Flugplatz
Kunstflug Schweizer Meisterschaft: Das Fricktal aus der Vogelperspektive

Selbst erlebt: Bei meinem ersten Flug mit einer Piper L4, einem 66 Jahre alten Oldtimer-Flugzeug, konnte ich selber das Steuer übernehmen. Reporterin Lilly-Anne Brugger nimmt Sie mit beim Flug über das Fricktal.

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Lilly-Anne Brugger

«Siehst du, jetzt sind wir schon in der Luft!», sagt Daniel Rüetschi, ehemaliger Flugplatzpräsident und Pressedelegierter der Kunstflug-Schweizer-Meisterschaft. Er sitzt hinter mir und hat gerade die knallgelbe Piper L4 über die Startbahn des Flugplatzes Schupfart gesteuert. Ich schaue nach unten: Das Flugzeug hat sich vom Boden gelöst, ohne diesen Achterbahn-Effekt in der Magengegend, den man von den grossen Passagiermaschinen beim Start kennt. Gleich nach dem Start legt Daniel das Flugzeug in eine Rechtskurve.

Ich schaue nach unten und versuche mich zu orientieren. Hier ist ein Bauernhof, da ein Dorf – aber welches? Das Fricktal sieht aus der Vogelperspektive ungewohnt aus. «Das Fricktal hat schon eine schöne Landschaft», meint Daniel und beginnt mit der Fremdenführung. «Schau, da unten ist Gipf-Oberfrick und dort siehst du das Schwimmbad von Frick.» Nach einer weiteren Kurve fliegen wir die Autobahn entlang an Hornussen und Effingen vorbei.

iCH BIN ganz froh, dass Daniel jetzt das Steuer in der Hand hat. Denn vor dem Start sass ich alleine im Cockpit und Daniel hat den Motor gestartet. Dazu musste er den Propeller drehen. Einmal, zweimal, dreimal. «Stehst du auch fest auf den Bremspedalen?», fragte er während einer kurzen Pause. «Jaja», meinte ich und drückte mit meinem ganzen Körpergewicht auf die kleinen Pedale, die vor mir auf dem Boden angebracht sind. Ich wagte es mir gar nicht vorzustellen, was passieren würde, wenn ich die Bremsen nicht richtig drückte. Doch dann sprang der Motor an, Daniel stieg ein und ich konnte endlich die Bremspedale loslassen.

Langsam steuert Daniel das Flugzeug zum Ende der Startbahn. Wir rollen an zahlreichen Motorflugzeugen vorbei, die an der Kunstflug-Schweizer- Meisterschaft teilnehmen. Da und dort steht ein Pilot, der in Gedanken nochmals sein Programm durchgeht. Daneben die Jury, den Kopf nach oben gerichtet. Ein Teilnehmer der Schweizer Meisterschaft führt Kunststücke vor. Einer der Helfer lacht und winkt Daniel zu. Der Winkende ist mit 72 Jahren das älteste Klubmitglied, das noch immer selber fliegt. Alle zwei Jahre muss jeder Pilot ein ärztliches Flugfähigkeits-Attest einholen. Ich bin bei Daniel also in guten Händen – und wenn nicht, jetzt wäre es sowieso zu spät zum Aussteigen.

Es ist ganz schön windig in der gelben Piper L4. Zuerst fliegen wir mit offenem Cockpit und der Wind zerrt an unseren Jacken. Mit der Zeit wird es kalt und gemeinsam schliessen wir das rechte Seitenfenster – per Hand. An der Piper mit Jahrgang 1944 ist noch fast alles originalgetreu. Nur der Höhenmesser und die Anzeige der Motorendrehzahl sind nachträglich eingebaut worden. «Willst du mal fliegen?», fragt Daniel. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen – auch wenn sich in der Magengegend ein mulmiges Gefühl bemerkbar macht. Beherzt packe ich den Steuerknüppel. «Merk dir ein Ziel am Horizont, zum Beispiel den See», rät mir Daniel. Über die Benzinanzeige, die wie ein kleines Fähnchen in meinem Blickfeld liegt, peile ich den Hallwilersee an.

«Mach mal eine 360-Grad-Drehung», weist mich Daniel an. Gesagt, getan. Ich lege den Steuerknüppel nach rechts und das Flugzeug legt sich in die Kurve. Langsam, aber stetig drehe ich einen Kreis um den Kamin der Zementfabrik in Wildegg. Dann ist der See wieder in meinem Blickfeld. «Geh runter auf etwa 3000 Fuss», ist seine nächste Anweisung. Das sind rund 500 Meter über dem Boden. «Du musst eine minimale Höhe von 150 Metern einhalten, über Ortschaften mindestens 300 Meter», erklärt Daniel. Doch für ihn ist klar, dass er, wenn möglich, nicht direkt über Ortschaften fliegt. «Diesen Lärm muss ich den Einwohnern ja nicht zumuten.»

In der Zwischenzeit sind wir beim Hallwilersee angekommen und ich übergebe das Steuer wieder an Daniel. Denn eigentlich sollte ich noch das eine oder andere Foto machen – vor lauter Aufregung habe ich das bis jetzt ganz vergessen. Doch schon bald darf ich das Steuer wieder übernehmen. Ich soll nach Schupfart zurückfliegen. Kein Problem – doch wo genau liegt Schupfart? Ich sehe die Aare, das Schloss Lenzburg und da, links, die Hochhäuser im Aarauer Telli-Quartier. Also müsste Schupfart wohl hinter jener bewaldeten Hügelkette liegen. Der Rückflug geht an Thalheim vorbei über die Staffelegg und vorbei an Ueken. Ich umfliege Gipf-Oberfrick und dann ist auf dem Hochplateau schon der Flugplatz von Schupfart zu sehen. «Übernimmst du wieder?» frage ich Daniel. «Ich dachte, du macht auch gleich die Landung», meint er im Scherz. Ich bin aber ganz froh, dass er nun wieder das Flugzeug führt und sicher auf der Graspiste von Schupfart aufsetzt. Das war die 28289. Landung der gelben Piper. Und meine erste.

www.flugplatz-fricktal.ch

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