Langenthal

Für den NLB-Eishockeyklub SC Langenthal hat das frühe Playoff-Ausscheiden finanzielle Konsequenzen: Der Klub wird ein Defizit von etwa 400 000 Franken ausweisen, wie am zweiten Fän-Höck bekannt wurde. Auch die Nachwuchsabteilung kämpft mit finanziellen Problemen.

Der SC Langenthal unternimmt alles, um seine Fans wieder versöhnlich zu stimmen. So hat er 14 Tage nach dem vorzeitigen Ausscheiden aus den NLB-Viertelfinal-Playoffs (gegen La Chaux-de-Fonds) seine Anhänger zum zweiten Fan-Höck in dieser Saison eingeladen, um ihnen eine Bilanz aus seiner Sicht zu präsentieren. Waren zum ersten Fan-Höck in Schoren noch rund 150 Personen erschienen, war das Gedränge am Donnerstagabend in der «Alten Mühle» nicht gar so gross. Aber dennoch: Etwa 60 SCL-Fans wollten sich nicht entgehen lassen, was Geschäftsleitung, Trainer und Verwaltungsrat zur abgelaufenen Saison zu sagen hatten.

Kernaktionäre decken Defizit erneut

Was die Fans zu hören bekamen, war jedoch nicht gerade erfreulich. Das vorzeitige Playoff-Aus hat Spuren hinterlassen. Nachdem der NLB-Klub bereits im Herbst erfolgreich eine Sanierung durchgeführt und Schulden von einer Million Franken getilgt hat, hat sich bereits wieder ein Schuldenberg in der Höhe von etwa 400 000 Franken angehäuft.

Trotz der erneuten Schuldenlast konnte Stephan Anliker, Verwaltungsratspräsident der SC Langenthal AG, die anwesenden Fans beruhigen: «Wir wollen mit unseren Finanzen reinen Tisch machen. Deshalb werden die Kernaktionäre dieses Defizit auf die nächste Saison hin übernehmen, damit wir bei null beginnen können», bemerkte der 52-jährige Unternehmer.

Aber auch die Nachwuchsabteilung ist finanziell angeschlagen: Der gesamte Nachwuchs kostet den Verein SC Langenthal mittlerweile über 500 000 Franken pro Jahr. Am meisten Sorgen bereiten dem Nachwuchs die horrenden Eiskosten, betonte Thomas Grütter, Präsident des Vereins SC Langenthal. Deshalb werde man das Gespräch mit der Kunsteisbahn und der Stadt Langenthal suchen.

Nicht alles war schlecht

Daneben hat der zweite Fan-Höck keine neuen Erkenntnisse zur abgelaufenen Saison gebracht. Bei etlichen Fans sitzt der Frust über die mageren sportlichen Leistungen, aber vor allem die Turbulenzen neben dem Eis (zahlreiche Spielerwechsel, Suspendierungen von Spielern, enttäuschende Ausländer) noch immer tief. In der Kritik stand vor allem Trainer Kevin Ryan, der teilweise gehörig zur «Kasse» gebeten wurde.

«Er hat die Spieler zu dem gemacht, was sie auf dem Eis gezeigt haben. Meiner Meinung nach ist Kevin Ryan nicht fähig, ein NLB-Team zu führen und zu coachen», qualifizierte beispielsweise Peter Wintenberger, Sportchef während der letzten NLB-Zeit des SC Langenthal (1974-85), den Kanadier ab. Der fehlende Einbau eigener Nachwuchsspieler, aber auch die Tatsache, dass man letzte Saison zu wenig Spiele gesehen habe, die Begeisterung auf den Rängen erzeugt hätten, wurden weiter bemängelt.

Bei der Saisonanalyse von Seiten des SC Langenthal stimmte man in diversen Punkten mit den Fans überein (zu viele emotionslose Spiele, schwache Ausländer), machte für die grosse Unruhe rund um das Team aber auch die Medien, «mit ihrer zum Teil negativen Berichterstattung» (Zitat Kämpf) verantwortlich.

Ziele realistischer formulieren

Aber längst nicht alles, was sich letzte Saison ereignet hat, gehört in die Kategorie «schlecht gelaufen». Die Rückkehr zur Normalorganisation hat sich bewährt und als Gewinn für den Klub erwiesen. «Die Strukturen auf der Geschäftsstelle bilden eine solide Basis für die Zukunft. Im Vergleich zu den Vorjahren haben wir nun unsere Finanzen im Griff und wissen jederzeit, wo wir stehen», hielt Stephan Anliker fest.

Zahlreiche Aktionen im Fanbereich (verbilligte Car-Fahrten zu den Auswärtsspielen, Fän-Höcks, Saisoneröffnungsparty, Eröffnung der Meex-Lounge in Schoren, wo sich nach den Spielen Fans und Spieler treffen) haben zudem dafür gesorgt, dass der SCL näher an die Fans gerückt ist und damit auch ein Stück Goodwill geschaffen hat. Die wichtigste Erkenntnis aus der letzten Saison ist jedoch gemäss den Verantwortlichen des SC Langenthal, dass man gemerkt habe, dass man in Zukunft seine Ziele und Vorstellungen realistischer formulieren müsse und gegen aussen vielleicht auch eine Spur bescheidener auftreten sollte. (mz/war/aen)

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