Volleyball
Linienrichter darf nicht an die Volleyball-EM, weil er zu «dick» ist

Linienrichter Dominik Gremaud darf nicht zur Volleyball-Europameisterschaft, weil er zu schwer ist. Die Kommission begründet dies mit dem Gesundheitsrisiko und befürchtet, dass korpulente Offizielle bei Spielern und Trainern nicht akzeptiert würden.

Michael Wehrle
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Ein Problem: Dominik Gremaud als Linienrichter beim Volleyball. Ho

Ein Problem: Dominik Gremaud als Linienrichter beim Volleyball. Ho

Mit einer Gazelle wird niemand Dominik Gremaud vergleichen. Der Gerlafinger erinnert eher an einen Schwinger, an einen starken Schwinger. Gremaud weist fast dieselben Masse auf wie Christian Stucki. 140 Kilogramm, verteilt auf 1,96 Meter, bringt Gremaud auf die Waage, der 150 Kilogramm schwere Stucki ist zwei Zentimeter grösser. Stucki gilt als Spitzensportler. Gremaud dagegen darf bei der Volleyball-Europameisterschaft der Frauen nicht einmal als Linienrichter das Fähnlein schwenken.

Vor drei Jahren kam Gremaud auf den Geschmack. Über seine Freundin Monika Lehmann, eine Schiedsrichterin, fragte der TV Schönenwerd an, ob er nicht Linienrichter werden wolle. Die musste der Klub als NLA-Aufsteiger stellen. Der ehemalige Drittliga-Fussballer Gremaud sagte zu, stand seither in der NLA und im Europacup mit der Fahne an der Linie.

Aus bei BMI über 30

Zwei Jahre lang wurde er beurteilt und Mitte Februar als Linienrichter für die Europameisterschaft nominiert. Am 22. Juli kam dann das Aus. «Aufgrund der angegebenen Werte (BMI/Bauchumfang) ist eine Nomination von Herrn Dominik Gremaud ausgeschlossen», stand im Mail.

Dominik Gremaud: Für den Volleball-Verband zu «schwer».
7 Bilder
Schaut genau hin: Linienrichter Domink Gremaud.
Linienrichter Domink Gemaud (hinten) bei seiner Tätigkeit, als er sie noch ausübern mochte.
Kein Problem: Übergewichtiger Linienrichter beim Grand-Slam-Tennisturnier von Wimbledon. Imago
In Wimbledon kein Problem: Linienrichter im Einsatz am bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt
Und auch dieser Herr hier, der in Wmbledon tätig ist, wäre für die Volleyballer war zu schwer.
Ein Problem: Dominik Gremaud als Linienrichter beim Volleyball. Ho

Dominik Gremaud: Für den Volleball-Verband zu «schwer».

Annika Bütschi

Der internationale Volleyball-Verband CEV hatte am 1. Juli beschlossen, dass Linienrichter gewisse Gesundheitsanforderungen erfüllen müssen. Unter anderen darf der Bauchumfang bei Männern nicht mehr als 102 Zentimeter betragen und der Body-Mass-Index (BMI) nicht höher als 30 sein. Ideal gilt ein BMI zwischen 20 und 25. Gremaud kommt auf 36,4, Stucki auf 38,3. Für einen «normalen» BMI dürfte Gremaud höchstens 96 Kilogramm wiegen. Inzwischen ist die Aussagekraft des BMI allerdings höchst umstritten.

Gremaud ist bitter enttäuscht: «Ich trete als Linienrichter zurück und schaue mir kein Match live an», sagt der 38-Jährige. Der Lehrlingsausbilder bleibt aber dem Volleyball treu und wird Assistenztrainer in der 2. Liga und bei den Junioren.

«Ein Kommunikationsproblem»

Der Schweizer Jan Rek ist Präsident der Schiedsrichterkommission im CEV. «Ich verstehe die Enttäuschung und sicher ist das auch ein Kommunikationsproblem», gibt er zu. Doch habe der CEV nun mal diese medizinischen Anforderungen beschlossen. Zum einen sei wissenschaftlich erwiesen, dass bei Übergewicht ein Gesundheitsrisiko bestehe und der Stress zunehme. Andererseits hätten Untersuchungen auch gezeigt, dass die Akzeptanz bei Spielern und Trainern abnehme, wenn bei Offiziellen die physische Konstitution nicht gut sei.

Das gelte nicht nur für Linienrichter. «Es wurden auch schon Schiedsrichter nach Hause geschickt, die den Anforderungen nicht entsprachen», erinnert sich Rek. Nach einer ersten Enttäuschung hätten aber viele reagiert und an sich gearbeitet. «Sie haben mir dann bestätigt, dass dieser Ausschluss für sie ein wichtiger Ansporn gewesen ist, etwas zu ändern und sie sich positiv entwickelt hätten», verteidigt Rek den Ausschluss von Gremaud.

«Konzentration ist im Volleyball sehr wichtig und wer nicht fit ist, kann sich nicht so lange konzentrieren wie ein anderer», findet Rek die Vorgabe richtig. «Wir müssen ja nicht alles Schlechte übernehmen», kommentiert er schmunzelnd, dass beispielsweise im Tennis eine solche Regel nicht existiert und beim wichtigsten Turnier der Welt, in Wimbledon, auch sehr dicke Frauen und Männer die Linien überwachen.

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