Ralph Krueger

«Ich halte meine Verträge ein»

Das ging ins Auge: Ralph Krueger, Nationaltrainer.

Ich halte meine Verträge ein

Das ging ins Auge: Ralph Krueger, Nationaltrainer.

Geht es nach dem Willen der abtretenden Verbandsführung, bleibt Ralph Krueger noch bis zur WM 2010 im Amt. Auch der Deutsch-Kanadier denkt trotz WM-Out nicht an einen vorzeitigen Rücktritt.

Ralph Krueger, wie ist Ihre Gefühlslage wenige Stunden nach dem WM-Out?

Ralph Krueger: Im Moment fühle ich Schmerzen, die man in Worten nicht ausdrücken kann. Aber gleichzeitig habe ich auch eine unheimliche Freude an dieser Mannschaft gehabt.

Wieso?

Krueger: Wir haben in fünf von sechs Spielen deutlich mehr Torchancen kreiert als der Gegner. Aber wir hatten auch ein Torverhältnis von 12:15. Das unterstreicht unsere Defizite im Bereich Toreschiessen. Die Challenge für die Spieler ist nun, sich technisch weiter zu verbessern, noch schuss- und laufstärker zu werden. Auch im physischen Bereich. Die fehlenden Tore gegen Lettland, Russland oder die USA bleiben uns jetzt im Kopf. Aber unsere Schwierigkeiten gründen viel tiefer.

Inwiefern?

Krueger: Es zeigt sich einfach, dass Toreschiessen in unserer Liga und an einer WM zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Wir hatten Spieler mit 150 NLA-Toren im Kader. Aber international trifft man auf bessere Torhüter und bessere Verteidiger. Weiter an diesen Tugenden zu arbeiten, wird für uns wichtig sein.

Dann werden Sie Ihren Vertrag bis ins Jahr 2010 erfüllen?

Krueger: Ich unterschreibe Verträge und halte sie ein. Ich bekam in den letzten zwölf Jah-
ren mehrere Angebote und habe mit niemandem auch nur über eine Zahl verhandelt. Heute habe ich zwar viele Schmerzen, doch schon morgen werde ich wieder Freude haben, wenn ich in Richtung Olympia blicke.

Trotzdem: Es ist auch wieder Kritik an Ihren Personalentscheiden aufgekommen.

Krueger: Die Kritik, die jetzt kommt, ist ein Teil von meinem Job. Ich werde seit 1997 kritisiert. Ich muss pro Saison 20 Spieler aus dem Nationalteam eliminieren. Da ist es logisch, das nie alle glücklich sind. Und wenn wir dann noch den Viertelfinal verfehlen, dann ist es in der äusseren Wahrnehmung sowieso klar, dass wir nicht die richtigen Spieler dabeihatten.

Hat sich Ihr Verhältnis zu den Spielern nach so langer Zeit nicht abgenützt?

Krueger: Wir haben uns nach dem Ausscheiden in der Garderobe umarmt. Wir haben zusammen geweint. Ich habe mit vielen Spielern eine lange Beziehung aufgebaut. Wenn die Mannschaft nach dem Schweden-Spiel gegen die USA keine Reaktion gezeigt hätte, dann hätte ich meine Position vielleicht überdenken müssen. Aber die Spieler haben bewiesen, dass sie auf Kurs sind und dass sie noch zuhören.

Dann sind Sie trotz den verfehlten Viertelfinals zufrieden?

Krueger: Dass wir nicht weiter nach vorne stiessen, ist sehr enttäuschend. Aber wir sind wieder ungefähr dort gelandet, wo wir hingehören: zwischen Rang 7 und 10. Und gegen die «grossen Teams» Russland und USA haben wir so gut gespielt wie noch nie in meiner Amtszeit. Fakt ist auch: Wir sind einfach noch keine Top-6-Nation. Damit wir dort mal einbrechen können, muss alles stimmen, brauchen wir einen Exploit. Das hat dieses Jahr leider nicht geklappt.

Was muss sich ändern?

Krueger: Die physischen Unterschiede zu den Topspielern aus Schweden, Russland und den USA waren deutlich. Man muss sich nur deren Körper anschauen, wenn sie aus der Garderobe kommen. Wir haben das speziell gegen die Schweden gespürt. Als sie voll aufgedreht haben, haben sie uns physisch total dominiert.

Es schien oft so, dass die Spieler Mühe hatten, mit der Erwartungshaltung zurechtzukommen?

Krueger: Wir spielten vorher zwölf Jahre lang auswärts, wo der Druck anders ist als zu Hause. Beim einen oder anderen Spieler war fast ein zu grosses Wollen da. Erst im letzten Spiel gegen die USA schafften wir es zum ersten Mal, hundertprozentig zu unserem Spiel zu finden. Dass uns das nicht vorher schon gelungen ist, dafür muss ich sicher die Verantwortung übernehmen. (aufgezeichnet: ku)

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