Lance Armstrong

Lance Armstrong ist ein Mann der ehrgeizigen Töne. Schon wieder.

Es kann nur einen geben: Alphatier Lance Armstrong hat grosse Pläne - mit sich selbst.

Lance Armstrong

Es kann nur einen geben: Alphatier Lance Armstrong hat grosse Pläne - mit sich selbst.

Bei der Tour de France ist Ruhetag, doch Lance Armstrong macht trotzdem ordentlich Wirbel: Der US-Amerikaner redet vom Gesamtsieg und kündigt seine wahrscheinliche Teilnahme im kommenden Jahr an. Das sorgt bei Astana für Unruhe.

Wenn mir einer den dritten Platz in Paris anbieten würde, würde ich das nicht annehmen", sagte Armstrong. Nach neun Etappen liegt der Astana-Profi auf Platz drei der Gesamtwertung, sein Rückstand auf das Gelbe Trikot beträgt acht Sekunden. Davon lässt sich der 37-Jährige nicht aus der Ruhe bringen: "Ich bin ganz relaxed. 75 Prozent der Tour bleiben uns noch", so Armstrong.

Auf der siebten Etappe war er von seinem Teamkollegen Alberto Contador düpiert worden, 21 Sekunden nahm der Spanier dem siebenmaligen Toursieger ab - das scheint nun vergessen. Armstrong nutzte den Ruhetag in Limoges, um seinen Kampfgeist zu finden. "Ich bin erstmals in meiner Karriere Giro und Tour gefahren. Ich war ein bisschen müde. Aber ich setze auf die letzte Woche. Es kommen noch sechs schwierige Tage zwischen Colmar und dem Mont Ventoux. Das ist mein Plan", so Armstrong.

Eigene Schwächen wollte er nicht eingestehen. In Andorra sei Contador stark gewesen, aber er hätte auch folgen können. "Ich habe da auf die anderen Fahrer gewartet, aber von denen ist nichts gekommen", sagte Armstrong. Er wollte die Leistung Contadors nicht überbewerten. Es sei in den Pyrenäen ja auch gar nichts passiert. Es habe lediglich eine Vorselektion gegeben.

In der Gesamtwertung führt der Italiener Rinaldo Nocentini vom Team AG2R vor Contador (sechs Sekunden zurück) und Armstrong - die grössßte Aufmerksamkeit ruft jedoch ohne Zweifel der US-Amerikaner hervor.

Auch am Ruhetag wurde es rund um das Astana-Hotel laut. Hunderte Fans und über ein Dutzend Kamerateams belagerten Armstrong, der genervte Contador konnte dagegen fast unbehelligt auf sein Rennrad steigen. So war es auch auf dem Transfer via Flugzeug von Tarbes nach Limoges. Armstrong nahm ganz vorne Platz, für Contador blieb nur Reihe 18.

"Ich habe das Thema satt. Wir sind nicht die besten Freunde. Wir essen zusammen und fahren gemeinsam im Bus. Die Atmosphäre war schon mal besser. Es sollten alle ruhig bleiben. Das wäre besser für das Team", sagte Contador. Lange muss sich der 26 Jahre alte Kletterkönig das aber wohl nicht mehr antun.

Armstrong hat zwar angekündigt, "vielleicht noch eine Tour" dranzuhängen - doch es gilt inzwischen als sicher, dass er seine Zukunft nicht bei Astana sieht. Es scheint viel wahrscheinlicher, dass er gemeinsam mit Teamchef Johan Bruyneel ein neues Team aufbauen will. "Ich arbeite daran, Partner für mehrere Saisons zu finden", sagte Armstrong. Im Gespräch ist eine Zusammenarbeit mit dem Sportartikelhersteller Nike und seiner Krebsstiftung Livestrong.

Die Chancen auf einen Toursieg werden aber 2010 kaum steigen, deshalb setzt Armstrong alles dran, in diesem Jahr auf den Thron zurückzukehren. Für Columbia-Profi Tony Martin ist das Duell offen: "Beide fahren in etwa auf einem Niveau. Alberto ist am Berg stärker, dafür hat Armstrong vielleicht im Zeitfahren Vorteile."

Milram-Kapitän Linus Gerdemann glaubt dagegen nicht an einen achten Toursieg Armstrongs. "Für mich ist Contador der Favorit. Man hat am Berg gesehen, dass Armstrong nicht übermenschlich ist. Er hat gelitten. Bei Contador sieht das leichtfüssiger aus."

(Spiegel/dpa)

Meistgesehen

Artboard 1