«Ich bin schon etwas verrückt»

Mit Sascha Studer, Joël Mall und Philipp Bachmann setzt der FC Aarau auf drei talentierte Torhüter. Wer aber ist die Nummer eins? Die besten Karten hat der 18-jährige Studer.

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«Ich bin schon etwas verrückt»

«Ich bin schon etwas verrückt»

Ruedi Kuhn

Sascha Studer, Flügelstürmer und Torhüter haben den Ruf, dass sie leicht verrückt sind: Trifft das auf Sie zu?

Sascha Studer (lächelt): Na ja, vermutlich bin ich tatsächlich ein wenig verrückt. Trainer Ranko Jakovljevic sagt zwar immer, dass ich etwas ruhiger werden soll. Menschen kann man aber nicht so leicht ändern.

Wann brausen Sie auf, wann geht das Temperament mit Ihnen durch?

Studer: Vor allem im Training. Während Übungen beispielsweise, in denen der Torhüter keine Chance hat. Schiesst ein Spieler aus kurzer Distanz ein Tor oder lasse ich einen haltbaren Schuss passieren, raste ich hin und wieder aus. Dann schreie ich. Um meinen Frust loszuwerden.

Wirken solche Ausbrüche befreiend auf Sie?

Studer: Es kann befreiend wirken. Schreie ich allerdings zu oft oder nörgle zu viel an mir herum, verliere ich die Konzentration.

Arbeiten Sie mit einem Mentaltrainer oder einem Psychologen zusammen?

Studer: Ich habe vor einem Jahr erstmals Mentaltraining gemacht. Und seit sechs Monaten arbeite ich mit Thomas Imhof zusammen. Er kommt aus Olten und ist Psychologe.

Wie oft gehen Sie zum Psychologen?

Studer: Jeden Montagabend. Mit Imhof kann ich über alles reden. Er ist für mich sowohl Vertrauens- als auch Bezugsperson. Während der Sitzungen stellt er einen Plan zusammen und spricht mit mir über alle Details. Meine Ziele sind klar: Ich will selbstbewusster und ruhiger werden. Tatsächlich habe ich mehr Selbstvertrauen als früher. Zudem bin ich etwas gelassener, cooler und nehme gewisse Anschuldigungen auch weniger persönlich als früher.

Haben Sie sportlich Fortschritte gemacht?

Studer: Das kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe es. Es ist ja nicht so, dass ich nun total ruhig bin. Ich will die Verrücktheit behalten. Ich will positiv verrückt sein und die Teamkollegen motivieren.

Wie und warum wurden Sie Torhüter?

Studer: Ich war als Bub immer ein bisschen faul. Ich fragte mich, warum ich rennen soll. Irgendwann stand ich im Tor. Und dabei blieb es. Der Goaliejob macht mir grossen Spass.

Sie gelten als extrem ehrgeizig.

Studer: Das stimmt. Ich verliere nicht gerne. Meine Eltern sagten mir schon als Bub, dass ich Ziele konsequent verfolgen soll. Nun setze ich einerseits auf die Ausbildung im kaufmännischen Bereich, anderseits auf die Karriere als Fussballer. Nach der Lehre will ich Profi werden. Und zwar um jeden Preis.

Der FC Aarau hat mit Joël Mall, Philipp Bachmann und Ihnen drei junge Torhüter, aber keinen Routinier. Gut oder schlecht?

Studer: Es ist etwas Neues und wohl auch Einmaliges. Ich glaube nicht, dass ein anderer Challenge-League-Klub drei Goalietalente im Kader hat. Wir waren darauf vorbereitet. Für die Klubverantwortlichen war klar, dass sie bei einem Abgang von Ivan Benito auf die Jugend setzen. Daran hat man sich jetzt auch gehalten. Das finde ich sehr fair. Mein Ziel ist es, die Nummer eins zu sein und auch zu bleiben.

Sind Sie die Nummer eins?

Studer: Das weiss ich nicht. Im Moment sieht es gut aus. Leider hat sich Joël Mall am Fuss verletzt. Das habe ich mir sicher nicht gewünscht. Aber es ist nun mal so.

Wie stark ist der FC Aarau?

Studer: Das Kader ist trotz der vielen Abgänge gut besetzt. Die Mischung aus Routiniers und Talenten stimmt. Mit Sandro Burki haben wir einen Supercaptain. Er ist lieb und nett, spricht hin und wieder aber auch Klartext. Von Burki kann ich viel lernen.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Studer: Unser Ziel muss es sein, oben mitzuspielen. Ich möchte in jedem Spiel im Tor stehen
und für mein Team das Beste geben.

Welches sind Ihre Stärken und Ihre Schwächen?

Studer: Ich bin ein Torhüter, der gerne mitspielt. Bei Abstössen versuche ich das Spiel mit langen, präzisen Bällen schnell zu machen. Eine weitere Stärke ist das Stellungsspiel. Ich mag das Risiko. Verbessern kann ich das Timing bei Flankenbällen. Manchmal verlasse ich das Tor zur Unzeit. Deshalb habe ich zuletzt auch das eine oder andere Tor kassiert.

Sie zählten in der vergangenen Saison zum Team Aargau U21: Wie sehr schmerzt der Nichtaufstieg, der am grünen Tisch bestimmt wurde?

Studer: Das ist eine absolute Frechheit. Ich bin enttäuscht und wütend zugleich. Der FC Thun und Lugano erfüllen die Voraussetzungen für die Teilnahme einer U21 nicht. Trotzdem spielen die Auswahlen in der 1. Liga. Das Team Aargau hat während der Saison hart gearbeitet und den Aufstieg geschafft. Wir gehören in die 1. Liga.

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