Martin Andermatt
Martin Andermatt: Der Neue zieht die Zügel an

Der FC Aarau reagiert auf den schlechten Saisonstart und entlässt Chefcoach Jeff Saibene. Anstelle des Luxemburgers solls jetzt Martin Andermatt richten.

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Ein teurer Spass Ob der FC Aarau mit dem neuen Trainer Martin Andermatt sportlich den Turnaround schafft, wird sich in den nächsten drei Wochen zeigen. Dem Tabellenletzten der Super League helfen in der Krise nur noch Siege weiter. Und zwar sowohl im Cup-Sechzehntelfinal gegen den Challenge-League-Klub FC Biel als auch in den Heimspielen der Meisterschaft gegen Bellinzona und Sion. Verlieren die Aarauer nach dem miserablen Saisonstart aber weiter, wird der Trainerwechsel schnell zu einem Rohrkrepierer. Eines ist jetzt schon klar: In finanzieller Hinsicht gehen die Vereinsverantwortlichen wieder einmal an ihre Grenzen, ja vielleicht sogar darüber hinaus. Weil die Aarauer im Frühling mit Jeff Saibene einen Zweijahresvertrag abgeschlossen haben, müssen sie dem Luxemburger in den nächsten 18 Monaten weiterhin den Lohn zahlen. Die ausstehenden Saläre für Saibene belaufen sich auf rund 230 000 Franken. Die Trainerentlassung von Saibene ist aber nur ein Aspekt. Schwer wiegt die verfehlte Transferpolitik im Frühling dieses Jahres. Die Abgänge von Teamstützen wie Frédéric Page, Paulo Menezes, Mario Mutsch, Kristian Nushi, Rogerio und Cristian Ianu wurden bei weitem nicht kompensiert. Und die Notnagel-Transfers von Sergei Alexejew und Artur Ionita vor und von Francis Kioyo und Toni Lehtinen während der Saison zeugen von mangelndem Fussballsachverstand in der Führungsetage. Der FC Aarau hat zuletzt nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielfeld krasse Fehler gemacht. Fehler, die wohl verheerende Folgen haben. Schafft Martin Andermatt kein Wunder, dürfte die 29. Saison in Folge in der höchsten Spielklasse die letzte sein. ruedi.kuhn@azag.ch

Ein teurer Spass Ob der FC Aarau mit dem neuen Trainer Martin Andermatt sportlich den Turnaround schafft, wird sich in den nächsten drei Wochen zeigen. Dem Tabellenletzten der Super League helfen in der Krise nur noch Siege weiter. Und zwar sowohl im Cup-Sechzehntelfinal gegen den Challenge-League-Klub FC Biel als auch in den Heimspielen der Meisterschaft gegen Bellinzona und Sion. Verlieren die Aarauer nach dem miserablen Saisonstart aber weiter, wird der Trainerwechsel schnell zu einem Rohrkrepierer. Eines ist jetzt schon klar: In finanzieller Hinsicht gehen die Vereinsverantwortlichen wieder einmal an ihre Grenzen, ja vielleicht sogar darüber hinaus. Weil die Aarauer im Frühling mit Jeff Saibene einen Zweijahresvertrag abgeschlossen haben, müssen sie dem Luxemburger in den nächsten 18 Monaten weiterhin den Lohn zahlen. Die ausstehenden Saläre für Saibene belaufen sich auf rund 230 000 Franken. Die Trainerentlassung von Saibene ist aber nur ein Aspekt. Schwer wiegt die verfehlte Transferpolitik im Frühling dieses Jahres. Die Abgänge von Teamstützen wie Frédéric Page, Paulo Menezes, Mario Mutsch, Kristian Nushi, Rogerio und Cristian Ianu wurden bei weitem nicht kompensiert. Und die Notnagel-Transfers von Sergei Alexejew und Artur Ionita vor und von Francis Kioyo und Toni Lehtinen während der Saison zeugen von mangelndem Fussballsachverstand in der Führungsetage. Der FC Aarau hat zuletzt nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielfeld krasse Fehler gemacht. Fehler, die wohl verheerende Folgen haben. Schafft Martin Andermatt kein Wunder, dürfte die 29. Saison in Folge in der höchsten Spielklasse die letzte sein. ruedi.kuhn@azag.ch

