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Martin Fuchs hat die Reiter-Gene seiner Eltern im Blut

Der 21-Jährige ist eines der grössten Schweizer Talente und muss sich nun bewähren. Sein Vater Thomas ist Olympiasieger und Mutter Renata Schweizermeisterin.

Michael Wehrle
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Martin Fuchs auf Mighty de Riverland beim Eröffnungsspringen.

Martin Fuchs auf Mighty de Riverland beim Eröffnungsspringen.

Keystone

Zwei Skikinder zeigen, was die guten Gene wert sind. Felix Neureuther, Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, sowie Tina Weirather, Tochter von Hanni Wenzel und Harti Weirather. Die Kinder der mehrfachen Olympiasieger, Weltmeister und Weltcupsieger mischen wie schon die Eltern im Weltcupzirkus ganz an der Spitze mit.

Die Schweizer Reitsportfans hoffen, dass bei Martin Fuchs die Gene von Thomas und Renata durchschlagen. Der 21-Jährige gilt als eines der grössten Talente im Lande und hat seine Fähigkeiten schon bewiesen. Bei den Jungen Reitern, der Nachwuchskategorie, war er Europameister im Einzel und mit dem Team.

Doch die Zeiten im Nachwuchs sind Geschichte. Martin Fuchs muss sich nun bei der Elite bewähren. «Er hat die Gene im Blut, das Reiten wurde ihm in die Wiege gelegt», sagt der Equipenchef Urs Grünig. Vater Thomas ist dreifacher Europameister, Mutter Renata Schweizer Meisterin, heute fährt sie Trabrennen und Onkel Markus gewann unter anderem Olympiasilber. In Bietenholz betreibt Familie Fuchs einen Handelsstall, der Junior mischt auch schon mit.

Das Umfeld stimmt

«Er ist sehr talentiert, mit einem gesunden Ehrgeiz, locker, gar nicht verbissen», sagt Grünig: «Eine grosse Stärke ist sein Umfeld.» Martin werde perfekt betreut und trainiert. Dazu komme eine sehr umsichtige Planung. Martin startete im vergangenen Jahr noch oft bei den Jungen Reitern, obwohl er schon bei den Profis erfolgreich mitmischte. «Bei den Europameisterschaften sammelte er so viele Erfahrungen, zeigte, wie sehr er sich auf einen Anlass fokussieren kann», erklärt Grünig.

Erfahrungen sammle er auch im heimischen Stall, er reite immer wieder andere Pferde.

Immer wieder andere Pferde, das ist aber auch eine Krux, mit der Martin Fuchs leben muss. «Das Geschäft gehört dazu», sagt Thomas, die Familie lebe vom Pferdehandel. Das hat Martin längst verinnerlicht. «Zuletzt hatten wir allerdings ein paar richtige Verluste», sagt Thomas. Da bluten Reiter und Trainer das Herz, doch der Geschäftsmann strahlt.

Arjo und Cassis gingen in die USA. «Ein Superpferd für den grossen Sport und ein Hoffnungsträger im Stall», beschreibt sie Martin. Verkauft ist auch Con Dios, mit dem er im vergangenen Jahr den Grand Prix in München gewann: «Ein absolutes Ausnahmepferd, er war mein Anwärter für Olympia 2016. Jetzt setzt er auf Conte, der am Montag kastriert wurde. «In drei Monaten sollte er wieder an Turniere gehen», so Thomas. Das reiche prinzipiell für die Weltmeisterschaft Ende August. Doch die sei ein sehr ambitioniertes Ziel.

Grosse Zukunft

Das findet auch Grünig. Es gelte abzuwarten, wie sich Martin entwickle: «Bis jetzt konnte er locker den Sonnyboy spielen.» Martin werde gut vermarktet, mache das aber auch gut: «Ich denke, die Schweiz kann in Zukunft auf ihn zählen.»

«Anständig, ehrgeizig, fair zu den Pferden und ein absoluter Teamplayer», beschreibt Renata den Sohn, der demnächst eine eigene Wohnung mit seiner finnischen Freundin Anna-Julia Kontio bezieht. Auch den notwendigen Fleiss bringe er mit. Im Moment absolviert Martin die Sport-RS in Magglingen. «Da trainiert er viel für die Fitness, lernt einiges drüber ebenso über Ernährung und Medienarbeit», erzählt die Mutter.

Das Training mit den Pferden leitet der Vater. «Die Grundlagen beherrscht er, es geht darum Abwechslung reinzubringen», erklärt er. Steve Guerdat, den er auch trainiere, habe er beispielsweise im Trab springen lassen, weil der Olympiasieger das gar nicht liebe. Von dem profitiert Martin Fuchs am meisten während der Turniere. Dann gibt der Ältere, der auch Vorbild und Trainingspartner im Fitnesscenter ist Ratschläge. Die halfen gestern. Martin Fuchs landete zunächst auf dem zweiten Platz, im GP wurde er Dritter.