Eiskunstlauf
«Ich fühle mich wie in einem Traum»

Sarah Meier ist am Samstag mit dem Gewinn der EM-Goldmedaille ein perfekter Abschluss ihrer Karriere gelungen. Im Interview spricht die 26-jährige Bülacherin über ihre Gefühle, nachdem für sie ein Traum in Erfüllung gegangen ist.

Sascha Fey
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Sarah Meier kann es kaum glauben

Sarah Meier kann es kaum glauben

Keystone

Sarah Meier, wann sind Sie zu Bett gegangen?Sarah Meier: Es war etwa 6 Uhr.

Konnten Sie überhaupt schlafen?
Ja, ja, ich war mega müde. Am Morgen dachte ich dann, dass ich lieber etwas früher ins Bett gegangen wäre. Aber ich erhole mich dann schon wieder irgendwann.

Haben Sie vom Vorabend geträumt?
Nein, ich habe geschlafen wie ein Stein.

Haben Sie in der Zwischenzeit realisiert, was Sie geschafft haben?
Ich begreife es immer noch nicht ganz. Ich fühle mich noch immer etwas wie in einem Traum. Ich bin noch gar nicht zur Ruhe gekommen.

Hat es bei den Feierlichkeiten einen Moment gegeben, den Sie speziell genossen haben?
Natürlich alle Gratulationen, vor allem von vielen anderen Läufern. Ich spürte, dass sich alle stark für mich gefreut haben. Es war auch für andere ein spezieller Moment.

Als Sie gestern Abend erfuhren, dass Sie Europameisterin sind, schienen Sie beinahe erschrocken.
Ja, total, denn ich wusste nicht, wie die anderen gelaufen sind. Ich habe zwar zum Teil schon Punkte gesehen, aber ich dachte eher, dass ich froh sein kann, wenn ich noch eine Medaille hole. Und dann dachte ich, dass ich nicht rausgehen darf, um Bronze zu verteidigen, sondern voll angreifen muss. Und das ist mir gelungen.

Sie haben nach dem 3. Rang im Kurzprogramm nicht mit einer Medaille gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Es hat es für mich von der Einstellung her schwerer gemacht, dass ich nach dem Kurzprogramm Dritte war. Ich wäre auch mit Bronze schon unglaublich glücklich gewesen und musste daher aufpassen, dass ich nicht versuche, unbedingt an dieser Bronzemedaille festzuhalten. Denn wenn man vorsichtig fährt, schleichen sich Fehler ein. Darum sagte ich, dass ich nicht für Bronze laufen dürfe, sondern für Gold. Aber dass es dann Gold wird, damit hatte ich nicht gerechnet. Der Titel ist in meiner Karriere noch das Tüpfelchen auf dem i. Es hat sich gelohnt, immer wieder aufzustehen.

Ein erster emotionaler Moment war, als der letzte Ton der Kür verklungen war und Sie wussten, dass Ihnen auch der zweite Wettkampfteil einwandfrei gelungen ist.
Ja, genau. Es war so ein schönes Gefühl. Ich wusste, dass mir der perfekte Abschluss gelungen ist, egal was für ein Rang dabei herausschauen würde. Ich dachte in dem Moment nicht, dass es für Gold reichen könnte. Ich war einfach fertig, habe den Moment genossen.

Was ist Ihnen auf dem Podest durch den Kopf gegangen?
Zuerst habe ich gedacht: «Oh nein, die Schweizer Fahne ist so klein.» Es war ein mega schöner Moment, ich konnte es fast nicht glauben.

Wie war das Gefühl während der Kür?
Ich hatte schon im Kurzprogramm die richtige Mischung zwischen Angriff und Konzentration gefunden. Es passiert relativ selten, dass ich diesen Zustand erreiche. Dann hatte ich auch noch Glück. Der zweite Lutz und der erste Salchow waren nicht sehr hoch, aber irgendwie habe ich es dennoch geschafft, sie zu stehen. Es hat alles gepasst. Der Wettkampf ist von A bis Z so gelaufen, wie ich mir das immer erträumt hatte. All die Jahre ist immer etwas dazwischen gekommen, und nun hat es am Ende doch noch geklappt. Es ist unglaublich.

Wie erklären Sie sich das. Hatten Sie vielleicht auch eine gewisse Gelassenheit, weil es Ihr letzter Wettkampf war?
Wenn jemand in mich hineingeschaut hätte, hätte er, glaube ich, kein Spürchen Gelassenheit gefunden. Ich hatte schon vor der Kür mit den Tränen zu kämpfen. Mein Magen hat etwas darunter gelitten. Ich weiss jedoch, dass wenn es mir mega, mega wichtig ist und ich sehr unter Druck stehe, ich meistens gute Leistungen zeigen kann.

Bedauern Sie es nun etwas, dass es Ihr letzter Wettkampf war. Wird Ihnen das Ganze nicht fehlen?
Fehlen wird es mir sowieso, das ist ganz klar. Aber bedauern tue ich es trotzdem nicht. Ich sagte immer, ich möchte dann aufhören, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich nicht mehr verbessern kann. Dieses Gefühl habe ich nun schon länger, auch vom Körper her. Ich holte nochmals das Maximum heraus. Es hat alles gepasst, auch von den Fans her. Es waren alle Leute hier, die mich unterstützt haben. Es war schon ein sehr spezieller Moment.