Ruedi Kuhn

Sonntag, 20.30 Uhr: Die mehrstündige Sitzung des Verwaltungsrats der FC Aarau AG ist zu Ende. Nun ist die Katze aus dem Sack. Der neue Trainer heisst nicht Hanspeter Zaugg, er heisst auch nicht Hanspeter Latour, nein, der neue Trainer heisst Martin Andermatt. Flugs greift der Aarauer Präsident Alfred Schmid zum Handy und teilt dem 47-Jährigen aus Hünenberg den einstimmigen Beschluss der Klubverantwortlichen mit.

Ein konkretes Ziel

Andermatt nimmt die Wahl an und freut sich auf die Herausforderung. «Und zwar deshalb», so der Zuger, «weil es bei Aarau in dieser Saison ein konkretes Ziel gibt: Dieses Ziel heisst Ligaerhalt.»
Für Andermatt ist das Motto der nächsten Wochen und Monaten also klar: Top oder Flop. Weil der gelernte Grundschullehrer ein akribischer Arbeiter ist, macht er sich Minuten nach dem Jawort zum FC Aarau bereits erste Gedanken über die neue Aufgabe. Kurz vor Mitternacht geht er zu Bett.

Zur Person

martin andermatt Geboren: 21. November 1961. - Wohnort: Hünenberg ZG. - Zivilstand: Verheiratet, 2 Söhne, 1 Tochter. - Karriere als Spieler: SC Zug, Baar, Emmenbrücke, Wettingen, GC, Basel. - Länderspiele: 11. - Karriere als Trainer: Emmenbrücke, Winterthur, Baden, Ulm, Eintracht Frankfurt, Wil, Vaduz, Liechtenstein, YB.

Nach knapp sieben Stunden Schlaf ist um 6.30 Uhr Tagwache. Es folgt die Fahrt ins Aarauer Brügglifeld. Kurz nach 9 Uhr hält er vor versammelter Mannschaft eine Ansprache. Andermatt macht den Spielern klar, dass er in Zukunft keine Halbheiten duldet. Wer nicht spurt, der fliegt. Kein Zweifel; der Neue wird die Zügel in den nächsten Tagen anziehen. Nach dem mit 4:2 gewonnenen Testspiel gegen Wohlen gestern Abend stehen heute und morgen jeweils zwei Trainingseinheiten auf dem Programm.

«Ich weiss, was ich will»

«Ich weiss, was ich will. Sentimentalitäten», so Andermatt, «lasse ich auf der Seite. Die Spieler sind sicherlich besser als ihr derzeitiger Ruf, müssen aber endlich bereit sein, an ihre Leistungsgrenzen zu gehen. Wenn nicht, dann werde ich konsequent durchgreifen.» Während der Medienkonferenz am Nachmittag wirkt Andermatt selbstbewusst und sprüht vor Tatendrang. Die Vergangenheit interessiert nicht. Was zählt, ist das Cupspiel in Biel. Andermatt spricht von einer riesigen Motivation und von der Lust, den FC Aarau aus der Krise zu holen.

Fachlich: Das grosse Los

Was die fachlichen Qualitäten betrifft, hat der FC Aarau mit Andermatt das grosse Los gezogen. Der Mann hat einerseits die Trainer-Uefa-Pro-Lizenz in der Tasche, anderseits reiste er nach der Entlassung bei YB im August des vergangenen Jahres immer wieder ins Ausland. Bezüglich Trainerausbildung war er für den Weltfussballverband Fifa in Russland, Israel, Malta und Burundi tätig. Na also. In Burundi hat er sicherlich gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Ob in Afrika oder beim FC Aarau, ist schliesslich auch egal; Andermatt muss aus einem Häuflein verunsicherter Berufsfussballer Siegertypen machen. Und zwar so schnell wie möglich.

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