Tim Honegger

Die Sonne hatte den Horizont noch nicht ganz überstiegen und der Tau lag noch auf den Wiesen, als die Ottenbacher Jungpontoniere auf der Reuss den Wettkampf begannen. 22 Buben und zwei Mädchen zählt die Mannschaft der Ottenbacher Jungpontoniere. Einer ist der 20-jährige Freiämter Adrian Wick aus Benzenschwil. Seit neun Jahren

macht er im Verein mit.

Nicht ohne Schnupf

«Das Reizvollste am Pontonierfahren sind die Kameradschaft und das Vereinsleben», teilte Adrian Wick mit. «Zudem ist die Sportart einzigartig, weil sie ausschliesslich in unserem Land ausgeübt wird.» Während Adrian vom Pontonierfahren erzählte, kam ein Kollege zu ihm und hielt ihm einen Schnupftabak hin. «Das gehört einfach dazu», schmunzelte Wick, «nach einer Wettkampffahrt geht es meistens ins Festzelt auf ein Bier und einen Schnupf.»

Zwei Monate bereitete sich Adrian Wick mit seinen Kollegen fleissig auf die Schweizer Meisterschaft vor. Heute sei der Meistertitel in der höchsten Altersklasse (Kategorie 3) mit Partner Marco Baschnagel das Ziel gewesen. «Wir haben leider einen ganzen Punkt verschenkt, jetzt sind wir weg vom Fenster», mutmasste der leise enttäuschte Wick. Wie sich später herausstellte, erwies sich Wicks Prognose als Irrtum: Mit 179,1 holte er gemeinsam mit seinem Steuermann, Marco Baschnagel, den Meistertitel.

Tolle Ambiance

512 Jungpontoniere von 11 bis 20 Jahren bestritten in drei Altersklassen die nationalen Titelkämpfe auf der Reuss. Die meisten manövrierten ihren Weidling sehr geschickt und zügig zwischen den Stangen hindurch. Bei den anforderungsreichen Uferlandungen, wo es um Präzision ging, und auf den kraftraubenden Stachelabschnitten flussaufwärts trennte sich die Spreu vom Weizen. Die Ambiance am Flussufer und auf der Ottenbacher Reussbrücke war toll. Von allen Seiten ertönten die Anforderungsrufe «Zieh, zieh, zieh!». Wenn ein Fahrerpaar ein Hindernis verpasste, gaben Jungpontierleiter gelegentlich lautstark ihrer Enttäuschung Ausdruck.

Rettungsbrevet obligatorisch

Auf die Frage, ob es denn auch wasserscheue Pontoniere gebe, sagte der spätere Schweizer Meister Adrian beinahe entrüstet: «Auf keinen Fall! Die Jungpontoniere müssen nach den ersten Jahren ein Rettungsbrevet absolvieren. Schwimmen können alle.» Ein Kollege fügte hinzu, dass hin und wieder mal ein Jungpontonier in den Fluss falle, was stets grosse Heiterkeit auslöse. Adrian Wick durfte letztmals bei den Jungpontonieren mitfahren. «Der letz-te Auftritt bei den Jungpontonieren stimmt mich wehmütig. In der Elitekategorie, bei den Aktiven, weht ein rauer Wind. Aber es wird spannend.»