr Pferd, rutschte zu Boden, verletzte sich dabei aber nicht. «Das ist wirklich eine Freude, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Ob ich diese Disziplin in Zukunft forciere, kann ich noch nicht sagen. Ich bin sicher nicht bereit, gleich viele Opfer zu bringen wie bei meiner früheren Tenniskarriere», sagte Hingis nach dem Springen einem französischen Internetportal.

Drei Pferde sind momentan auf Martina Hingis eingetragen: Wallach «Draconi» sowie die Stuten «Ragana II» und «Whisky’s Bon Ami». Gute Pferde, heisst es in Reiterkreisen, doch Martina Hingis sei keine Spitzenreiterin. Und das betont sie selbst: «Eine wirklich gute Reiterin werde ich nie», sagte sie vor einem halben Jahr im Interview mit der «Schweizer Illustrierten».

Spass wolle sie haben, ihre Grenzen ausloten. Aber sie sei mit dem Racket aufgewachsen, nicht mit den Pferden wie ein Steve Guerdat. Und so misst sie sich in Basel auch nicht mit den Stars der Szene, sondern Nachwuchsreitern wie Kevin Melliger.