Ruedi Burkart

Kurz war sie, die Nacht nach dem sensationellen Erfolg. Nicht, dass die Schweizer in Nigeria stundenlang um die Häuser gezogen wären. «Nein, nein», schmunzelt Oliver Buff ein wenig verschlafen, «wo denken Sie auch hin! Nach dem Spiel fuhren wir zurück in unser Hotel. Dort wurde es dann ziemlich spät.» Oder früh, je nach Sichtweise. Erst gestern Morgen um 8 Uhr war Zapfenstreich. Vier Stunden später wurde gefrühstückt, um 13 Uhr begannen die beiden Medienstunden, in welchen die Spieler für Auskünfte zur Verfügung standen.

Was ging denn nun ab im Hotel? «Wir wurden herzlich empfangen. In einem Raum wurde eine Bar eingerichtet. Es gab Getränke, Kuchen - sehr gemütlich.» Natürlich liess es sich Fifa-Boss Sepp Blatter nicht nehmen, zur vorgerückten Stunde den jungen Schweizern auch im Hotel persönlich zu gratulieren. Schliesslich zogen sich die Spieler in ihre Zimmer zurück und liessen den Final noch einmal Revue passieren. «Es war schon verrückt. Irgendwie unglaublich», so Buff.

Heute Vormittag treffen die Weltmeister in Kloten ein und werden dann gleich in ein Hotel gefahren, wo um 9.30 Uhr eine Pressekonferenz abgehalten wird. Und dann? Wie gehts im Leben von Oliver Buff weiter? «Genaues werde ich noch erfahren», so der Spieler des FC Zürich. Ob er in den beiden 1.-Liga-Partien vor der Winterpause in der U21-Equipe der Zürcher noch zum Einsatz kommt oder nicht, wird sich weisen. Klar ist jedoch, dass Buff ab kommendem Freitag wieder die Schulbank drücken wird.

Klar ist auch, dass der junge Fussballer auf dem Boden bleiben soll. «Oliver wird das KV abschliessen», so Mutter Claudia. Das wird in zweieinhalb Jahren der Fall sein. «Dann sehen wir weiter. Dann ist er volljährig und kann selbst entscheiden.» Anders, als man es hätte vermuten können, meldeten sich in den vergangenen Tagen keine Spielervermittler in Geroldswil. «Nein, da war nichts», so Claudia Buff, «Oliver wird schon von jemandem beraten.»

An den grandiosen Final-Abend von vorgestern hat Claudia Buff natürlich nur gute Erinnerungen. Tochter Fabiola war zwar nicht zu Hause, sonst jedoch war Hochstimmung angesagt. Nach Spielschluss kam die Schwester ihres Mannes mit einer Flasche «Schämpis» vorbei und gemeinsam liess man die U17-Nationalmannschaft hoch leben. «Leider klappte es mit der Handyverbindung nicht», so Claudia Buff, «es war an diesem Abend wohl das gesamte Telefonnetz in Nigeria zusammengebrochen.»

Bei Oliver Buffs Stammklub, dem FC Oetwil-Geroldswil, weiss man noch nicht, wie man den berühmtesten «Sohn» des Vereins ehren will. «Wir warten mal ab, bis sich die allgemeine Aufregung ein wenig gelegt hat», so Klubpräsident Patrick Schaffter.

Ähnlich tönte es gestern Nachmittag auf Anfrage bei Ursula Hofstetter, der Präsidentin von Oliver Buffs Wohngemeinde Geroldswil. «Wir werden an der heutigen Gemeinderatssitzung (gestern, Anm. d. Red.) darüber diskutieren.» Allenfalls werde man mit dem Fussballklub in dieser Sache zusammenspannen.

Dass die wenigsten der aktuellen U17-Nationalmannschaft eine grosse Karriere als Fussballer vor sich haben, ist sich auch Oliver Buff bewusst. Als Beispiel sei der sportliche Werdegang von Diego Würmli erwähnt. Der Goalie aus Schlieren stand 2002 in jener Mannschaft, welche an der U17-Europameisterschaft den Titel holte. Er war hinter Swen König die Nummer 2 und kam zu einem EM-Einsatz. Auch Würmli galt als grosses Talent. Den Durchbruch schaffte er trotz einigen Vereinswechseln (FCZ, Basel, Wil, Concordia) nie und wechselte vor zwei Jahren ins Berufsleben. Kurz hütete er noch für den SC Cham in der 1. Liga das Tor. Sein Geld verdient Würmli mittlerweile als Immobilienverwalter.