Lara Gut

«Ich muss dosieren, sonst bin ich schon im Juli in Hochform»

Skistar Lara Gut lacht wieder. Nach fünfmonatiger Verletzungspause bereitet sie sich am Gemsstock in Andermatt auf ihr Comeback vor. Eine Hüftluxation hatte sie ausser Gefecht gesetzt.

Richard Hegglin

Der Skilift in Airolo auf der Alp Pesciüm, wo sie selber als Kind Ski fuhr, ist abgebrochen worden. Deshalb fährt sie mit ihrem Vater Pauli fast täglich durch den Tunnel auf die andere Seite des Gotthards. Am Gemsstock kann sie unter drei Pisten auswählen, die für sie präpariert worden sind, eine leichte, eine mittelschwere und eine schwere.

Lara Gut, Sie stehen seit einem knappen Monat wieder auf Ski. Wie fühlen Sie sich?

Lara Gut: Anfänglich hatte ich Bedenken und erwartete Komplikationen. Aber es ist wieder wie vorher, wie wenn nichts gewesen wäre. Das Gefühl war vom ersten Schwung an wieder da. Nur wenn ich Skilift fahre oder unbequem sitze, spüre ich ab und zu leichte Schmerzen.

Dann können Sie wieder voll belasten?

Gut: Bei gewissen Schneearten braucht die Hüfte manchmal eine Angewöhnungszeit. Die ersten Läufe sind dann noch nicht so sauber. Am Anfang wechselte ich ab: ein Tag Ski, ein Tag Pause, ein Tag Ski. Inzwischen fahre ich drei, vier Tage hintereinander ohne Probleme. Ich muss dosieren, sonst bin ich schon im Juli in Hochform und nicht erst im Oktober.

Sie trainieren im Moment Slalom, ihre schwächste Disziplin.

Gut: Ich fahre keine Abfahrten mehr! So wie die Abfahrten aussehen – Beispiel Whistler Mountain –, verzichte ich auf diese Disziplin. Spass beiseite. Mein Aufbau erfolgt über Slalom und Riesenslalom. Ende April wende ich mich den schnelleren Disziplinen zu. Dann gehts im Mai auf die Gletscher in Österreich, anschliessend folgt ein siebenwöchiger Konditionsblock ohne Skifahren mit meinem Trainer Patrick Flaction. Ob wir im Sommer nach Südamerika fliegen, ist noch nicht entschieden.

Wie überstanden sie moralisch den Winter ohne Skifahren? Dani Albrecht hatte während der Olympischen Spiele einen leichten Durchhänger.

Gut: Die schwierigsten Momente erlebte ich am Anfang, als ich vier Wochen im Bett liegen musste und das Bein nicht bewegen konnte, während die andern auf Pisten fuhren, die ich am liebsten habe wie Sölden oder später St. Moritz. Während der Spiele fühlte ich mich besser, da ich wieder auf Ski stehen konnte und spürte: Es geht vorwärts.

Wie erlebten Sie die Olympischen Spiele?

Gut: Ich hatte regelmässig Kontakt mit Andrea Dettling, der Österreicherin Anna Fenninger oder Massimiliano Blardone. Und natürlich mit Männer-Chef Martin Rufener. Ich musste ihm ja ständig gratulieren.

Carlo Janka haben Sie nicht persönlich gratuliert?

Gut: Nein, ich habe seine Handy-Nummer nicht. Deshalb habe ichs über Martin Rufener gemacht und ihn gebeten, die Gratulation weiterzuleiten. Es wird, so wie Carlo fährt, noch oft Gelegenheiten geben, ihm selber zu gratulieren.

Ihr seit zwei ziemlich unterschiedliche Typen, Sie extravertiert, er eher verschlossen.

Gut: Auch Freunde haben mich deswegen schon angesprochen. Er ist jetzt einfach so. Wenn er plötzlich ins Ziel käme und jubeln würde, hätte ich das Gefühl, er habe Fieber. Ich glaube, als Athletin kann ich ihn verstehen und nachvollziehen, wie er sich verhält. Er ist einfach mega-cool.

Der Abstand auf Österreich, das siegreiche Team im Nationencup, ist auf weniger als 1000 Punkte zusammengeschrumpft. Mit Ihren Punkten aus dem Vorjahr hätten die Schweizerinnen beinahe gewonnen.

Gut:Jede Saison sieht anders aus. Meine Kolleginnen hatten keinen einfachen Winter, obwohl sie in den Speed-Disziplinen sehr gut waren. Man schrieb vor und während der Spiele immer wieder von den Verletzten und weniger von denen, die nach Vancouver reisten. Dabei stand Fabienne Suter in der letzten Saison siebenmal auf dem Podest. Und in Vancouver fehlte ihr dreimal nicht viel zum Medaillengewinn.

In der Zeit ohne Skifahren hatten Sie sich vorgenommen, intensiv für die Matura zu lernen.

Gut: Ich bereitete die Prüfungen in den schwierigsten Fächern vor, Chemie, Physik und Biologie. Ich möchte mich aber wegen der Schule nicht unter Druck setzen lassen, ich habe sonst schon genug Stress. Es ist nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Im Prinzip ist es ja egal, ob ich die Matura auch erst mit 21 oder 22 Jahren mache.

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