«Kart-Rennen ist beste Raserprävention»

Wie sportlich ist Kart fahren wirklich? Und ist es ökologisch überhaupt zu verantworten? Ein Augenschein auf der Kartbahn Wohlen.

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Aargauer Zeitung

Samuel Schumacher

Ein Sinneserlebnis der ganz speziellen Art erwartete die zahlreichen Motorsportfans, welche am Pfingstmontag aus der ganzen Schweiz ins Freiamt anreisten, um die hart umkämpfte Schweizer Meisterschaft der Kart-Rennfahrer auf der Kartbahn Wohlen zu verfolgen: Motorenlärm, Benzingeruch und im Sonnenlicht aufblitzende Karrossen gab es im Überdruss, saftige Grillwaren und schäumender Siegerchampagner machten den Event perfekt. Dass der Grossanlass ausgerechnet im Freiamt durchgeführt wurde, hat laut Michèle Carigiet von der Kart-Renngemeinschaft Zürich (KRGZ), der Organisatorin des Events, einen einfachen Grund: «Wohlen ist die einzige Schweizer Kartbahn, welche die Anforderungen an einen Meis-terschaftswettkampf erfüllt.» Mit ihrer 825 Meter langen und rund 10 Meter breiten Rennstrecke und dem grossen Areal für die Reparaturzelte und Transportfahrzeuge der Rennfahrer sei die Wohler Kartbahn auch für Grossanlässe wie diesen bestens gerüstet.

Familienhobby Michael Ryter (Mitte) mit seiner Familie und dem ehemaligen Schweizer Ferrari-Rennfahrer Charly Müller (zweiter von links): «Brutaler Einsatz ist nötig, um vorne dabei zu sein.»

Familienhobby Michael Ryter (Mitte) mit seiner Familie und dem ehemaligen Schweizer Ferrari-Rennfahrer Charly Müller (zweiter von links): «Brutaler Einsatz ist nötig, um vorne dabei zu sein.»

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Einstieg für künftige Stars

In insgesamt sechs verschiedenen Kategorien wurde am Montag um den Schweizer-Meister-Titel gekämpft. Das Alter der Fahrer variierte zwischen 8 und 45 Jahren. Nachwuchsprobleme scheint es im Kart-Rennsport keine zu geben. «Trotz unserem Randsportdasein konnten wir bisher stets genügend Jugendliche für unseren Rennsport begeistern», erklärte Michèle Carigiet. Vielleicht sei es die spezielle Atmosphäre an den Meisterschaftsrennen, vielleicht aber auch einfach der grosse Traum von der Karriere als Formel-1- Rennfahrer, welche den Nachwuchs am Kartsport so faszinieren. Weit über 90 Prozent der aktuellen Formel-1-Piloten hätten schliesslich im Kartsport ihre ersten Rennerfahrungen gemacht. Dass der Kart-Rennsport im Zeitalter der grossen Umweltdiskussionen ein ökologischer Stumpfsinn sei, glaubt Michèle Carigiet nicht. «Schliesslich fahren wir mit bleifrei», scherzte die Event-Organisatorin. Wettkampf-Speakerin Barbara Oberer ergänzte, dass der Kartsport im Gegenteil etwas sehr Nützliches sei: «Eine bessere Raserprävention als den Kart-sport gibt es kaum. Hier lernen die Jugendlichen, auf einer sicheren Piste mit echtem Rennfeeling mit ihren Fahrer-Aggressionen vernünftig umzugehen und sich im Verkehr korrekt zu verhalten.»

«Familienhobby»

Einer, der vom Leben als Formel-1-Rennfahrer träumt, ist der 14-jährige Michael Ryter aus Schmerikon. Der talentierte Nachwuchsfahrer, der in Glarus eine Sportschule besucht und in Wohlen in der Juniorenkategorie KF3 an den Start ging, erklärte, dass er schon «brutal viel Einsatz» leiste, um sein Ziel dereinst erreichen zu können. «Wer im Kart-Rennsport erfolgreich durchstarten will, der braucht grossen Ehrgeiz und ein Interesse an Technik und Motoren», meinte Ryter. Ein zusätzlicher Vorteil sei es natürlich, wenn wie bei den Ryters die ganze Familie vom Kartsport begeistert sei und die Nachwuchsfahrer an ihren Wettkämpfen unterstütze.

Während sich Michael mental auf den nächsten Zwischenlauf vorbereitete und sich die Mutter um das Mittagessen kümmerte, schraubten Vater und Bruder wie wild an seinem Gefährt herum; ein richtiges Familienhobby eben. Zusätzlich unterstützt wird das Nachwuchstalent vom ehemaligen Schweizer Ferrari-Rennfahrer Charly Müller. Dass die Kartrennen ja eigentlich nichts mit Sport zu tun haben, hört man im Rennzelt der Ryters nicht gerne. «Ich trainiere täglich, gehe joggen, schwimmen und mache regelmässige Krafttrainin», betonte Michael Ryter. Ohne diese intensive Vorbereitung sei es gar nicht möglich, die bis zu 26 Runden eines Rennens konzentriert zu überstehen.

Auch wenn es Michael Ryter diesmal nicht zum Schweizer-Meister-Titel gereicht hat: Der Event in Wohlen war ein voller Erfolg und ging einmal mehr reibungslos über die Runden.

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