Konkurrenz im Schweizer Team: Hitzfelds Fingerzeig

Swiss player Eren Derdiyok, leads his teammates during a training session of Switzerland's national soccer team, at the stade de Geneve stadium, in Geneva, Switzerland, Sunday June 6, 2010, ahead of the World Cup in South Africa. Switzerland will play in group H. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Hitzfelds Fingerzeig für Barnetta

Swiss player Eren Derdiyok, leads his teammates during a training session of Switzerland's national soccer team, at the stade de Geneve stadium, in Geneva, Switzerland, Sunday June 6, 2010, ahead of the World Cup in South Africa. Switzerland will play in group H. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Beim 1:1 gegen Italien drückte Tranquillo Barnetta zu Beginn überraschend die Ersatzbank. Dies muss auch der Platz von Blaise Nkufo sein, wenn seine Leistungen nicht besser werden. Nun herrscht wenigstens ein bisschen Konkurrenzkampf im Schweizer Team.

Markus Brütsch, Genf

«Die Beine hochlagern» – mit dieser Anweisung hat Coach Ottmar Hitzfeld seine Spieler gestern in den zweitägigen Familienurlaub entlassen. Nach elf harten Trainingstagen in den Walliser Bergen sollen die Akteure die Batterien aufladen, ehe es übermorgen ernst gilt und sich der Tross nach Südafrika verabschiedet.

Nachdem die physischen Grundlagen noch in der Heimat geschaffen worden sind, wird auf dem Trainingsplatz von Vaal dann der Feinschliff für die drei Gruppenspiele gegen Spanien, Chile und Honduras vorgenommen. Ob dies ausreichen wird, um erstmals seit 1954 und einem 2:1 gegen Italien beim WM-Turnier im eigenen Land wieder einmal ein Auftaktspiel einer WM- oder EM-Endrunde zu gewinnen, ist allerdings fraglich.

Schonfrist gegen Spanien?

Denn mit Europameister Spanien wartet der – zumindest auf dem Papier – schwerstmögliche Gegner. Allerdings hat diese Spielplankonstellation auch den einen oder anderen Vorteil. Einmal davon ausgehend, dass die Spanier ihre drei Gruppenspiele gewinnen, bestreiten die Schweizer ihre Schlüsselspiele um den zweiten Rang und den Achtelfinaleinzug also erst am zweiten und dritten Spieltag. Es gibt für sie damit sozusagen eine verlängerte Schonfrist; wenngleich sie natürlich gegen Spanien versuchen werden, eine Sensation zu schaffen.

Der Vorteil, Spanien als Auftaktgegner zu haben, liegt aber auch da drin, dass Hitzfeld vor dem kapitalen Spiel gegen Chile die Gelegenheit erhält, allfällige Korrekturen anzubringen.

Yakin, Derdiiyok statt Nkufo?

Ein konkretes Beispiel dafür ist Stürmer Blaise Nkufo. Wie es scheint, ist der 35-Jährige weiterhin erste Wahl des Coachs im Angriff neben Alex Frei. Doch auch im Spiel gegen Italien vermochte Nkufo nicht nachzuweisen, sich einen Platz im Team zu verdienen; alte Verdienste in der WM-Qualifikation hin oder her. Bringt Nkufo aber auch gegen Spanien kein Bein vors andere, muss gegen Chile die Stunde von Hakan Yakin, Eren Derdiyok oder vielleicht sogar von Albert Bunjaku schlagen.

Gelson Fernandes’ Chance

Doch genug der Spekulationen. Denn Fakt ist, dass Ottmar Hitzfeld am Samstag den bis
dato kaum existierenden Konkurrenzkampf wenigstens ein wenig entfacht hat. Überraschend hatte er Tranquillo Barnetta auf die Ersatzbank gesetzt und Gelson Fernandes eine Chance auf der Seite im Mittelfeld geschenkt. Auch wenn Hitzfeld dies in der Öffentlichkeit nie sagen würde und dort andere Gründe für diesen Wechsel vortrug: Für Barnetta, und auch für ein paar andere Spieler, war es ein klarer Fingerzeig, sich des Stammplatzes nicht allzu sicher zu sein.

Es lässt sich zwar nicht sagen, der eifrige Fernandes habe sich mit seiner Leistung nun gleich in die Mannschaft gespielt, doch wenn sich Barnetta nicht steigert, ist Fernandes eine Alternative. Hitzfelds Massnahme muss indes auch Akteuren wie Hakan Yakin, Xheran Shaqiri oder Pirmin Schwegler Mut machen. Auch ihre Stunde könnte schneller schlagen, als viele – vielleicht auch sie selber – denken.

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