Richard Hegglin

Fabienne Suter, vor dreieinhalb Wochen erlitten Sie eine Gehirnerschütterung - wie geht es Ihnen?
Fabienne Suter: Alles ist wieder gut. In der letzten Woche stand ich erstmals seit meinem Sturz wieder auf Ski. Am ersten Tag hatte ich noch etwas Mühe, aber es kommt langsam wieder. Wegen des Schleudertraumas hatte ich am Anfang etwas Mühe mit dem Gleichgewicht und auch mit dem Nacken noch einige Probleme.

Vor dem Sturz sollen Sie sich in einer Superform befunden haben, eine Stufe über allen andern, wie Cheftrainer Hugues Ansermoz sich ausdrückte.
Suter: Es lief tatsächlich sehr rund, ich weiss gar nicht genau warum. Nicht nur im Super-G, sondern auch im Riesenslalom und in der Abfahrt. Ich bekam den Eindruck, auch in diesen Disziplinen könnte was drinliegen. Ich fühlte mich wohler als früher. Es passte einfach. Jetzt will ich mal schauen, wies weitergeht.

Überschwängliches Lob von den Trainern hört man selten.
Suter: Es ist ein gutes Gefühl und ist die Bestätigung, gut vorbereitet zu sein. Vor einem Jahr war das zwar auch so, doch dann liefs in den Rennen weniger gut - vor allem im Riesenslalom. Warten wir mal ab.

Sie hörten im letzten Jahr mit einem 5. Rang im Riesenslalom auf, Ihrem mit Abstand besten Resultat. Eine solche Ausgangslage hatten Sie noch nie.
Suter: Erstmals brauche ich nicht um einen Platz unter den ersten 30 der Weltcup-Startliste zu zittern. Das macht die Sache einfacher.

Das Potenzial hatten sie schon immer, aber mit dem Erwartungsdruck taten Sie sich schwer. Haben Sie mental gearbeitet?
Suter: Ich bin mental nicht so schlecht, wies manchmal rüberkommt. Auf die Rennen kann ich mich meistens sehr gut einstellen. Als ich seinerzeit in den Weltcup einstieg, hatte ich mehr Mühe, vor allem mit dem gestiegenen Interesse an meiner Person. Inzwischen bin ich hineingewachsen. Auch Mentaltraining hat mir weitergeholfen. Mittlerweile habe ich das gut im Griff.

Kann man, etwas überspitzt formuliert, Ihren schweren Trainingssturz fast als Glücksfall bezeichnen? Das dämpft übertriebene Erwartungen.
Suter: In Sölden hatte ich bisher immer Mühe. Ich will diesen Riesenslalom einfach mal überstehen. Es ist ein spezielles Rennen, das erste der Saison, ein Riesentamtam. Denn Druck empfinde ich nicht mehr als so extrem wie früher, obwohl nach dem Ausfall von Lara Gut wieder mehr Verantwortung auf mir lastet.

Ihr seid zwar interne Konkurrentinnen, trotzdem könnt ihr beide voneinander profitieren.
Suter: Sie fehlt, das ist schade. Ich war nicht mehr so allein. Wir haben zwar auch andere, die gut Riesenslalom fahren. Lara brachte aber eine gewisse Stabilität in diese Disziplin, so wie Dominique Gisin in der Abfahrt, wo wir ein starkes Team haben. Das gibt Sicherheit und erlaubt es, manchmal etwas zu probieren.

Machen Sie, wie die meisten Athleten, auch keinen grossen Unterschied zwischen Weltcup- und olympischen Rennen?
Suter: Es wäre cool, wenn ich wieder ein oder zwei Weltcuprennen gewinnen und mich für die Olympischen Spiele qualifizieren könnte. Im Vornherein weiss man das nie, ich war ja noch nie dabei. Wenn ich gehen kann, möchte ich dort das bestmögliche Resultat erzielen. Das probiere ich ohnehin in jedem Rennen.

Sie machten im Frühling nach Abschluss der Skisaison in der Olympia-Region Whistler Mountain einen «Schnupperkurs».
Suter: Ich war kurz auf den Pisten. Sie würden mir gefallen. Super- G und Abfahrt werden in einem schönen, offenen Gelände ausgetragen, mit Übergängen, Wellen und Sprüngen. Es hat technische Sachen drin mit schönen Kurven. Der Riesenslalom- Hang ist coupiert - so wie ichs gerne habe.

«Ihre» Disziplin ist der Super-G, in dem Sie in den letzten neun Weltcuprennen sechsmal auf dem Podest standen.
Suter: Vermutlich wird er auch diesen Winter meine stärkste Disziplin sein, da bin ich zu Hause. Doch auch in der Abfahrt fühlte ich mich bis zu meinem Sturz gut, ich getraute mir mehr zu als früher. Ich möchte in dieser Disziplin einen Schritt vorwärtsmachen. Deshalb werde ich mit meiner Skifirma noch zu Gleittests gehen. Das Gefühl fürs Gleiten geht mir noch ab.

Sie sind praktisch die einzige Spitzenfahrerin ohne Manager.
Suter: Ich habe Leute aus dem Umfeld, die mich unterstützen. Mit den Sponsoren und Ausrüstern, die ich habe, komme ich selber gut zurecht. Kopfsponsor Victorinox habe ich schon ewig, Stöckli ebenfalls. Geschäftliche Dinge kann ich gut selber besprechen, ich weiss, dass meine Partner faire Verträge machen.

Sie reizen Ihren Wert nicht bis zum Gehtnichtmehr aus. Sie sagten, ein sehr hohes Fixum setzte Sie zusätzlich unter Druck.
Suter: Ich möchte festhalten: Ich habe gute Verträge. Es besteht kein Anlass zum Jammern. Ich möchte mich mit einem Sponsor oder Ausrüster identifizieren können, wissen, was sie machen und wofür sie stehen. Abgesehen davon: Wenn ich jetzt dank einem Manager x Prozente mehr verdienen würde und dafür einen Teil als Provision abgeben müsste, hätte ich am Schluss praktisch gleich viel. Viel mehr holt ein Manager nicht raus.