2017 entschied Gmelin sämtliche Rennen zu ihren Gunsten. An den Weltmeisterschaften in Sarasota in Florida distanzierte sie die Konkurrentinnen um 1,92 Sekunden und mehr.

Im Dezember erhielt sie an den "World Rowing Awards" in London die von einer internationalen Fachjury verliehene Auszeichnung als beste Ruderin des Jahres - eine Ehre, die zuvor noch keiner Schweizerin zuteil geworden war.

"Was 2017 gereicht hat, wird 2018 nicht mehr reichen", ist sich die 27-jährige Ustermerin bewusst. Die gestiegene Erwartungshaltung stellt für sie aber kein Problem dar, schliesslich hat sie selbst sehr hohe Ansprüche.

Jeannine Gmelin

Jeannine Gmelin

"Ich bin streng und hart zu mir selber", sagte Gmelin. "Das relativiert die Erwartungshaltung etwas." Und vielleicht sei es gar nicht so schlecht, wenn sie lernen müsse, mit weniger zufrieden zu sein. Gut oder schlecht sei ohnehin relativ.

Gmelin fühlt sich für den Weltcup-Auftakt in Belgrad bereit. "Ich bin extrem gut vorbereitet. Ich war verletzungsfrei und nur einmal kurz krank. Daher konnte ich sehr konstant trainieren. Eine solche Kontinuität ist ein grosser Vorteil."

Zwar hat sich das Training bewährt, und es ist kaum noch möglich, an der Quantität zu schrauben, die Qualität könne aber immer gesteigert werden. So arbeitet Gmelin in den Einheiten auf dem Wasser im 20-minütigen Warm-up akribisch an technischen Punkten.

Jeannine Gmelin

Jeannine Gmelin

«Man muss innovativ sein»

Auch bei der Ernährung sowie der Erholung überlässt sie nichts dem Zufall, und selbst die Schlafqualität ist für sie ein Faktor. Sie überwacht nun mit einer Uhr ihren Schlaf. "Das ist aufschlussreich und spannend", erklärte Gmelin.

"Man muss innovativ sein. Ich habe immer geschaut, in welchem Bereich ich noch etwas herausholen kann." Bezüglich Schlaf gebe es Möglichkeiten, das Bett, die Matratze oder den Rhythmus zu ändern.

Diese Akribie soll Gmelin 2020 in Tokio auf den Olympia-Thron bringen. Zuerst einmal will sie aber in Belgrad ihre Siegesserie fortsetzen. Dass der Weltcup-Auftakt in diesem Jahr einiges später stattfindet wie üblich, wirkt sich auf das Teilnehmerfeld aus. Waren 2017 in Belgrad im Frauen-Skiff zwölf Boote am Start, sind diesmal 25 Athletinnen gemeldet.

Unter ihnen befinden sich mit der Britin Victoria Thornley und der Österreicherin Magdalena Lobnig auch jene zwei Athletinnen, die zusammen mit Gmelin das letztjährige WM-Podest bildeten. Insofern sind die Rennen in Serbien für Gmelin eine ideale Standortbestimmung, um zu sehen, woran sie noch arbeiten muss. Und genau dieser Aspekt steht für die Perfektionistin im Vordergrund.